Natürlich las den Klatsch von Minu kein Mensch. Aber wie durch ein Wunder wusste jeder, was drin stand. Viele waren gar beleidigt, wenn sie nicht erwähnt und abgebildet waren. Zugegeben hätte das keiner, es war ja nur ein Klatsch, etwas für Waschweiber allenfalls, sicher aber nicht für die Mächtigen dieser Stadt. Die BaZ selber wollte eigentlich auch keiner lesen.

Auch lange nach der Fusion 1977 der «National-Zeitung» und der «Basler Nachrichten» zur «Basler Zeitung» trauerten noch viele Leser der einen oder anderen Zeitung und damit den alten Zeiten nach. Weder die eine Gruppe noch die andere fühlte sich heimisch bei der BaZ, dem Monopol-Blatt, das zu links war oder zu bürgerlich, je nach dem, wem man zuhörte.

Es war einmal eine Zeitung für alle

In einem Punkt war man sich überall einig: Unsere Zeitung ist das nicht. Dieses Verdikt mag ungerecht gewesen sein, immerhin wollte es die BaZ allen recht machen. Die Zeitung war zahm, tat niemandem bewusst weh, sie war weit davon entfernt, ein Kampfblatt zu sein. Doch die Liebe war einseitig. Und das war das Problem.

Wobei von Problemen, wie die Medien sie heute kennen, damals noch keine Rede sein konnte: Das Glück der jungen BaZ war, dass sie nicht nur als Zeitung allein war auf weiter Flur stand, sondern generell als lokales Medium. Da gab es zwar die «Basler AZ», doch die stand vielen Lesern so weit zu links, wie anderen Lesern das «Basler Volksblatt» zu katholisch war.

33 Jahre vor sich hingedöst

Insofern war 1977 ein gutes Jahr für die Zeitungsmacher. Die BaZ wurde geboren – und ob die Basler wollten oder nicht: Sie mussten sie lesen. Ein BaZ-Abo gehörte in die städtischen Haushalte wie heute das Internet. Die Redaktion konnte es sich erlauben, mit ihren Frontstories nur einen kleinen Teil der Leser anzusprechen, es gab keinen Kampf am Kiosk, das kannte eh nur der «Blick».

Diese Situation dauerte bis tief in die Neunzigerjahre hinein – und darüber hinaus: Als Anfang des jetzigen Jahrhunderts einmal beschlossen wurde, die Titelseite jeweils einem grossen Kommentar zu widmen, protestierte kaum ein Leser. Wenn da eine episch lange Abhandlung über Tschetschenien stand, obwohl es keine Tagesnews gab, mussten die Abonnenten das hinnehmen.

So döste die BaZ vor sich hin, wurde 10 Jahre alt, 20, 30. Es war ein angenehmes Dösen, allerdings weiterhin eines ohne Liebe, zumindest ohne Liebe, die von Herzen kam. Stur beharrten viele Leser auf ihrem einstigen Urteil von «zu links» oder «zu rechts», ungeachtet dessen, was die BaZ wirklich war: eine Zeitung für alle.

Das änderte sich schlagartig, als die BaZ 33 Jahre alt und nicht mehr allein auf weiter Flur war. Sie war nach wie vor «die Zeitung», aber seit Jahren schon wurde sie von anderen Medien begleitet. Die Auflage sank und der damalige Verleger Matthias Hagemann, Enkel von Fritz Hagemann, sah sich gezwungen, das Baby zu verkaufen. Das allein hätte aus der BaZ nicht eine Zeitung für wenige werden lassen müssen, doch die Käuferschaft forcierte diesen Wandel: Nach Geheimniskrämereien um den neuen Besitzer wurde bekannt, dass es SVP-Guru Christoph Blocher ist. Mit Markus Somm als Chefredaktor bildete sich Blochers Gesinnung auch in der Zeitung ab, jener Zeitung, die es einst allen recht machen und ein Forum bieten wollte. Recht machen will es die BaZ kaum mehr jemanden, schon eher rechts. Wobei selbst SVP-Fans ihr Fett wegbekommen, wenn es angebracht ist. Die Zeitung tut gern auch mal jemandem bewusst weh, von Zahmheit keine Spur mehr.

Aufschwung für Konkurrenz

Sie kommt je nach Thema wie ein Kampfblatt daher und sorgt für Gesprächsstoff. Es sind nach wie vor wenige, die das Blatt von Herzen lieben, aber es gibt solche, die es tun. Trotzdem sinkt die BaZ-Auflage stärker als bei den meisten Printmedien. Und trotzdem konnten im sterbenden Markt der Printmedien gerade in Basel neue Projekte entstehen. Projekte, die es ohne den Wandel der BaZ kaum in dieser Form gäbe. Die «Tageswoche» und die bz profitieren vom BaZ-Rechtskurs. Die bz gewann gar zahlreiche Abonnenten dazu. Die Monopolzeiten sind längst vorbei doch, was diesen Punkt angeht, trauert niemand alten Zeiten nach.