Coronavirus

Hartes Brot für die Basler Gastronomen: Wie sich Basler Restaurants in Coronazeiten durchschlagen

Seit fast zwei Wochen sind alle Restaurants in Basel zu. (Symbolbild)

Seit fast zwei Wochen sind alle Restaurants in Basel zu. (Symbolbild)

Die Basler Restaurants sind geschlossen. Diejenigen, die jetzt auf neue Angebotsformen umsteigen, haben einen schweren Stand.

Seit fast zwei Wochen sind alle Restaurants in Basel geschlossen. Der Schock war noch kaum verdaut, schon begannen einige Beizen, ein Take-away auf die Beine zu stellen. Doch dies ist gar nicht so einfach, wie die bz letzte Woche berichtete. Gastronomie-Verbände raten davon ab, kurzfristig Alternativen zum In-House-Betrieb aufzubauen, da sich Aufwand und Ertrag nicht rechne. Was sagen die Erfahrungen der Gastronomen? Zeit für eine Zwischenbilanz.

Restriktive Auflagen für Essen zum Mitnehmen

Es könnte so einfach sein: Ein Restaurant darf Leute nicht mehr im Lokal bedienen, also stellt es ein «Zum Mitnehmen»-Schild vor den Eingang und arbeitet so als Take-away-Betrieb weiter. Die Küche und das Personal sind bereits da, die Kunden müssen weiterhin essen. Die Realität sieht anders aus: Betriebe müssen restriktive Auflagen einhalten, wenn sie Essen zum Mitnehmen anbieten wollen. Die Unsicherheit unter den Basler Restaurant-Betreibern ist gross – so gross, dass einige Beizen mit gut laufendem Take-away lieber nicht in der Zeitung stehen wollen. «Wenn etwas Kleines schief geht, dann machen sie uns dicht», sagt ein Inhaber anonym.

Nicht nur die rechtlichen Auflagen, auch die Kommunikation ist ein Problem. Wissen potenzielle Kunden nichts vom Angebot, können sie auch nichts bestellen. Damit hat das thailändische Restaurant Sukhothai im Bachletten-Quartier zu kämpfen. Seit Dienstag ist es möglich, im Internet Bestellungen aufzugeben und das Essen anschliessend im Lokal abzuholen. Doch das Geschäft sei noch nicht richtig angelaufen, sagt eine Mitarbeiterin des Thai-Restaurants: «Am Dienstag hatten wir fünf Bestellungen, am Mittwoch waren es drei.»

Auch wenn sie nicht rentabel sind: «Innovative Take-away- oder Deliveryangebote können helfen, um bei der Kundschaft präsent zu bleiben», sagt Maurus Ebneter vom Basler Wirteverband. Er weist darauf hin, dass Beizen, die gut in ihrem Quartier verankert sind, in Krisenzeiten im Vorteil sind. Ein Beispiel dafür ist das «St. Alban-Stübli» in der Dalben-Vorstadt. «Wir erhalten enorm viel Unterstützung unserer Stammkundschaft», sagt Inhaber Tobias Schaub. Seit einer Woche bietet das Restaurant ein spezielles Angebot für Feinschmecker: den Tatar-Samstag. Kunden können die ganze Woche lang ihre Bestellungen aufgeben, am Samstag wird das Tatar frisch zubereitet und nach Hause geliefert. «Wir waren positiv überrascht, es läuft sehr gut. Letzten Samstag waren wir den ganzen Tag beschäftigt und auch diese Woche sind viele Bestellungen eingegangen», sagt Schaub.

Ein eigener Lieferservice für die Aktienmühle

Auch wer schon vor Coronazeiten ein Heimlieferungsangebot hatte, ist im Vorteil und kann diesen Bereich ausbauen. Andere haben das schier Unmögliche gewagt und innert kürzester Zeit einen eigenen Lieferservice aus dem Boden gestampft. Florian Wicki ist einer von ihnen.

Der Gastronom und Kaffeelikör-Produzent mit Sitz im Werkstatthaus Aktienmühle hatte sich schon vor der angeordneten Schliessung der Betriebe überlegt, was er in diesem Fall tun würde. Innerhalb von wenigen Tagen hat er den Onlineshop Aktienmühle At Home auf die Beine gestellt. «Ich habe drei Tage lang fast nicht geschlafen», erzählt Wicki. Das Angebot werde rege genutzt, pro Tag zählt er im Schnitt 20 Bestellungen. Noch kann er alle selber mit dem Cargobike ausliefern.

Mehr als 14 Betriebe der Aktienmühle bieten bereits ihre Produkte an. Darunter das Restaurant Turbinenhaus. Inhaber Christian Lorenz ist froh um den hauseigenen Lieferservice: «Man kann bereits Nüsse und Kuchen von uns bestellen. In den nächsten Tagen kommen eine Barbecuesauce und Apéroplatten dazu.»

Plattformen für Angebote in Coronazeiten

Zurzeit ist es für hungrige Basler gar nicht so einfach, herauszufinden, ob ihr Lieblingsrestaurant in Coronazeiten ein Angebot hat. In Zürich ist man bereits einen Schritt weiter: Auf den seit wenigen Tagen existierenden Plattformen La Résistance und Be Local Hero können sich lokale Geschäfte eintragen, die eine Heimlieferung oder ähnliche Services anbieten.

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