Seinen letzten runden Geburtstag beging das Basler Radio noch mit einer Menge Selbstbeweihräucherung: Die sonore Stimme Christian Heebs forderte die Hörer in einer Endlosschlaufe dazu auf, doch mal bei der Konkurrenz reinzuschnuppern. Natürlich nur, um sich zu überzeugen, dass Radio Basilisk der bessere Sender sei. Das wars. Kein Kuchen, keine Party.

Zum Dreissigsten hat Radio Basilisk die Hochnäsigkeit abgelegt und geht auf seine Hörer zu. In der Kaserne steigt ein Fest für Hörer, Kunden und das Team.

Radio Basilisk lädt ein...

Es weht ein anderer Wind

Der Wandel in der Art der Geburtstagsbegehung widerspiegelt nicht nur den Wechsel von Heeb zu Hagemann an der Spitze des Verwaltungsrats. Er ist auch ein Zeichen für die veränderte Lage auf dem Markt: Radio Basilisk muss sich nicht mehr, wie vor zehn Jahren, gegen einen Liestaler Regionalsender behaupten. Sondern gegen den Basler Ableger eines der grössten Medienhäuser Europas, nämlich Radio Energy. Gekoppelt mit der Marktmacht des Schweizer Verlags Ringier. Und diese neue Konkurrenz namens Energy Basel droht die Vormachtstellung von Basilisk dauerhaft zu brechen.

Bis vor zwei Jahren liessen die Hörerzahlen keinerlei Interpretationsspielraum zu: Basilisk lag jeweils mit einigen Zehntausend Hörern Vorsprung weit vor dem Konkurrenten mit dem ständig wechselnden Namen, also den Radios Raurach/Edelweiss/Basel1/Basel.

Die neusten Zahlen sprechen, objektiv gesehen, immer noch für Basilisk. Aber Energy Basel ist so dicht aufgerückt, dass die Marketingfachleute im Ringier-Hauptquartier in Zürich mit etwas Kreativität die Statistik so interpretierten, als hätten sie Basilisk überholt. Die Frage, welchen Einfluss hierbei neue Technologien haben, wie Digitalradio, Apps, Webradio und der um Längen bessere Internetauftritt der Zürcher, ist dabei (noch) sekundär.

Back to the Roots am Fischmarkt

Die grosse Sause heute Abend in der Kaserne ist aber auch eine Rückbesinnung auf alte Radio-Basilisk-Werte. In den Anfangsjahren war das der junge, freche Sender, der am Spalenberg ein Skirennen veranstaltete. Der Sender, der einen roten Londoner Bus als Sendewagen durch die Region schickte und seine Hörer am 1. April im Laufental nach einem Bären suchen liess. Radio fand auf der Strasse statt, damals eine Möglichkeit, sich vom angestaubten Studiojournalismus des staatlichen Radiosenders DRS abzusetzen.

Basilisk ist in den letzten Jahren wieder öfters auf der Strasse anzutreffen: Die Munitaufe auf dem Marktplatz, das Ski-Rennen in Adelboden und der traditionelle Auftritt an der Bundesfeier schaffen Hörerbindung und Aussenwirkung.

Ungleiche Gegner

Ob das reicht, der geballten Marketingmacht aus Zürich zu widerstehen, sei dahingestellt. Im Zürcher Energy-Hauptquartier belegt die Marketingabteilung gefühlt doppelt so viel Platz wie die Programmschaffenden. Energy holt für sein «Stars for Free» internationale Top-Acts ins Hallenstadion und verschenkt die Tickets an seine Hörer. An der Fashion-Night spielen bekannte Livebands, an den verschiedenen Showcases in der ganzen Schweiz ebenfalls.

Basilisk setzt vermehrt auf die kleineren Aktionen auf der Strasse, mietet ein Werbetram und versucht so, im Stadtbild präsent zu sein. Energy hält mit einem mobilen Sendestudio dagegen, das überall in der Region auftaucht und verlost Fernreisen und ähnliche Preise, deren Geldwert um das Mehrfache über denen liegt, die am Fischmarkt abzuräumen sind.

Neue alte Rollenverteilung

Dafür ist Basilisk wieder der Leader im privat finanzierten Basler Radio-Journalismus: Seit Heebs Radio Basel vom Sender ging, haben die Basilisken wieder die Informationshoheit. Und sie setzen ihre Mittel geschickt dort ein, wo sie Hörer bringen: Ob in Grosny, Donezk oder auf der Pontaise; Basilisk ist an jedem Auswärtsspiel des FCB live dabei. Und im Joggeli sowieso. Diese Leistung will Energy nicht erbringen.

Die Rückbesinnung auf die alten Erfolgsrezepte zeigt sich übrigens auch bei Theo, dem Maskottchen, das diese Seite ziert: Nachdem das Kostüm jahrelang im Keller vor sich hin moderte, ist der dauergrinsende Drache wieder an jedem Basilisk-Anlass dabei. Und er ist bei den Passanten genau so beliebt, wie in den Gründerjahren. Vielleicht eine wichtige Lektion für das ganze Unternehmen.