Sexmesse
Heisse Basler Sexmesse: Genitalien aus Silikon und Schokolade

Vibratoren, Penispumpen, Handschellen – die Sexspielzeuge stapeln sich an der Extasia in der Basler St. Jakobs-Arena. Aber: An der Messe gäbe es zwar viel Sex, aber kaum Erotik, findet Sexologin Regina Widmer.

Pascale Hofmeier
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Basler Sexmesse
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Juri Junkov

Bunte Vibratoren, Penispumpen, Handschellen und noch viel mehr Sexspielzeuge stapeln sich an den Ständen der Extasia in der Basler St. Jakobs-Arena, der nach eigenen Angaben «grössten Erotikmesse der Schweiz».

Regina Widmer, Gynäkologin und Sexologin, beugt sich über die Auslage mit den Liebeskugeln: «Mit denen können Frauen ihren Beckenboden trainieren.» Der Beckenboden, das sei nicht nur bei Frauen, sondern auch bei Männern eine wichtige Quelle der Lust. Widmer berät seit 2006 Frauen, seltener auch Männer bei Fragen und Problemen rund um die Sexualität. Und der Verlust der Lust, der sei sehr häufig – trotz, oder gerade wegen der Bilder, die durch die allgegenwärtige Pornografie vermittelt werde. «Da wird vor allem eine Spielform der Sexualität zelebriert. Rein und raus», sagt Widmer. «Das setzt Männer und Frauen unter grossen Druck, wenn auch unterschiedlicher Art.»

Das Pornosternchen zieht blank

Weiter geht der Rundgang durch die Messe in Richtung Hauptbühne. Aus den Boxen dröhnt Britney Spears «Womanizer» deutlich lauter als die erlaubten 93 Dezibel. Die Deutsche Pornodarstellerin Vivienne Schmidt räkelt sich über einem Besucher der Messe, der sich vom roten Ledersessel aus die Performance halb begeistert und halb unsicher anschaut. Dutzende Männer filmen mit ihren Kameras die Szene – wie das Pornosternchen blank zieht. Als Nächstes ist ein Stripper an der Reihe. Ausser Kniesocken hat auch er nicht viel an. Seine Show ist eine halbe Zirkuseinlage: Zu eher langsamerer Musik macht er einen Handstand, dann stemmt er sich an der Bühnenkonstruktion hoch. Weniger Frauen mit Kameras filmen die Szene – wie das Muskelpaket nicht ganz blank zieht.

Lust reduziert auf die Genitalien

An rund 50 Ständen wird Sex als Ware angeboten, oft ein wenig lieblos präsentiert. Bedient werden auch besondere Vorlieben. Wie erwartet gibt es eine Ecke mit Peitschen. Ein wenig erstaunt greift Widmer an einem anderen Stand nach einem Spekulum aus Plastik: «Wir geben das in der Praxis für fünf Franken ab, hier kostet es 20.» Daneben liegen Klistierpumpen, wie sie auch im klinischen Bereich für Einläufe verwendet werden. Das entlockt ihr gerade mal ein «Hmm». Ein herzliches Lachen kriegen die Penisse und Lippen aus Schokolade: «Das habe ich noch nie gesehen.»

Doch dann hat es sich mit den Überraschungen: «Es werden halt schon sehr viele Klischees bedient», konstatiert Widmer, «ernüchternd viele». Sie bleibt vor einer «Sexmaschine» stehen: Ein Motor mit einer Stange, an die wahlweise ein männliches oder weibliches Genital montiert wird. «Das bringt diese Reduktion auf das Rein-Raus auf den Punkt», sagt Widmer. Dabei sei dies nur eine Spielart der Sexualität. Ihren Klientinnen und Klienten würde sie den Besuch der Messe nicht unbedingt empfehlen: «Es gibt hier viel Sex, aber wenig Erotik. Es fehlt die Sinnlichkeit.» Ein Besuch eigne sich «höchstens, um zu erkunden, wo die eigene Zensur, die eigenen Tabus beginnen. Das kann eine spannende Selbsterfahrung sein.»

Die Erotikmesse Extasia dauert noch bis zum Sonntagabend.