Basel
Harsche Kritik an Roche wegen Lohndumpings bei Turmbau

Die Vorwürfe, auf der Baustelle für den 175 m hohen Büroturm von Roche gebe es Lohndumping, werfen in Basel hohe Wellen. Pharmariese müsse die Kontrollen verbessern, fondern Gewerkschafter und der Leiter der Zentralen Paritätischen Kontrollstelle.

Hans-m. Jermann, Moritz Kaufmann und Sebastian Wendel
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Roche-Hochhaus
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Hart ins Gericht mit dem Life-Sciences-Riesen gehen die Gewerkschaften: Wegen solcher Vorfälle verliere das Personenfreizügigkeitsabkommen an Rückhalt in der Bevölkerung, sagt Serge Gnos, Co-Präsident der Gewerkschaftsbünde beider Basel. Letztlich gefährde der Konzern die Personenfreizügigkeit, von der er selber stark profitiere.

Roche beschäftigt Hunderte von Spezialisten aus dem EU-Raum. Als Gegenmassnahme wird nach dem aufsehenerregenden Fall der Ruf nach einer Kautionsregel fürs Bauhauptgewerbe lauter. So sollen Baufirmen eine Bankgarantie hinterlegen müssen, bevor sie hier auf einer Baustelle arbeiten können. In einigen Branchen des Baunebengewerbes (etwa dem Maler- und Gipsergewerbe) gibt es bereits schweizweite Regelungen.

«Spezielles Auge bei Prestigebau»

Kritik kommt aber nicht nur von den Gewerkschaften. Auch die in Liestal domizilierte Zentrale Paritätische Kontrollstelle (ZPK), die die Kontrolle beim Hochhaus-Bau durchführte, rügt die Verantwortlichen: Gerade bei einem solchen Prestigebau sollte der Bauherr ein spezielles Auge darauf werfen, dass die Regeln eingehalten werden, sagt ZPK-Geschäftsführer Michel Rohrer. «Roche sollte nun die eigenen Kontrollorgane ausbauen, damit kein weiterer Skandal an die Öffentlichkeit gelangt», fordert er.

Dies auch deshalb, weil es, wenn einmal mehr Firmen auf dem Gelände sind, schwerer werde, die Übersicht zu behalten. Rohrer informiert zudem, dass mehrere deutsche und polnische Firmen vertieften Abklärungen unterzogen werden, ob sie auf der Grossbaustelle gegen Mindestlohn- und Arbeitszeitvorschriften verstossen haben. Die ZPK überwacht die Einhaltung der Gesamtarbeitsverträge, ist aber kein gewerkschaftliches Organ. Seite 20