Vorfasnacht

Harmonische Töne in den verwirbelten Sprachgefechten

In der Wirrlete 2014 werden Sprache und Musik gekonnt und originell verwirbelt: Vom bayrischen Schlager über Mani-Matter-Einlagen und Sirenengesang bis hin zum Jagdlied wird alles kabarettistisch aufbereitet.

Noch selten hat eine Vorfasnachtsveranstaltung so schaurig-schön, so todlustig geendet. Und in der Zugabe liefert das Wirrlete-Team in Discopartystimmung gar selbst eine Kritik seines Schaffens: Die Liebe zur Fasnacht sei hin und wieder schlüpfrig und oft aufrührerisch gewesen, es habe viele Sprachgefechte gegeben, aber schliesslich habe sich immer alles in harmonischen Tönen aufgelöst.

Damit wäre eigentlich alles gesagt. Der eine Satz ist dann aber doch etwas zu eindimensional, zumal die Wirrlete 2014 multimedial daherkommt. Schlicht phänomenal ist der Shitstorm, den Hanna Helfenstein alias Anet Corti auf Twitter auslöst. Sie beschreibt, was an diesem Abend im Tabourettli passiert. Sie betreut die drei Laferi Caesar, Leo und Mäni (Walo Niedermann, Daniel Buser und Roland Suter) im Fasnachtshimmeltransitraum. Kurz zwitschert sie deshalb ganz harmlos: «Ich begleite sie in den Himmel.» Das ruft Mike Shiva, Obama, den Papst und die FCB-Gebrüder Degen auf den Plan. Es mischen sich auch Exit, der Tierschutz, das Fasnachtscomité, Carlo Conti, Carlos und Oprah Winfrey ein. Die ganze Welt wird aufgemischt und schliesslich wischt Bundespräsident Didier Burkhalter die Basler Fasnacht vom Tisch.

Damit sind schon viele Themen angesprochen, die an diesem Abend herumgewirbelt werden, einige überraschend und pfiffig, andere vielleicht ein wenig zu wiederholend – hier seien die Alten Garden, die BVB, Hanspeter Wessels oder das Baselbiet genannt. In erstere Kategorie gehört der NSA-Abhörskandal: In einer Paradennummer präsentiert Corti ein zweisprachiges Feuerwerk, das den tosenden Beifall des Premierpublikums mehr als verdient hat. Davon kann sich Florens Meury allerdings ein grosses Stück abschneiden. Seine Geräuschkulissen sind durchs Band grossartig.

Überhaupt überzeugt die Wirrlete 2014 musikalisch: vom bayrischen Schlager (Danke, Quoten-Schwob Florian Volkmann!) über Mani-Matter-Einlagen (mit Obertonstimme von Meury!) und Sirenengesang bis hin zum Jagdlied, worin die Guggen abgeschossen werden. Fasnachtsmärsche kommen für einmal ganz anders daher. Dass man etwa für ein geniales Trommelstück gar keine Schlegel, sondern nur sein Mundwerk braucht, begeistert die Zuschauerinnen und Zuschauer. Wie das ganze neunköpfige Team gleichzeitig einen hervorragenden Schnitzelbank zum Besten gibt und die Reimkunst sowie den immer noch grassierenden Balkan-Slang auf die Schippe nimmt, ist in jeder Beziehung hochstehend.

Die Musikerinnen und Musiker haben es aber auch kabarettistisch drauf. Herrlich die Persiflage der Fernsehübertragung des Cortège. Martin Bammerlin kommentiert das Ganze in aufregender Sportreporter-Manier, während Christian Hürner den tiefgründigen Räppliexperten gibt und Renate Hürner als Kiebitzin die Show an sich reisst.

Irgendwie jedoch gehen in diesen sensationellen Nummern die drei Laferi etwas unter. Aber so ist das eben im Alter, auf dem Weg in den Himmel. Sie plagen sich auch mit den vielen Anglizismen herum, die das Deutsch und Schweizerdeutsch infiltrieren. Etwas fragwürdig ist der Fragebogen, da könnte noch daran gefeilt werden.

Die drei wären aber nicht Laferi, wenn sie nicht bereits höllisch-himmlische Projekte planen würden, wie die 1:12-Initiative für Alte Garden, eine Pisa-Studie für Dumme Peter oder einen Trommelwettbewerb im wahrsten Sinne des Wortes unter der Gürtellinie. Immerhin in schönen Worten verpackt. Wer dann zum Schluss jedoch am meisten veräppelt beziehungsweise veräppelt wird, das sei hier nicht verraten.

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