5966 unterschiedliche erste Vornamen haben Basler Eltern ihren Kindern in den letzten zehn Jahren gegeben; 3865 davon sind tatsächlich einzigartig, kommen also auf Kantonsgebiet innerhalb eines Jahrzehnts nur einmal vor – Alp zum Beispiel, oder Gellert, wie das Wohnquartier. Und was, wenn die Lehrerin einen Sürmel mit einem lauten «Ruhe, Sherif» zurechtweisen muss?

Noch in den 20er-Jahren war die Namenwelt in der Schweiz ein heiler Ort der Übersichtlichkeit. 6 Prozent der Buben wurden Hans getauft, in einer durchschnittlichen Schulklasse gab es mehrere Walter und Peter kam so richtig in Mode, sie heirateten eine Anna, eine Maria oder Gertrud und hatten Kinder, die, wenn es Mädchen waren, in den 40er-Jahren bevorzugt Verena getauft wurden. Und wenn es ein Junge war: Am ehesten wie ihre Väter, Hans, Peter und Walter blieben bis in die 60er-Jahre die beliebtesten Vornamen.

Heute ist alles anders, selbst der am häufigsten gewählte Kindername in Basel-Stadt, Anna, kommt nur 107 Mal vor – bei 8974 Mädchen entspricht das einem Anteil von 1,1 Prozent. Mehr Individualität hingegen ermöglicht eine kreative Schreibweise; Ana, Anaé, Ann, Anni, Annie oder Anny haben Baslerinnen und Basler bevorzugt, und die beiden im letzten Jahrzehnt geborenen Anneli und Annelie sind sogar kantonsweit einzigartig.

Ein Robin mit Dächli

In Zürich geht die Schreibweisenvielfalt sogar noch weiter, wie die «Neue Zürcher Zeitung» schreibt. Wem Robin mit drei Namensvettern innerhalb eines Jahrzehnts zu 0815 ist, der setzt ein willkürliches Accent circonflexe aufs i und macht seinen Robîn zumindest für den Schriftverkehr unverwechselbar.

Ein Robîn fehlt in der umfangreichen Liste der Basler Vornamen, die das Statistische Amt für die «Schweiz am Wochenende» erstellt hat. Der Zehnjahrestrend zeigt dennoch: Die Vielfalt nimmt zu. Wurden 2006 noch 1102 unterschiedliche Kindernamen vergeben, waren es 2015 schon 1296 – bei deutlich mehr Geburten allerdings, was die Einzigartigkeitsquote leicht drückt.

Doch was hat die babylonische Namensgebung für Auswirkungen? «Es ist kaum noch haltbar», sagt ein Experte auf dem Gebiet – ein langjähriger Santiglaus. «Ich gebe mir grösste Mühe beim Vorlesen der Kindernamen und keines meldet sich. Nochmals, andere Aussprache, wieder nichts.

Oder vielleicht doch so? Endlich steht ein Kind auf, vielleicht von seinen Eltern angestupst, und holt sich verschämt sein Säckli ab.» Die Zeiten, in denen der weissbärtige Mann aus dem Schwarzwald «Hans» sagte und von Kindern umringt war, sind definitiv vorbei.