Regierungspräsidium
Harzige Übergabe: Guy Morin hält Nachfolgerin Ackermann draussen

Noch 25 Tage: Dann übernimmt die Grüne Elisabeth Ackermann von ihrem Parteikollegen Guy Morin das Präsidialdepartement. Doch was nach einem unkomplizierten Übergang tönt, ist in Wahrheit eine vertrackte Angelegenheit.

Jonas Hoskyn
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Im Oktober 2016 herrschte ganz klar noch kein Kontaktverbot: Guy Morin freut sich mit Elisabeth Ackermann über ihre Wahl in die Regierung.

Im Oktober 2016 herrschte ganz klar noch kein Kontaktverbot: Guy Morin freut sich mit Elisabeth Ackermann über ihre Wahl in die Regierung.

Kenneth Nars

Regierungspräsident Morin hat die Übergabe der Geschäfte zur Chefsache erklärt. Der Ablauf ist streng geregelt und folgt einem klaren Zeitplan. Morin alleine führt seine Nachfolgerin ein. Innerhalb des Departements kursiert sogar der Begriff Kontaktverbot.

So hat Ackermann gemäss Recherchen der bz bisher mit kaum einem ihrer künftigen Mitarbeiter gesprochen. «Die Vorbereitung mache ich zusammen mit Guy Morin. Das haben wir so abgesprochen», bestätigt sie. «Zu einzelnen Dossiers habe ich mich in Absprache mit Guy Morin bereits von den zuständigen Verantwortlichen informieren lassen», sagt sie weiter. Mit den Amtsleitern werde sie sich treffen, sobald sie ihren neuen Job angefangen habe, also ab dem 8. Februar.

Morin dementiert: «Ein Kontaktverbot herrscht in keinster Art und Weise.» Elisabeth Ackermann habe sich auch schon mit mehreren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen getroffen. «Wir beide hatten seit Dezember schon fünf Treffen, und weitere sind geplant.»

Trotzdem ist das Vorgehen mehr als aussergewöhnlich und wirft eine Reihe von Fragen auf. So scheint etwa der Wechsel im Erziehungsdepartement von Christoph Eymann zu Conradin Cramer (beide LDP) deutlich unkomplizierter und lockerer vonstattenzugehen. Zwar findet auch dort der Grossteil der Vorbereitungsarbeit zwischen dem bisherigen und dem künftigen Erziehungsdirektor statt. Gleichzeitig hatte aber Cramer auf informeller Ebene schon mit vielen seiner künftigen Mitarbeiter Kontakt. So hat er etwa auch am departementsinternen Neujahrsapéro teilgenommen.

Über die Gründe für Morins Vorgehen kann man nur spekulieren. Klar ist: Morin und Ackermann stehen sich persönlich nicht besonders nahe. Zudem hat die künftige Regierungsrätin im Wahlkampf mehrere Entscheidungen von Morin kritisiert. So hat sie angekündigt, die von ihm kürzlich aufgelöste Fachstelle für Behinderte wieder einführen zu wollen.

Umgekehrt ist zu hören, dass der scheidende Regierungspräsident mit dem bevorstehenden Machtverlust hadert. Bereits im Wahlkampf sei es ihm sichtlich schwergefallen, dass er faktisch keine Rolle mehr spielte. Immer heftiger habe er sich in den letzten Wochen an seine Macht geklammert.

Gleichzeitig hat der scheidende Regierungspräsident in seinem Departement offenbar viel Geschirr zerschlagen. Eine Reihe von Kadermitarbeitern zählt die Tage rückwärts, bis Morin das Rathaus gegen die Arztpraxis tauscht. Dies wiederum ist dem Regierungspräsidenten nicht verborgen geblieben. Entsprechend eisig ist zurzeit die Stimmung im Rathaus.

Abteilung ohne Führung

Damit erhält auch der überraschende Abgang des Kantons- und Stadtentwicklers Thomas Kessler, der am Mittwoch bekannt wurde, eine ganz neue Dimension. Bisher war man davon ausgegangen, dass Morin mit dem Rausschmiss des Querdenkers seiner Nachfolgerin einen Gefallen getan hat und dieser in Absprache mit Ackermann erfolgt ist. Angesichts der neuen Erkenntnisse stellt sich eher die Frage, ob der Regierungspräsident seiner Nachfolgerin nicht vielmehr ein Ei gelegt hat.

Diese startet nun am 8. Februar ohne einen ihrer wichtigsten Mitarbeiter. Eine der Hauptabteilungen ihres Departements steht ohne Führung da, und dies wohl noch für einige Zeit. Denn Ackermann will nun die Situation analysieren, das Jobprofil anpassen und erst anschliessend die Stelle ausschreiben.