Herr Wessels, sind Sie Ihrer Aufsichtspflicht voll und ganz nachgekommen – anders, als die GPK Ihnen vorwirft?

Hans-Peter Wessels: Voll und ganz würde ich sicher nicht sagen. Es gibt Kritikpunkte, die absolut berechtigt sind. Dass wir gar nicht hingeschaut oder das Ganze schleifen gelassen hätten, kann ich hingegen nicht nachvollziehen – zumal die GPK selber in ihrem Bericht festhält, dass es in vielen Bereichen durchaus sicht- und spürbare Verbesserungen gab. Das ist natürlich in erster Linie das Verdienst der BVB-Geschäftsleitung, die aus meiner Sicht sehr gut arbeitet. Aber selbstverständlich haben wir in unserer Aufsichtsfunktion den Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung dabei unterstützt und ermutigt, in diese Richtung zu gehen.

Die GPK wirft Ihnen zudem vor, dass Sie es waren, welcher der französischen Seite die umstrittene Million Euro versprochen hat.

Es war die französische Seite, die mit dieser Idee auf uns zugekommen ist. Ich habe die Idee aufgenommen und die damalige BVB-Leitung gebeten zu prüfen, ob das möglich wäre. Diese ist zum Schluss gekommen, dass es denkbar ist, dass die BVB diese Million leistet. Insofern war ich selbstverständlich involviert. Ich habe es auch sehr unterstützt, dass die BVB die Million leistet.

Über die Million wird seit 2012 diskutiert. Wie ist es möglich, dass der Betrag bis heute nicht offizialisiert worden ist?

Das ist eine Geschichte, die sehr ungut gelaufen ist. Ich verstehe jeden Aussenstehenden, der das nicht nachvollziehen kann. Es hat damit zu tun, dass damals alle Projektbeteiligten – insbesondere die französische Seite – davon ausgegangen sind, dass das längst formalisiert ist. Das ist aber nie passiert. Der BVB-Verwaltungsrat hat das nie zur Kenntnis vorgelegt bekommen. Erst mit dreijähriger Verzögerung ist von französischer Seite die offizielle Anfrage gekommen und dann hat man das formalisiert.

Wirklich kaum nachvollziehbar.

Rückblickend ist kaum zu vermitteln, weshalb das so gelaufen ist. Selbstverständlich hätte mir das auffallen müssen – und auch können. Man muss aber auch festhalten, dass die französische Seite wie auch wir immer offen kommuniziert haben. Es gab in Saint-Louis eine Medienorientierung, bei welcher der Beitrag genannt worden ist. Es gab eine Ausstellung. Es ist also keine Rede davon, dass das irgendjemand verheimlichen wollte. Die Beteiligten sind schlicht davon ausgegangen, dass der BVB-Verwaltungsrat das 2012 selbstverständlich bereits genehmigt hat. Als wir drei Jahre später entdeckt haben, dass dies nicht der Fall war, war das natürlich eine sehr unschöne Überraschung.

Nach der heftigen Kritik und dem offensichtlichen Misstrauensvotum der GPK haben der BVB-Verwaltungsratspräsident und sein Vize die Konsequenzen gezogen und sind per sofort zurückgetreten. Welche Konsequenzen ziehen Sie?

Mir geht diese Kritik natürlich sehr nahe. Und es gibt einiges, das ich mir sehr gerne zu Herzen nehme. Ich muss die Kritik auch zu einem grossen Teil akzeptieren. Ich habe den Eindruck, dass die GPK sehr sorgfältig und mit besten Absichten gearbeitet hat. Schwierigkeiten zu akzeptieren habe ich, wenn im GPK-Bericht angedeutet wird, man habe sämtliche Empfehlungen von 2014 in den Wind geschlagen. Ich bin der Meinung, dass wir die Empfehlungen weitestgehend umgesetzt haben. Wir haben bei den BVB durchaus Verbesserungen erzielen können: Sie verhalten sich gesetzestreu und machen auch im Infrastrukturbereich vorwärts. Es bleiben aber noch grosse Herausforderungen in der BVB selber. Da bin ich gewillt und auch motiviert, um diese mit aller Konsequenz anzugehen.