Jedes Jahr erleiden schweizweit gegen 8000 Menschen einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Die Überlebenschancen sind gering. Nur 5 bis 13 Prozent der Betroffenen können wiederbelebt werden. Zu wenig, finden das Basler Gesundheitsdepartement (GD) und das Sicherheitsdepartement (JSD). Wie die bz weiss, planen sie deshalb bereits in diesem Frühling ein gross angelegtes Projekt.

Ziel ist es, die Überlebenschancen bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand auf über 50 Prozent zu erhöhen. Basel-Stadt will dies durch das sogenannte First Responder System erreichen. Dank eines flächendeckenden Netzes an Ersthelfern soll es künftig in einer Notsituation viel schneller gehen als heute, wenn die Ambulanz ausrückt.

Zunächst sollen Freiwillige des GD und des JSD aufgeboten werden, die sich als Laienhelfer zur Verfügung stellen. Sie absolvieren beim Kanton eine Einführungsschulung, verfügen über die Erste-Hilfe-Ausbildung und lassen sich daraufhin registrieren. Die registrierten Nothelfer können von der Sanitätsnotrufzentrale innert weniger Minuten aufgeboten werden, wenn sich in der Nähe ein Herz-Kreislauf-Stillstand ereignet.

Wenn sie die Handy-App eingeschaltet haben, können sie von der Sanität geortet werden. Der Basler Kantonsarzt Thomas Steffen schätzt, dass sich alleine aus dem GD und JSD 500 Personen finden werden. Bereits jetzt hätten sich viele Interessenten gemeldet. In einem zweiten Schritt soll das First Responder System für die Bevölkerung geöffnet werden.

Langfristig, so die grobe Schätzung Steffens, würden sich in einer Stadt mit der Grösse Basels rund 2000 bis 3000 Nothelfer finden. Er stützt sich dabei auf die Erfahrungen der beiden anderen Kantone, in denen das First Responder System bereits eingeführt worden ist: Bern und Tessin. Hier habe sich gezeigt, dass nicht nur das Interesse der Bevölkerung gross ist, sondern auch die Erfolgsquote. Sowohl im Tessin als auch in Bern konnte die Überlebensrate bei Herz-Kreislauf-Stillständen auf über 50 Prozent gesteigert werden.

Das Falscheste ist das Nichtstun

Alles entscheidend ist bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand die Zeit. In Basel-Stadt dauert die durchschnittliche Anfahrtszeit der Sanität bei dringenden Fällen zehn Minuten. Bereits mehr als fünf Minuten gelten als kritisch, danach sind neurologische Schäden wahrscheinlich. Und auch die Überlebenswahrscheinlichkeit sinkt von Minute zu Minute drastisch.

Dank dem neuen System soll sichergestellt werden, dass der nächste Nothelfer nicht mehr als fünf Minuten entfernt ist. Um die Bevölkerung auf die Thematik zu sensibilisieren, lanciert der Kanton zudem eine Kampagne mit dem Titel «So sehen Lebensretter aus». Sie klärt die Bevölkerung auf, was bei einem Herz-Stillstand zu tun ist. Viele Hilfsbereite sind heute verunsichert, wenn sie an eine Notsituation geraten.

«Kommt dazu, dass die Hemmschwelle gross ist, aus der Masse herauszutreten», sagt Kantonsarzt Steffen. Wenn mehrere Personen um einen Patienten stünden, trauten sich die Einzelnen schlicht nicht, mit einer Wiederbelebung zu beginnen. Dabei sei die Angst unbegründet. «Man kann bei der Ersten Hilfe fast nichts falsch machen, wenn man einige einfache Punkte beachtet», sagt er. Auch absolute Laien könnten ihren Teil zur Lebensrettung beitragen, etwa indem sie einen Defibrillator holten. Das Falscheste sei eben das Nichtstun, sagt Steffen. Dem will der Kanton nun definitiv ein Ende bereiten.