Es war der 24. Mai, als Frau J.*, Lehrerin an einer Basler Primarschule, den Schalter umgelegt hat. Sie hat das Klima thematisiert, und plötzlich wollten ihre Sechstklässler auch am Streik vom darauffolgenden Tag teilnehmen.

Die «Schweiz am Wochenende» hat darüber berichtet: wie Lehrerin J. noch am selben Tag einen Brief an die Eltern aufsetzte. Darin schrieb J., sie wolle mit der Klasse an die Klimademo. Gegen die offizielle Weisung des Erziehungsdepartements. Gegen die Schulleitung, die ein kurzfristiges Urlaubsgesuch abgelehnt hatte.

Die Klasse begleitet hat J. dann zwar nicht, vielmehr bot sie die Grosseltern eines Jungen auf, um nach den Zwölfjährigen zu sehen. Diese zwei Dinge wurden ihr zum Verhängnis, wie J. heute sagt. «Mir wird vorgeworfen, die Eltern falsch informiert und mich bewusst einer Weisung widersetzt zu haben.»

Vieles ging damals schnell, einmal wollte J. die Klasse begleiten, dann wieder nicht. «Ich gebe zu, manches ist nicht korrekt gelaufen.» Dass die Eltern nicht wussten, wer auf ihre Kinder schaut, sei nicht korrekt gewesen. Doch für korrekte Wege blieb J. keine Zeit, zu ergriffen war sie plötzlich von dieser Bewegung.

Verweis erteilt

«Ich stelle die Klimakrise in den Vordergrund, nicht Rechtliches», sagt sie. Ihr ist dabei bewusst: «Wäre den Kindern etwas zugestossen, ich wäre am Arsch gewesen.» Von den Eltern habe sie aber keine Kritik erreicht, nur positives Feedback. Am Dienstag feierte sie mit der Klasse ein Abschiedsfest, «da hat mir eine Mutter ein Kärtli geschrieben und ein Buch für eine bessere Ökobilanz geschenkt».

Wenig Freude an der spontanen Aktion hatten der Arbeitgeber von J., das Basler Erziehungsdepartement, und die Schulleitung. Bereits am Tag der Klimademo liess Sprecher Simon Thiriet verlauten, man sei «enttäuscht» über das Verhalten der Lehrerin. «Ich musste zu einem Gespräch mit Dieter Baur, dem Leiter Volksschulen», berichtet J. Dabei habe Baur ihr mitgeteilt, dass er ihr Vorgehen eine absolute Frechheit fände. Das ED erteilte ihr einen Verweis. So zumindest erzählt es J., das ED will über «personalrechtliche Massnahmen nicht in der Zeitung Auskunft geben». Klar sei, dass in solchen Fällen Gespräche stattfänden.

Ein Verweis ist eine Verwarnung, die beim nächsten Vergehen eine fristlose Kündigung ermöglicht. Im Fall von J.* ist diese Massnahme gegenstandslos: Sie hatte bereits gekündigt und tritt diesen Sommer eine neue Stelle im Kanton Baselland an.

«Auf gewisses Verständnis gestossen»

«Nach diesem Gespräch habe ich nochmals eine Mail aufgesetzt, in der ich einige Fragen aufgeworfen habe, die mich beschäftigen», sagt J., die das Gefühl hat, durchaus etwas ausgelöst zu haben mit ihrem Verhalten. Nicht nur hätten mehrere Kolleginnen und Kollegen einen Solidaritätsaufruf gestartet und sich bei der Schulleitung für J. starkgemacht. «Auch im ED bin ich mit meinen Überzeugungen auf ein gewisses Verständnis gestossen.»

An der neuen Schule hat sich bereits herumgesprochen, wer bald zum Kollegium stossen wird. Jene Ausgabe der «Schweiz am Wochenende» mit dem Artikel über J. lag tagelang auf dem Tisch im Lehrerzimmer herum. Ein Problem ist das nicht.

«Die neue Schulleiterin hat gesagt, dass sie mein Engagement unterstützt», sagt J. Ohnehin scheint sie am richtigen Ort angekommen: Das Motto des nächsten Schuljahres hat die Schule dem Klima gewidmet.


 * Name der Redaktion bekannt