Public Viewing
Harte Landung auf dem Basler Barfüsserplatz

Für einmal wurde auf dem FCB-Triumphplatz Barfi nicht gefeiert. Die Fans erlebten ein Wechselbad der Gefühle: Von Humor über Zuversicht bis Zerknirschung. Doch sie litten bis zum bitteren Ende mit.

Moritz Kaufmann
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Hoffnung und Freude wurden durch Zerknirschung abgelöst.

Hoffnung und Freude wurden durch Zerknirschung abgelöst.

Martin Töngi

Ausgerechnet auf dem Barfüsserplatz, wo der FCB schon so viele Triumphe gefeiert hatte, mussten die Anhänger des besten Fussballclubs der Schweiz am Dienstagabend eine ganz bittere Niederlage verdauen. Es hätte so schön werden können. Alles war angerichtet für einen gepfefferten Hexenkessel. Der Barfi war schon anderthalb Stunden vor Anpfiff voll mit Fans.

Die ersten rot-blauen Schals wurden in die Luft gestreckt und Fahnen wurden geschwenkt. Das Stadtcasino, das Historische Museum und die Bürogebäude bildeten eine Kulisse wie bei einem römischen Theater. Für alle FCB-Anhänger, die nicht nach München gereist waren, war der Barfüsserplatz der Ort der Stunde.

Die Stimmung war packend. Vor dem Coop bildete sich eine lange Schlange mit Leuten, die sich kurz vor dem Spiel noch mit Bier eindecken wollten. Als auf der Leinwand die ersten Bilder aufflackerten, jubelte die Menge kollektiv. Die Moderatoren auf SF zwei wurden von der Menge stimmungsvoll begrüsst und beim Ankick der Basler war das kollektive Freudengefühl greifbar. Dass dann aber der FC Bayern München das Spieldiktat übernahm, blieb den Zuschauern nicht verborgen.

Die Hoffnung währte nur kurz

Anfangs nahm es das Publikum noch mit Humor. Zwar erlitt die Stimmung mit dem ersten Tor des FC Bayern München einen Dämpfer, doch noch herrschte Zuversicht: «Jetzt gibts Verlängerung, holen wir noch ein Bier», lachte ein Mann im FCB-Shirt.

Aber je länger das Spiel dauerte, desto angespannter wurden die Gesichtsausdrücke. Die Sorgenfalten wurden tiefer, es wurde gespenstisch ruhig. Die Hoffnung und die Zuversicht kehrten kurzzeitig zurück, als es den tapferen Rot-Blauen in der Münchner Allianz-Arena gelang, besser aufzuspielen. Die Fangesänge der FCB-Fans aus dem Stadion wurden aufgenommen und mitgesungen - bis Bayern München mit dem 2:0 und dem 3:0 nachdoppeln konnte. Allen war klar, was das bedeutet.

Und als die Münchner nach der Pause munter weiter Tore schossen, war allen klar: Hier wird heute nicht gefeiert. Trotzdem blieben die meisten, harrten trotz des Resultats aus und standen ihrem FCB bei. Die letzten Minuten des Champions-League-Abenteuers, das doch so erfolgreich war.