Wahlen Basel-Stadt
Hans-Peter Wessels muss wohl in den zweiten Wahlgang

Elisabeth Ackermann (Grüne) liegt in der zweiten Wahlumfrage knapp vor Lorenz Nägelin (SVP). Von den Bisherigen ist einzig Hans-Peter Wessels (SP) unter dem absolutem Mehr, Baschi Dürr (FDP) nur knapp drüber.

Jonas Hoskyn
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Aktuell sieht es danach aus, als hätte Rot-Grün in den Regierungsratswahlen die Nase vorn.

Aktuell sieht es danach aus, als hätte Rot-Grün in den Regierungsratswahlen die Nase vorn.

nch/mta

Die diesjährigen Basler Regierungswahlen versprechen aussergewöhnlich spannend zu werden. Die aktuellen Ergebnisse aus der zweiten Wählerumfrage deuten klar darauf hin, dass am 23. Oktober nicht alle Kandidierenden das absolute Mehr schaffen dürften. Zumindest das Rennen zwischen Elisabeth Ackermann (Grüne) und Lorenz Nägelin (SVP) wird aller Voraussicht nach erst am 27. November im zweiten Wahlgang entschieden. Beide Kandidaten liegen klar unter dem absoluten Mehr von 50 Prozent. Im Hintergrund laufen deshalb bereits die Vorbereitungen für den zweiten Wahlgang am 27. November.

Doch auch Bau- und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels (SP) muss sich langsam, aber sicher mit dem Gedanken auseinandersetzen, nochmals in die Hosen steigen zu müssen. Er büsste im Vergleich zur ersten Umfrage vor einem Monat einen Prozentpunkt ein und liegt nun noch bei 47 Prozent Wählerstimmen. Besonders zu beunruhigen scheint dies den Bau- und Verkehrsdirektor nicht. Als einer der wenigen ist er zurzeit in den Ferien. Doch auch FDP-Regierungsrat Baschi Dürr muss noch zittern. Er kann sich mit 51 Prozent zwar hauchdünn über dem Strich halten. Allerdings wurde die Umfrage durchgeführt, bevor sein Departement von der Dienstwagen-Affäre und dem Sexskandal durchgeschüttelt wurde.

Gut möglich, dass nach dem ersten Wahlgang zwei oder sogar drei der sieben Sitze in der Regierung noch vakant sein werden. Das war schon länger nicht mehr der Fall. Einen zweiten Wahlgang mit zwei freien Plätzen gab es zuletzt 2004, als Rot/Grün schliesslich die bisher anhaltende Regierungsmehrheit eroberte, und 2000. Vier Jahre zuvor waren nach dem ersten Wahlgang sogar noch fünf Sitze vakant.

Die Vorteile für einen zweiten Wahlgang liegen tendenziell bei den Linken. Einerseits ist die Stimmbeteiligung bei zweiten Wahlgängen immer geringer. SP und Grüne können ihre Anhänger erfahrungsgemäss gut mobilisieren. Vor allem wenn vom bürgerlichen Viererticket alle Kandidaten ausser Nägelin den Sprung in die Regierung bereits geschafft haben sollten, könnte die Unterstützung für den SVP-Kandidaten zu bröckeln anfangen. Der Härtetest steht der neuen bürgerlichen Koalition aus CVP, FDP, LDP und SVP erst noch bevor. Dazu kommt: Ein allfälliger zweiter Wahlgang für SP-Regierungsrat Wessels würde für eine deutlich stärkere Mobilisierung bei der linken Wählerschaft sorgen, als wenn es «nur» noch um den Sitz der Grünen ginge.

Atomausstieg und Basler Wahl

Ein weiterer nicht zu unterschätzender Faktor: Am 27. November ist nicht nur ein allfälliger zweiter Wahlgang für die Basler Regierung angesetzt. Gleichzeitig ist auch nationaler Abstimmungstermin. Und zufälligerweise steht an diesem Tag genau eine Vorlage an: Die Atomausstiegsinitiative. Diese entscheidende Abstimmung über eine der Kernforderungen der Grünen Partei wird extrem stark mobilisieren. Die Terminkollision ist purer Zufall. Das Datum für einen zweiten Wahlgang war bereits lange klar, bevor der Bund die Abstimmung über den Atomausstieg ansetzte. Von der Konstellation dürfte vor allem Ackermann profitieren. Der Widerstand gegen das geplante Atomkraftwerk in Kaiseraugst war Mitte der 1970er Jahre das politische Erweckungserlebnis der damals 13-Jährigen. Sie sitzt auch im Präsidium des regionalen Komitees für die Atomausstiegsinitiative. «Das ist sicherlich ein Thema, das unsere Basis stark mobilisiert», sagt sie.

«Es ist auch durchaus vorstellbar, dass dadurch die Gegner mobilisiert werden», sagt Nägelin. «Die Initiative zeigt einmal mehr, wie wirtschaftsfeindlich die Grünen politisieren und so zahlreiche Arbeitsplätze vernichten.» Der SVP-Kandidat würde davon profitieren, wenn auch FDP-Mann Baschi Dürr in den zweiten Wahlgang müsste. Bisher ist Nägelin grossenteils im Verbund mit den weiteren bürgerlichen Kandidaten aufgetreten. Auch eine erneute Kandidatur der Grünliberalen Martina Bernasconi könnte Nägelin zugute kommen. «Dann gäbe es im zweiten Wahlgang plötzlich zwei Frauen, die grüne Politik machen», sagt er. Je nachdem, wie knapp das Rennen wird, könnte auch die Frage, ob der Rechtspopulist Eric Weber (Volksaktion) nochmals zu einem zweiten Wahlgang antreten wird, eine Rolle spielen.