Leuchtend blau lugt das renovierte Petersschulhaus hinter der Peterskirche hervor. Das Primarschulhaus wurde erstmals seit seiner Errichtung 1927 umfassend saniert. Längst war die Fassade grau verblasst, jetzt strahlt sie wieder blau wie in den Zwanzigerjahren.

Die landesweite Harmonisierung der Volksschule (Harmos) hat in Basels Schulhäusern einen Bauboom ausgelöst. 2012 hat die Regierung ein Bau- und Sanierungsprogramm an 49 Standorten im Kanton lanciert. Vor allem die eingeführten Tagesstrukturen brauchen Platz – etwa für Mittagstische, Förderangebote und Räume für Hausaufgaben und Freizeit im Schulhaus.

Die Kosten für Um- und Neubauten bis zum Jahr 2022 belaufen sich auf insgesamt 790 Millionen Franken. Gerüchten, dass diese Summe überschritten werde, widerspricht Bernhard Gysin, Leiter der Abteilung Schulen im Hochbauamt: «Der Betrag gilt nach wie vor als oberste Limite für die Umsetzung der Schulraumoffensive.»

Ab Mitte August werden im renovierten Petersschulhaus sechs statt wie bisher acht Klassen – von der ersten bis zur sechsten – unterrichtet. Die frei gewordenen Klassenzimmer dienen als flexibel nutzbare Gruppenräume.

Kostbare Wandmalereien

Das Petersschulhaus ist das einzige Primarschulhaus in der Altstadt. Architekt Christian Lang hat mit viel Feingefühl ein neues Farbkonzept für die Schulräume geschaffen. Im Gegensatz zur Fassade dominieren jetzt im Inneren hellgraue Töne. Nur die schulhaustypischen Linoleumböden sind farbig, je nach Funktion des Raumes.

«Das Haus stammt aus einer spannenden Zeit», sagt Lang. «Die Architekten Mähly und Weisser haben 1927 in einer sehr farbenfrohen Phase gebaut. Heute braucht man etwas mehr Ruhe.»

Die Anforderungen sind hoch: Die Basler Schulhäuser müssen heute erdbebensicher, behindertengerecht und möglichst sparsam im Energieverbrauch sein. Die Architekten haben im Petersschulhaus einen neuen Lift und Glastüren zum Brandschutz eingebaut. Die alte Abwartswohnung im Dachstuhl ist jetzt eine kleine, aber feine Aula. Im Eingang bringen zurzeit die Restauratoren Sabine Maurer und Maurizio Lavina die kostbaren Wandmalereien von Alfred Heinrich Pellegrini wieder zum Leuchten.

An der Schwarzwaldallee steht das neue Sekundarschulhaus Sandgrube kurz vor der Fertigstellung. Hier tragen Möbelmänner hunderte Stühle in die Klassenzimmer, Handwerker schrauben LED-Lampen an die Decken und im Foyer entsteht gerade ein riesiger Keramikteppich als Kunst am Bau. Hier soll ein eine Art Wohnzimmer für die Schüler entstehen, für jeden zugänglich – inklusive Billardtisch.

Sandgrube als Erfahrungsschule

Die neue Sekundarschule ist seit dem Bau der Schulanlage Bäumlihof 1974 der grösste Schulhausneubau in Basel. Sie ist eine sogenannte Erfahrungsschule, an der die Kinder auch stufen- oder altersübergreifend lernen sollen. In grosszügigen Lernateliers können sie sich austauschen, in Gruppen zusammenarbeiten und vor allem selbstständiges Lernen üben.

Falls sich zeigen sollte, dass das Konzept nicht funktioniert, könnten ohne viel Aufwand kleinere Klassenzimmer eingebaut werden. Auch das Sandgrubenschulhaus hat ein besonderes Farbkonzept: Die Bibliothek ist grün, die Toiletten orange, Aula und Mensa haben eine blutrote Decke.

Harmos dient in Basel nicht nur dem besseren Lernen und Verstehen. Architektonisch profitieren alte und neue Schulhäuser von den neuen Strukturen. Gysin erzählt, wie kürzlich eine alte Dame am Petersschulhaus vorbeiging und voller Freude zur Baumanagerin sagte: «Jetzt sieht das Schulhaus wieder genau so aus wie damals, als ich hier zur Schule gegangen bin.»