Wenn zwei Firmen fusionieren, gibt es oft Doppelspurigkeiten. Beispielsweise in den Bereichen Finanzen, Marketing, Personal. Oder in der Logistik, im Vertrieb – die Liste ist lang. Auch bei der Übernahme der Nationale Suisse durch Helvetia wird auf solche Doppelspurigkeiten geachtet. Und es ist davon auszugehen, dass diese auch beseitigt werden. Immerhin will die neue Helvetia wie im Juli gemeldet 100 bis 120 Millionen Franken einsparen. Aber das Resultat ist noch offen, die Planungen der «Ziel-Organisation» seien noch im Gang, heisst es bei der Helvetia-Medienstelle.

Agenturnetz wird redimensioniert

Diese Woche kündete Helvetia einen ersten wichtigen Schritt an: Das Agenturnetz der beiden Versicherungen wird zusammengelegt (bz vom Donnerstag). Dabei fallen 40 von 120 Agenturen weg, aber alle Angestellte würden ihre Stellen behalten. Das ist für die Mitarbeiter zwar sehr positiv, wirft aber Fragen auf. Wo soll denn gespart werden?

Weil das Versicherungsgeschäft personalintensiv ist, dürften die Einsparungen denn auch im Personalbereich sein. Das wurde bereits bei der Bekanntgabe der Übernahme im Juli deutlich. Unter Berücksichtigung der natürlichen Fluktuationsrate von rund fünf bis zehn Prozent pro Jahr würden viele Stellen von ausscheidenden Mitarbeitenden über zwei bis drei Jahre nicht nachbesetzt, hiess es. Auf diese Weise könne ein beträchtlicher Teil der «personalbezogenen Effizienzgewinne schonend realisiert werden». Wenn strukturelle Redundanzen zu weiterem Personalabbau führten, würden diese Situationen fair und sozialverträglich behandelt. In Ergänzung dazu werden in massgeblichem Umfang Sachkosteneinsparungen angestrebt, da viele derzeit an zwei Orten getätigte Ausgaben (zum Beispiel Informatik, Marketing, Logistik) künftig deutlich reduziert werden können.

Das dürfte kaum ausreichen. Es könne deshalb sein, dass Helvetia noch eine gewisse Zeit mit dem Stellenabbau zuwartet, sagt ein auf Versicherungen spezialisierter Börsenfachmann, der nicht genannt werden will. Helvetia stehe im Dilemma: Die Verkaufsleute «an der Front» seien für die Firma absolut wichtig. Andererseits werde der Abbau irgendwann einsetzen müssen. Zwei Gewinner der Übernahme stehen übrigens schon heute fest: Die Mobiliar und die Baloise, die an der Nationale mit knapp 20 beziehungsweise 10 Prozent beteiligt waren. Sie dürften auf ihren Aktien-Paketen Kursgewinne in Millionenhöhe realisiert haben.

Für den Innen- wie Aussendienst von Nationale Suisse sei eine Gehaltsgarantie bis Ende 2015 abgegeben worden. Diese gelte auch, wenn ein Arbeitsvertrag im Rahmen der Integration aufgelöst wird. Eine vertiefte Arbeit an der Integration von Nationale sei aus wettbewerbsrechtlichen Gründen erst nach dem Vollzug der Übernahme am 20. Oktober möglich gewesen, heisst es bei der Medienstelle. Integrationsbedingte Kündigungen habe es noch keine gegeben.

Mehrere Bauprojekte

Helvetia ist ausserdem überzeugt, dass der Standort Basel durch den Zusammenschluss mit Nationale Suisse markant gestärkt werde. Neben dem Geschäftssitz des Ländermarkts Schweiz, dem Leben- und Kollektivlebengeschäft sowie dem Asset Management besteht die Absicht, in Basel ein Nicht-Leben-Zentrum zu etablieren. Ebenfalls von Basel aus geführt werden wird das National-Geschäft mit den Spezialversicherungen in den Bereichen Kunst, Ingenieurwesen und Seefahrt sowie der Bereich Rückversicherungen. Damit soll ein Prämienvolumen von einer Milliarde Franken erreicht werden.

Wie intensiv künftig der Hauptsitz der Nationale am Steinengraben genutzt wird, ist ebenfalls noch offen. Die alten Wohnliegenschaften Steinengraben 30 bis 36 sollen einem Neubau weichen. Das entsprechende Baugesuch wurde eingereicht und publiziert. Vorgesehen ist ein Bürobau mit fünf Wohnungen. Der Wohnungsanteil mache 25 Prozent aus. An der Leonhardsstrasse gleich um die Ecke wird ein Wohnhaus mit sieben Wohnungen gebaut. Die 140 Jahre alten Häuser am Steinengraben werden abgerissen, der Zustand sei sehr schlecht, hiess es bei der Nationale. Die Planungen für die zweite Etappe von Umbau und Sanierung des Hauptsitzes von Nationale Suisse laufen bereits seit 2013.