Hello-Grounding

Hello-Grounding: Nicht der erste Misserfolg in Moritz Suters langer Karriere

Für den 69-jährigen Moritz Suter bedeutet die Insolvenzerklärung der Charterfluggesellschaft Hello ein erneuter Tiefschlag in seiner Unternehmerkarriere. Der Luftfahrt-Pionier erlebte bereits als Chef der Crossair Höhen und Tiefen.

Suter ist seit Dezember 2011 kaum mehr in der Basler Öffentlichkeit aufgetreten. Damals verkaufte er in einem spektakulären Akt seine Aktien der Basler Zeitung Medien an Rahel Blocher. Nur ein Jahr zuvor hatte er überraschend das Aktienpaket übernommen und als Verleger und Verwaltungsratspräsident die "Basler Zeitung" zu reorganisieren versucht.

Für die Fliegerei hatte sich der in Basel geborene Suter schon früh begeistert. 1962 erwarb er das Pilotenbrevet. Bei Einsätzen in Afrika sammelte er erste Erfahrungen; später liess er sich in den Niederlanden und in England zum Linienpilot ausbilden. 1967 startete er seine Karriere bei der Swissair, zuerst als Co-Pilot und später als Flugkapitän.

Lücke entdeckt

1975 gründete er mit einem Jugendfreund das Lufttaxiunternehmen Business Flyers Basel AG. Suter wurde Geschäftsführer und Hauptaktionär; gleichzeitig arbeitete er als Linienpilot bei der Swissair.

Suter bemerkte in jenen Jahren, dass viele Flugzeuge nicht ausgelastet sind und kleinere Flughäfen ab Zürich nicht angeflogen wurden. Er gründete deshalb 1977 eine Regionalfluggesellschaft. Das Aktienkapital wurde mit Hilfe von privaten Investoren auf 1 Million Franken erhöht und die Gesellschaft in Crossair umbenannt.

Am 2. Juli 1979 nahm die Crossair mit zwei Swaeringen-Metroliner II den Betrieb auf. Gestartet wurde ab Zürich, Zielorte waren Innsbruck, Klagenfurt und Nürnberg. Damit begann der rasante Steigflug der Crossair.

Höhen und Tiefen

In dieser Zeit erlebte Suter den Höhepunkt seiner Karriere als Luftfahrtunternehmer. Mit Elan baute er das Unternehmen aus. Dabei pflegte er einen patriarchalen Führungsstil. Den Angestellten schenkte er jeweils zum Geburtstag eine Flasche Champagner. Gleichzeitig verstrickte er sich in einen lange andauernden Lohnstreit mit den Piloten.

Legendär waren zudem die jährlichen Mitarbeiterfeste sowie alle Feiern zur Einweihung neuer Strecken oder Flugzeuge. Suter glänzte dabei als Gastgeber und liess seinem baslerischen Humor freien Lauf.

1991 übernahm die Swissair die Mehrheit am Aktienkapital der Crossair. Im Jahr 2001 betreute die Crossair über 6 Millionen Passagiere. Das Unternehmen zählte 3500 Beschäftigte.

Zwei Flugzeugabstürze in den Jahren 2000 und 2001, bei denen insgesamt 34 Menschen starben, warfen jedoch Schatten auf die Crossair und Suter. Ihm wurde vorgeworfen, das schnell gewachsene Unternehmen nicht mehr im Griff und die Flugsicherheit vernachlässigt zu haben.

Neuer Anlauf

2001 geriet die Muttergesellschaft Swissair in eine Krise. Suter übernahm kurzfristig deren Führung. Nach knapp einem Monat wurde er entmachtet. Auf der Basis der Crossair wurde schliesslich die Swiss aufgebaut.

Suter gründete 2004 in Basel die neue Charter-Fluggesellschaft Hello. Zuletzt war Suter als Verwaltungsratspräsident vor allem im Hintergrund aktiv.

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