Notfall
Häuser für Flüchtlinge werden dringend gesucht - doch Raum fehlt weiterhin

Die Sozialhilfe muss Familien in Zivilschutzkellern unterbringen, wenn sie nicht bald Wohnungen bekommt. Wenn kommendes Jahr bis zu 31'000 weitere Flüchtlinge Asyl in der Schweiz beantragen, spitzt sich die Lage zu.

Martina Rutschmann
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In dieser staatlichen Liegenschaft an der Feldbergstrasse hat Asylkoordinatorin Renata Gäumann bereits Flüchtlinge untergebracht – doch staatlicher und vor allem privater Wohnraum für Asylbewerber wird kommendes Jahr knapp.

In dieser staatlichen Liegenschaft an der Feldbergstrasse hat Asylkoordinatorin Renata Gäumann bereits Flüchtlinge untergebracht – doch staatlicher und vor allem privater Wohnraum für Asylbewerber wird kommendes Jahr knapp.

Roland Schmid

Frauen und Kinder trifft man keine an im Zivilschutzkeller Grün 80 in Basel. Dort werden nur männliche und allein reisende Asylbewerber untergebracht – und das auch nur mangels Alternativen. Gern würde die Sozialhilfe die Keller auch für die Männer schliessen und diese wie Frauen und Kinder in Wohnungen unterbringen. Doch der Raum fehlt. Und wenn kommendes Jahr wie vom Bundesamt für Migration prognostiziert bis zu 31 000 weitere Flüchtlinge Asyl in der Schweiz beantragen, spitzt sich die Lage zu. Ohne weitere Häuser bleibt der Sozialhilfe nichts anderes übrig, als auch Familien in Kellern unterzubringen – mangels Alternativen.

Die Basler Asylkoordinatorin Renata Gäumann hofft, dass das verhindert werden kann: «Es wäre beschämend, wenn in Basel-Stadt, einem der reichsten Kantone in einem der reichsten Länder der Welt, Flüchtlingsfamilien unterirdisch wohnen müssten.» Aus eigener Kraft kann die Sozialhilfe allerdings nicht verhindern, dass es so weit kommt. In Zusammenarbeit mit Immobilien Basel-Stadt und anderen Ämtern finden sich immer wieder vorübergehende Unterkünfte für die Asylbewerber, eine Garantie gibt es aber nicht.

Als die Flüchtlinge im Jugoslawienkrieg in den Neunzigern zu hunderten an den Grenzen standen, geschah, was sich wiederholen könnte: Familien wurden in Zivilschutzanlagen gesteckt, ohne Tageslicht, ohne frische Luft, ohne Privatsphäre, eng beisammen. Renata Gäumann relativiert: «Anders als jetzt konnte man sich damals nicht auf die Flüchtlingswelle vorbereiten.»

Engpass trotz Kompensationen

Jetzt aber weiss die Schweiz, dass 2015 überdurchschnittlich viele Flüchtlinge aus Eritrea oder Syrien Asyl beantragen werden. Für die Sozialhilfe heisst das: Sie muss Raum zur Verfügung stellen. Denn bereits nach durchschnittlich drei Wochen in den Empfangszentren des Bundes werden Asylsuchende auf die Kantone verteilt. Und dann ist die Sozialhilfe verantwortlich. Zunächst bringt sie die Flüchtlinge im Aufnahmezentrum im Gundeli unter, wo Platz für 120 Menschen ist.

Wer körperlich und geistig im Stand ist, das Leben ohne ständige Hilfe zu meistern, zieht nach ein paar Monaten in eine Asylwohnung. Im laufenden Jahr kam es diesbezüglich zu keinen Engpässen, weil Basel-Stadt wegen verschiedener Kompensationen weniger Asylbewerber zugewiesen werden als anderen Kantonen. Eine Entlastung ergibt sich etwa durch das Empfangszentrum. Das wird vom Bund betrieben, die Menschen aber leben trotzdem hier.

Hoffnung auf private Angebote

Daran ändert sich im neuen Jahr nichts. Aber bei den vielen neuen Asylbewerbern, die erwartet werden, rechnet Gäumann mit monatlich bis zu vierzig neuen Flüchtlingen. Wohin mit all den Menschen? «Es wäre schön, wenn Private mit Angeboten auf uns zukämen.» Konkret wären beispielsweise Häuser geeignet, die in absehbarer Zeit umgebaut werden sollen und von der Sozialhilfe als Zwischennutzung angemietet werden könnten.

Die Wirklichkeit sieht bitter aus: «Es kommen wenige Hausbesitzer von sich aus auf uns zu», sagt Gäumann. Warum das so sei – darüber könne sie nur spekulieren. «Vielleicht, weil die Wohnungen wirklich genutzt werden, wenn Asylbewerber drin leben.» Häufiger Wechsel, grosse Familien, Betrieb. Möglicherwiese dächten die Hauseigentümer auch, sie würden Verluste einfahren, wenn sie mit der Sozialhilfe geschäften. Das sei nicht der Fall, versichert Gäumann. «Die Sozialhilfe bezahlt marktübliche Mietpreise.» Nur, wenn die Sozialhilfe Verwaltung und Wartung übernehme, könnten die Zinsen etwas tiefer liegen. Dennoch mietet das Amt derzeit weniger als die Hälfte der rund 780 Plätze bei Privaten.

Ganz so zurückhaltend, wie es klingt, sind die Basler allerdings nicht: Immer wieder böten Menschen einzelne Betten für Asylbewerber an. Das bringe aber leider nicht viel, sagt Gäumann. Vor allem aus Syrien und Eritrea kämen meist Familien. Und die wolle man zusammen unterbringen. Dies wenn möglich auch 2015 bei Tageslicht.