Es ist eine Geschichte über langjährige Verzögerungen von Bauprojekten, die Folgen des verdichteten Bauens und dem richtigen Umgang mit schützenswerten Bauten. Alles beginnt 2012.

Damals kaufte das Unternehmen Dinvest Immobilien AG das Grundstück an der Gundeldingerstrasse 428/430. Ihre Absicht: Das alte Gebäude abreissen und durch einen Neubau mit 18 Wohnungen ersetzen.

Doch Dinvest machte die Rechnung ohne die Denkmalpflege Basel-Stadt. Obwohl zum Zeitpunkt des Baugesuchs das Gebäude in keinem Inventar aufgenommen war, stellte die Denkmalpflege das Doppelwohnhaus provisorisch unter Denkmalschutz.

Ein Jahr später wurde der Entscheid definitiv und an einen Abbruch des 1896 erbauten Gebäudes war nicht mehr zu denken. Zurück blieben ein verzweifeltes Unternehmen und eine schuldbewusste Denkmalpflege.

Statt 18 nur 12 neue Wohnungen

«Wir mussten eine Lösung finden, die für alle stimmt», sagt Daniel Schneller, Leiter Denkmalpflege Basel-Stadt, drei Jahre später. Diese sah so aus: Das schützenswerte Doppelwohnhaus bleibt bestehen, wird renoviert und im Hinterhof entsteht ein Anbau.

Statt 18 Wohnungen kann Dinvest 12 Wohnungen vermieten. «Wir versuchen bei jedem Projekt, die Anliegen des Denkmalschutzes mit den Anliegen von Energieeffizienz und verdichtetem Bauen in Verbindung zu setzen», sagt Schneller.

Für das Immobilien-Unternehmen ist der Anbau weniger lukrativ, als der Neubau. «Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen», sagt Paolo D’Incerto von Dinvest.

Der Neubau aber rief die Anwohner auf den Plan. Diese hatten sich bereits für den Erhalt des alten Wohnhauses eingesetzt und sahen sich plötzlich mit einem für sie noch schlechteren Plan B konfrontiert.

«Im Nachhinein hätten wir uns besser nicht für die alten Häuser eingesetzt», sagt Monika Strebel, Wohnungsbesitzerin des Nachbarhauses. Sie erhob gegen das Bauvorhaben Einsprache – als diese abgelehnt wurde, legte sie Rekurs ein. Dieser ist derzeit beim Bauinspektorat hängig.

Voluminöser Anbau

Christof Wamister, Obmann des Basler Heimatschutzes, zeigt Verständnis: «Es handelt sich um einen voluminösen Anbau auf ansteigendem Gelände, der die Zonenvorschriften ausreizt.»

Das alte Gebäude liegt in der Bauzone 4, der Hinterhof in der Bauzone 2a. Während man in ersterer vierstöckig bauen darf, sind in letzterer nur zwei Obergeschosse und ein Attikageschoss erlaubt.

Trotzdem wird das Gebäude höher. Laut Bauvorschriften zählt der höchste Punkt des Geländes. An diesem werden zwei Obergeschosse und ein Attikageschoss gebaut. Der untere Geländeteil besteht zusätzlich aus einem sichtbaren Untergeschoss.

«Ein recht massiver Anbau, um mehr Wohnfläche zu generieren», so Strebel. «Wir halten uns an die Bauvorschriften», sagt D’Incerto.

Monika Strebel ist seit drei Jahren Wohnungsbesitzerin im Nachbarhaus, die sie vermietet hat. «Gekauft habe ich sie von der gleichen Firma, die mich nun zubauen will.»

Sie sah die Wohnung als Investition, als Altersvorsorge. Paolo D’Incerto: «Sie verzichtete auf unser Angebot, ihre Wohnung zum ursprünglichen Preis zurückzukaufen. Sie verlangte beinahe den doppelten Preis.»

Strebel bestätigt ein Angebot, dieses sei aber zwischen Tür und Angel erfolgt. «Ein schriftliches Angebot bekam ich nie.» Zum Ursprungspreis hätte sie die Wohnung, aber nicht zurückverkauft. «Ich habe in die Wohnung sehr viel Herzblut reingesteckt und wollte sie als Langzeitinvestition auch nicht so schnell wieder aufgeben.»

Dinvest werden nach der Denkmalpflege mit dem Rekurs der Wohnungsbesitzerin weitere Steine in den Weg gelegt. Strebel ging mit der Investition ein hohes Risiko ein und möchte dieses auch belohnt sehen.

Entscheiden wird das Bauinspektorat beziehungsweise ein Gericht. Oder die Beteiligten finden doch noch eine Lösung.