Manuel Gagneux, dass sich ein Metal-Musiker für eine Operette interessiert, überrascht. Wie kam es dazu?

Manuel Gagneux: Ich bin Theater-affin, immer sehr gespannt darauf, wie man etwas Pompöses auf die Bühne bringt. Da kann man sich ja auch gute Ideen abschauen.

Und wie hat Ihnen die visuelle Umsetzung gefallen?

Ich fand das Bühnenbild dynamisch. Mir gefiel auch, dass die Musiker nicht im Orchestergraben, sondern auf der Bühne standen. Finde ich eine schöne Lösung, die Musiker bilden so ein zentrales Element auf der Bühne. Mir gefällt auch die interaktive Note der Schauspieler, sie rupfen im Laufe des Stücks Lianen und Pflanzen runter, um das Anwesen zu erneuern.

Zeal & Ardor mit Devil is Fine

Zeal & Ardor mit Devil is Fine

Die Band hat den Basler Pop-Preis 2017 erhalten.  

Aber eine Operette ...?

Dass ich «Die Blume von Hawaii» ansehen wollte, hat auch mit Jürg Henneberger vom Ensemble Phoenix zu tun, der die musikalische Leitung innehat. Er verkehrt wie ich gerne in der Off Bar. Mich nahm es wunder, was er macht, auch war ich neugierig darauf zu sehen, wie das Theater mit dieser Operette aus den 1930ern umgeht: Satire oder Pastiche.

Sie mischen ja auch gerne Undenkbares mit Ihrer Band Zeal & Ardor: Black Metal und Gospelgesänge ...

Ja, ich mag Gegensätze. «Die Blume von Hawaii» ist ja auch reizvoll, weil Paul Abraham und Alfred Grünwald eine deutsche Operette schrieben, die sich der exotischen Klänge Hawaiis bediente. Zudem liessen sie auch Jazz sowie ein wenig Primitivismus mit einfliessen.

Trailer – Die Blume von Hawaii

Ganz schön kontrastreich?

Ja. Musikalisch ist diese Gratwanderung gelungen. Die souveräne Umsetzung durch Jürg Henneberger und das Ensemble Phoenix Basel überzeugte mich, auch mit der ungewöhnlichen Instrumentalisierung, etwa durch den Einbezug einer Lapsteel-Gitarre. Durch den Chor ergänzt, hat mich das in ruhigeren Teilen an Nummern von Zarah Leander erinnert.

Was hat Ihnen weniger gefallen?

Dramaturgisch wusste ich nicht so recht, wie ich mich fühlen sollte. Die Inszenierung bewegt sich für mich ein wenig unschlüssig zwischen Ode und Satire hin und her. Das Stück hätte durchaus mit einer rührenden Version von «Aloha ’Oe» enden können. Aber es ging in Vaudeville-Manier in eine Art Best-of mit Reprisen der gesungenen Arien über. Die potenzielle emotionale Vehemenz des Textes musste oft der Satire weichen.

Ihr Fazit nach dem Besuch der Operette?

Allgemein bin ich als Crétin des Mediums sehr zufrieden aus dem Theater gegangen. Eine ältere Dame sagte in der Pause: «Also sone Schund hani no nie gseh», bevor sie im Regen verschwand. Da erst ist mir aufgefallen, wie mutig die Produktion eigentlich ist. Dass die Schauspieler zum Teil keine ausgebildeten Sänger sind, war auch für mich anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. Nach einer Weile aber schien dies ihre Charaktere um eine weitere Facette zu ergänzen.

Aber?

Paradoxerweise fiel das Lied «Bin nur ein Jonny» weg, das davon handelt, wie es in dieser Zeit war, schwarz zu sein. Auf Youtube findet man politisch inkorrekte Blackfacing-Performances.

Offenbar wurde das Lied in Basel herausgestrichen. Schade, das wäre eine Chance gewesen von der Satire in die Pastiche zu lenken. Vermutlich hätte es die Stimmung des eher heiteren Stücks ruiniert, aber mit dem Mut, den die Produktion bis dahin bot, hätte ich das schon erwartet. Zudem hätte das Theater damit auch durchaus Schlagzeilen machen können. Andererseits verstehe ich die Vorsicht, denn so was könnte falsch aufgefasst werden.