Herr Popp, die Finanzkontrolle hat diesen Sommer die BVB unter die Lupe genommen. Der Bericht dazu sorgte in den letzten Tagen für Schlagzeilen. Etwas salopp zusammengefasst sagt die Finanzkontrolle: Drei Jahre nach der BVB-Affäre hat man den Laden immer noch nicht im Griff.

Stefan Popp: Ich bin anderer Meinung. Der Bericht zeigt ganz klar, dass wir die Themen identifiziert haben und daran arbeiten. Die Neuorganisation der BVB ist eine riesige Herausforderung, so etwas dauert seine Zeit. Wir hatten beispielsweise ein Jahr lang einen Interimsmanager für den Bereich Infrastruktur. Trotzdem konnten wir in einem Jahr sehr viel bewegen.

Laut dem Bericht rechnet der Bereich Infrastruktur nur äusserst rudimentär und undetailliert ab. An einer anderen Stelle im Bericht ist zu lesen, dass bei der Umgestaltung Wiesenplatz die Offerte erst nach Abschluss der Bauarbeiten vorlag.

Popp: Das Thema Offerten und Abrechnungen ist seit Herbst 2015 mit dem Wechsel der Verantwortlichkeiten in unserem Bereich Infrastruktur bekannt. Ich bin einverstanden, dass dies noch suboptimal läuft. Zu diesem konkreten Beispiel: Wir hatten für die Haltestelle Wiesenplatz eine Offerte vorliegen und mussten nochmals umplanen, nachdem wir bereits mit bauen angefangen haben. Deshalb lag die Schlussofferte erst so spät vor.

Ein anderer Punkt: Die Kosten beim Gleisbau sind in den letzten Jahren um 50 Prozent gestiegen. Eine plausible Erklärung konnten die BVB auf Nachfrage nicht abgeben.

Popp: Das würde ich als Finanzchef auch gerne wissen. Da fehlt uns noch das richtige Controlling. Bisher wurden die Rechnungen nicht nach den einzelnen Leistungen erfasst, sondern einfach zusammen verbucht. Simpel gesagt wurde alles in einen Topf geworfen. Das ändern wir jetzt. Zusätzlich haben wir per Anfang 2016 das Controlling zentralisiert und neu ausgerichtet.

Auch wenn es für die einzelnen Fälle jeweils Erklärungen gibt: Vor allem die Vielzahl der Kritikpunkte gibt kein gutes Gesamtbild ab.

Popp: Da stimme ich im Grundsatz zu. Die kritisierten Punkte sind aber grösstenteils aus der Phase vor der Reorganisation der Infrastruktur 2016 und sechs Punkte betreffen die Offerten und Abrechnungen. Die Finanzkontrolle hat in die Vergangenheit geschaut. Wir haben mit unseren aktuellen Unterlagen versucht, die Finanzkontrolle zu überzeugen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Wessels: Der Bericht der Finanzkontrolle deckt sich mit unserer Einschätzung. Die BVB wurden vor acht Jahren nach der Verselbstständigung dem damals neu formierten Bau- und Verkehrsdepartement zugeordnet. Wir haben rasch erkannt, dass da einiges nicht stimmt. Die Transparenz der Kosten bei Bauarbeiten etwa war schon damals ein Thema. Seit vor zwei Jahren eine neue Crew übernommen hat, geht es jedoch vorwärts. Wir sind aber noch nicht dort, wo wir sein wollen.

Hat der Kanton als Eigner zu wenig Druck gemacht?

Popp: Sie vermitteln den Eindruck, wir hätten jetzt jahrelang gar nichts gemacht. Wir haben ein Riesenprojekt gestartet, um die Beschaffung zu regeln. Wir haben die ganze Organisation und die Finanzen des Unternehmens unter die Lupe genommen. Es gab viele personelle Wechsel in der Führung. Dann ist der Bereich Infrastruktur noch umgezogen. Das sind alles Schritte, welche die Mitarbeitenden stark beansprucht haben. Wenn man sich anschaut, was in dieser Zeit gemanagt wurde, haben wir viel erreicht. Einige Themen konnten wir aber erst in Angriff nehmen.
Hans-Peter Wessels: Ich wäre auch froh, wir wären schon viel weiter. Es ist nicht alles bestens. Die Direktion hat noch viel Arbeit vor sich. Der sogenannte BVB-Skandal vor drei Jahren hat uns in Bezug auf Modernisierung und Effizienzsteigerung um zwei, drei Jahre zurückgeworfen. Das ärgert mich. Man muss aber auch festhalten, dass seither trotz der Turbulenzen enorm viel gearbeitet wurde.

Ein weiterer Punkt, den die Finanzkontrolle kritisierte: Die BVB haben den französischen Behörden zugesagt, für die Verlängerung der Tramlinie 3 eine Million Euro beizusteuern, ohne dafür eine Gegenleistung zu vereinbaren.

Popp: Das stimmt so nicht. Der Betrag ist an die Bedingung geknüpft, dass wir Betrieb und Unterhalt zu unseren Konditionen übernehmen können, sprich zu Schweizer Salären, Energiepreisen. Das ist so in einem Brief an die französischen Behörden festgehalten und in der Rahmenvereinbarung vom September 2016 vertraglich zwischen Kanton, BVB und der französischen Bauherrschaft CA3F geregelt.

Zugesagt wurde die Million aber schon viel früher.

Wessels: Es ist auch für uns nicht ideal gelaufen. Die BVB haben bereits vor ein paar Jahren den französischen Behörden zugesagt, dass sie sich mit einem ähnlichen Betrag wie bei der Verlängerung der Tramlinie 8 nach Weil an der Finanzierung beteiligen werden. Es war allen klar, dass diese Zahlung an Bedingungen geknüpft ist. Man hätte dies damals natürlich schriftlich festhalten sollen. Das Thema blieb jedoch lange Zeit liegen, vermutlich wegen der Turbulenzen und der personellen Wechsel bei den BVB. Erst als der Bau der Tramlinie 3 konkret wurde, haben die französischen Behörden nachgefragt. Und zu diesem Zeitpunkt haben die BVB auch klar gemacht, an welche Bedingungen die Million geknüpft ist.

Der Grund für die Million war also, dass man es beim 8er nach Weil so gemacht hatte?

Popp: Hierbei handelt es sich um eine Zusage des früheren Managements aus dem Jahr 2011. Es ging wohl darum, dass man den französischen Partner gleich behandeln wollte wie den deutschen. Bei der Tramverlängerung nach Weil hatten sich die BVB ebenfalls mit einer Million Euro beteiligt. Als die französischen Behörden dann fragten, ob wir uns beteiligen würden, war dies das Angebot. Zwar hat man den Handschlag nicht schriftlich festgehalten, aber auch eine mündliche Zusage ist verpflichtend.

Wessels: Der Hintergrund war, dass die BVB so einen Fuss in der Türe haben und mit am Verhandlungstisch sitzen können. Es ist normal, dass man sich bei einem solchen Projekt zunächst über die Grundsätze einigt und zahlreiche Aspekte erst im Laufe während des Prozesses präzise vereinbart werden. Nur weil etwas noch nicht fertig verhandelt ist, kann man ja nicht einen Baustopp vollziehen.

Das Geld war also eine Art Türöffner.

Wessels: Kann man so sagen.

Ein anderes Thema, das in den letzten Wochen für Schlagzeilen sorgte, ist das Sparprogramm der BVB. Von der Regierung sind vier Millionen vorgegeben. Die BVB haben sich 20 Millionen als Ziel gesetzt. Wie erklärt sich diese Differenz?

Wessels: Der öffentliche Verkehr in der Schweiz ist stark unter Druck. Im Verhältnis zum Auto ist der öV in den letzten Jahren deutlich teurer geworden. Und das ist ja nicht in unserem Sinn. Vor diesem Hintergrund haben wir den BVB vorgegeben, während vier Jahren pro Jahr mindestens einen Effizienzgewinn von einer Million pro Jahr zu erreichen. Aber es ist nicht der Plan, dass danach einfach Schluss ist. Die BVB haben sich ein sehr ehrgeiziges Ziel gesetzt. Sie wollen das Ziel in der fünffachen Geschwindigkeit erreichen. Das ist sehr ambitioniert. Was der Regierung als Eigner wichtig ist: Es soll zu keinen einschneidenden personellen Massnahmen kommen. Das haben uns die BVB zugesichert.

Wenn die BVB tatsächlich 20 Millionen einsparen können, würde dies zeigen, dass Sie das Sparpotenzial völlig falsch eingeschätzt haben.

Wessels: Ich würde sagen: Weniger optimistisch als heute. Ich bin ja froh, wenn sich das Unternehmen ein ambitioniertes Ziel setzt. Bei den BVB gab es in den letzten Jahren viele personelle Wechsel. Wenn mir nun die neue Leitung aufzeigt, wie viel man sparen kann, ist das doch wunderbar. Es zeigt, dass es dem Verwaltungsrat gelungen ist, eine fähige Direktion zusammen zu stellen.

Popp: Das Bau- und Verkehrsdepartement ging schlichtweg von älteren Zahlen aus, als es ihre Vorgabe formulierte. Mittlerweile haben wir ein viel transparenteres Rechnungswesen und ein besseres Controlling. So konnten wir in den letzten Jahren viel Sparpotenzial erkennen.

Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass sich bei den BVB einiges an Speck angesammelt hat.

Popp: Sicherlich nicht in dem Sinn, dass unsere Mitarbeiter nicht gute Arbeit geleistet haben. Das wäre nicht fair. Aber es wurde nicht gemäss den neusten Standards gearbeitet. Wir versuchen nun zusammen mit den Mitarbeitenden, die Prozesse auf den neusten Stand zu bringen.

Gerade bei diesen Mitarbeitern verursacht das Sparprogramm offenbar viel Angst. Zu hören ist von hohem Druck, plötzlichen Versetzungen und schlechtem Arbeitsklima. Das müsste Ihnen als Eigner doch zu denken geben, Herr Wessels.

Wessels: Diese Stimmen kommen natürlich auch zu mir. Und diese Bedenken thematisieren wir bei unseren regelmässigen Gesprächen mit dem Verwaltungsrat und der BVB-Leitung. Ein stückweit sind die ganzen internen Prozesse, die zurzeit bei den BVB laufen, auch mit einem Kulturwandel verbunden. Da ist es fast nicht zu vermeiden, dass es auch Leute gibt, die unzufrieden sind.

Immer mehr wird auch politisch gefordert, dass Sie eingreifen und klare Leitlinien setzen sollen. Wann tun Sie das?

Wessels: Wir greifen durchaus ein, indem wir genau diese Themen regelmässig mit der BVB-Spitze besprechen. Das sind intensive Gespräche. Ich würde mir wünschen, dass weniger Leute mit Ängsten kämpfen müssen, dass das Vertrauensklima innerhalb des Betriebs besser ist. Wir haben die Zusage der Direktion, dass die Effizienzsteigerung ohne Entlassungen durchgeführt werden sollen. Ich habe grosses Vertrauen in die Direktion, dass sie den Weg mit der gebotenen Behutsamkeit geht.