Seit gut einem Jahr ist Dominik Egli als Leiter Stadtreinigung für die Sauberkeit von Basel verantwortlich. Auffallend: Seine Kaderstelle beim Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) war nie bei den Stellenangeboten aufgetaucht. Egli sei die ideale Besetzung gewesen, so die offizielle Begründung von Departementssprecher Marc Keller. Das Personalgesetz erlaube Anstellungen ohne Ausschreibungen. Dabei ist dies nur einer von vielen Aspekten, die die Frage aufwerfen, wie sich der Chefbeamte eine Reihe an Ausnahmen und Privilegien verschaffen konnte.

Der berufliche Lebensweg des 59-Jährigen ist eng mit demjenigen von Departementsvorsteher Hans-Peter Wessels (SP) verknüpft. Egli war bereits unter dessen Vorgängerin und Parteikollegin Barbara Schneider insgesamt sechs Jahre für das Baudepartement tätig, damals als Generalsekretär. Kurz nachdem Wessels 2009 das BVD übernommen hatte, verabschiedete sich der Ökonom. Er wurde Professor am Institut für Verwaltungsmanagement der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften in Winterthur. Nebenbei baute sich Egli ein zweites Standbein als Berater auf.

Recherchen der bz zeigen, dass Egli als Berater bald regelmässig Grossaufträge des Kantons, vor allem des Bau- und Verkehrsdepartements, erhalten hat. Konkret war Egli verantwortlich für eine Expertise zum Geschäftsmodell Infrastruktur, ein Konzept zum Flottenmanagement Kommunalfahrzeuge für das Tiefbauamt, das Containerkonzept und eine Vorstudie zum Neubau Regiebetriebe. Wie viel ihm die Aufträge seines ehemaligen Arbeitgebers eingebracht haben, kommuniziert der Kanton aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht.

Aber klar ist: Egli musste sich auch hier nicht bewerben. «Sämtliche dieser voneinander unabhängigen Aufträge waren nicht ausschreibungspflichtig», sagt Marc Keller, Sprecher des BVD. Und betont: «Herr Egli ist ein ausgewiesener Fachmann für betriebs- und volkswirtschaftliche Fragen.» Zudem kenne er Kanton und Departement sehr gut. «Damit erbrachte er die Voraussetzungen für ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis für Arbeiten im Auftrag des Departements. Bei seinen Arbeiten für das BVD hat er die hohen Erwartungen jeweils erfüllt.»

Krach wegen BVB-Krise

Zu den Aufträgen kam ein weiteres lukratives Amt. Egli sass als Delegierter der Regierung im Verwaltungsrat der BVB. Als 2013 aufflog, dass das Unternehmen reihenweise Aufträge ohne Submission vergeben hatte und der Direktor widerrechtlich über Dienstwagen und -wohnung verfügte, hatte dies ein Köpferollen zur Folge.

Als einer der letzten wurde auch Egli, der im Verwaltungsrat zuständig für Finanzen und Compliance war, aussortiert. Auffallend: Das VR-Mandat findet sich nicht mehr in seinem Curriculum Vitae. Ein halbes Jahr später machte Egli in einem Interview Wessels hauptverantwortlich für die Krise und forderte dessen Rücktritt. Zufall oder nicht: Nachdem Egli in den Vorjahren eine Reihe Grossprojekte im Auftrag des BVD geleitet hatte, blieben seither die Aufträge aus.

Im Frühling letzten Jahres wurde Egli dann überraschend zum Leiter Stadtreinigung ernannt. Als solcher sitzt er in der erweiterten Geschäftsleitung des Bau- und Verkehrsdepartements. Die Anstellung ohne Ausschreibung beschäftigte vergangenes Jahr sogar die Geschäftsprüfungskommission. Im Raum stand der Verdacht, dass Wessels auf diese Weise einen Kritiker besänftigen wollte.

Firma erhält weiter Aufträge

Doch die Anstellung bleibt nicht das einzige Fragezeichen. So ist der Chefbeamte noch immer als selbstständiger Berater Teil des Teams der Firma Business Consulting Partner AG (BCP) tätig. Die ungewöhnliche Lösung: «Herr Egli ist beim Kanton mit einem Beschäftigungsgrad von achtzig Prozent angestellt. Es wurde vereinbart, dass er neben seiner Tätigkeit für den Kanton als selbstständiger Berater Aufträge im maximalen Umfang von zwanzig Prozent übernehmen kann», sagt Keller.

«Dies natürlich unter der Einschränkung, dass es sich dabei nicht um Aufträge für das Bau- und Verkehrsdepartement handelt oder um Aufträge, die zu einem Interessenkonflikt mit dem BVD führen könnten.» Diese Vorgabe wird allerdings nur im engen Sinn eingehalten. Denn die Firma BCP führte in den letzten zwei Jahren mehrere kleinere Aufträge für das Bau- und Verkehrsdepartement aus, unter anderem in den Bereichen Organisationsentwicklung, Flottenmanagement oder Parkraumbewirtschaftung. «Diese Aufträge waren komplett unabhängig von der Tätigkeit von Herrn Egli als Leiter der Stadtreinigung», betont Keller.

Egli sagt, dass er ausschliesslich für Kunden ausserhalb der Nordwestschweiz arbeiten würde. «Meine Mandate haben die bei der Anstellung beim Kanton als Leiter der Stadtreinigung festgelegten zwanzig Stellenprozent nicht überschritten.»

Keine zeitliche Belastung zumindest ist Eglis Tätigkeit als Privatdozent. Erhalten hat er den Titel verbunden mit der Lehrbefugnis am Volkswirtschaftlichen Institut der Universität Bern 2004. Seinen letzten Lehrauftrag hatte er vor zwei Jahren, also vor seiner Rückkehr zum Kanton. Üblicherweise ist der Titel mit einer Lehrverpflichtung verbunden. Allerdings teilt die Uni mit: «Herr Egli ist an der Universität Bern habilitiert. Aus diesem Grund darf er den Titel Privatdozent tragen. Dies hat nach wie vor Bestand.»