Herr Suhr, was wünschen Sie sich zum neuen Jahr für den Euroairport?

Dass es zu keinen Zwischenfällen kommt. Der Unfall der Privatmaschine am 7. Dezember mit einem Todesopfer war ein trauriges und aussergewöhnliches Ereignis.

Ist der Flughafen sicher?

Natürlich ist er das. Aber es gibt nie eine hundertprozentige Sicherheit.

Was hat zum Unfall geführt?

Die Gründe sind unklar. Die französischen Behörden ermitteln.

Sie waren viele Jahre beim Bundesamt für Zivilluftfahrt für die Sicherheit zuständig. Haben Sie eine Vermutung?

Es gibt eine Vielzahl möglicher Ursachen. Es wäre unseriös, wenn ich nun eine Antwort geben würde.

Seit einem Jahr sind Sie Direktor des Euroairports. Welche Erkenntnis nehmen Sie aus dieser Anfangszeit mit?

Es war eine Umstellung für mich. Ich wechselte von der Aufsichts- auf die operationelle Seite. Der Euroairport ist eine sehr vielseitige Plattform. Dieser Job braucht Geduld und Fingerspitzengefühl.

Inwiefern?

Die Akteure sind sehr heterogen. Da gibt es sowohl winzige als auch internationale Betriebe, Fluggesellschaften aus allen Regionen Europas, Vertreter des französischen und des Schweizer Staats. Da sind die Passagiere, die ein grosses Angebot wollen. Und die Anwohner, die gegen Lärm kämpfen. Allen diesen Bedürfnissen muss der Flughafen Rechnung tragen.

Wo mussten Sie besonders geduldig sein?

Die Ungewissheit in Sachen Rechtssicherheit empfinde ich zu gewissen Zeiten als belastend. Auch, weil wir auf den Prozess wenig Einfluss nehmen können. Ich bin froh, dass Frankreich und die Schweiz nun einen passenden Staatsvertrag paraphieren konnten. Nun hoffe ich, dass er zeitnah ratifiziert wird. Es braucht diese Sicherheit, damit die Firmen weiter investieren.

Neu muss der Flughafen der französischen Zivilluftfahrtbehörde eine Taxe zahlen. Die Kosten werden auf die Airlines abgewälzt. Wird Fliegen ab Basel bald deutlich teurer?

Nein. Pro Fluggast sind rund zwei Franken vorgesehen. Das ist verkraftbar.

Was aber ist mit Billigairlines wie Easyjet, die ihre Preise möglichst tief halten wollen?

Heute wollen alle Airlines ihre Kosten tief halten. Da wir vergleichsweise tiefe Gebühren verlangen, haben die Airlines diesen leichten Anstieg akzeptiert.

Als stärkste Airline am Flughafen hat Easyjet die Stationierung eines zehnten Flugzeugs an die Bedingung der Rechtssicherheit geknüpft. Dies ist nun der Fall. Warum ziert sie sich weiterhin?

Dass Easyjet die Ratifizierung des Staatsvertrags abwarten will, ist nachvollziehbar. Im Übrigen operiert Easyjet bereits heute mit dreizehn Maschinen ab dem Euroairport, wovon vier nicht bei uns stationiert sind.

Easyjet wird also bald vier zusätzliche Flugzeuge hierher bringen?

(Lacht) Das denke ich nicht. Die Anzahl der Flugzeuge ist nicht der relevanteste Punkt für mich. Wichtiger ist, dass Easyjet Zusagen einhält und einen attraktiven Flugplan aufweist. Dies ist der Fall. Easyjet ist ein guter Partner.

Der Euroairport weist jedes Jahr einen neuen Passagierrekord auf – vor allem dank Easyjet. Auch im 2016?

Ja, wir gehen von 7,3 Millionen Passagieren aus, einem Zuwachs von drei Prozent. Das Wachstum hat sich allerdings abgeschwächt; zu Jahresbeginn haben wir mit 7,6 Millionen gerechnet.

Also deutlich weniger als erwartet.

Der Luftverkehr ist ein Business, das unmittelbar auf äussere Einflüsse reagiert. Der Markt Türkei ist wegen der vielen Terroranschläge im Land eingebrochen. Auch Ägypten, Marokko, Tunesien und Belgien haben gelitten. Das konnten wir zu Beginn des Jahres in dem Masse nicht antizipieren.

Ist die Zeit der Passagierrekorde vorbei?

Das Wachstum der vergangenen Jahre war eine Kompensation für die Jahre 2003 und 2004, als wegen des Groundings der Swissair und Crossair mehr als eine Million Passagiere wegbrachen. Mit bis zu neunzig Destinationen decken wir viel ab. Dennoch rechnen wir im 2017 mit 7,6 Millionen Passagieren, einem weiteren Rekord.

Wie wollen Sie erreichen, dass der Euroairport weiter wächst?

Es gibt die Möglichkeiten, Frequenzen zu erhöhen und grössere Flugzeuge einzusetzen. Und neue Airlines für den Flughafen zu gewinnen. Ab kommenden Sommer wird Iberia sechsmal pro Woche nach Madrid fliegen. Somit gewinnen wir eine weitere klassische Airline. Und damit wird der Euroairport über den Hub Madrid mit Südamerika verbunden. Ein wichtiges Zeichen dafür, dass der Euroairport nicht einfach ein Low-Cost-Flughafen ist.

Bezüglich Destinationen gibt es allerdings noch genug weisse Flecken. Zum Beispiel in Skandinavien. Weder Stockholm noch Helsinki kann man von Basel aus direkt anfliegen.

Wir stehen bezüglich der beiden Destinationen in Verhandlung mit einer Airline. Wenn alles gut geht, sollte es auf den Winterflugplan 2017/2018 klappen.

Welche weiteren Regionen haben Potenzial?

Der Osten zum Beispiel. Mit Wizz Air haben wir einen starken Partner. Im Fokus steht für mich aber auch das Thema Langstrecke, New York käme da infrage. Diese Destination könnte täglich bedient werden.

Die Swissair flog dereinst New York ab dem Euroairport an. Die Strecke war nicht rentabel.

Die Ausgangslage hat sich verändert, weil sich die Wirtschaftsregion Nordwestschweiz gut entwickelt hat. Die Nachfrage ist durchaus da, und verschiedene Airlines zeigen Interesse.

Um welche handelt es sich? Etwa die Swiss?

Nein, damit würde sie ja ihr Angebot ab Zürich konkurrenzieren. Es ist zu früh, um weitere Angaben machen.

Wird die Swiss hier vermisst?

Wirtschaftlich gesehen nicht. Psychologisch schon. Die Airline hat noch ihren formellen Hauptsitz hier, mit dem riesigen weissen Verwaltungsgebäude ist sie omnipräsent. Ihr gehört das Gebäude im Baurecht, Eigentümer der Parzelle ist hingegen der Flughafen.

Wieso verkauft sie nicht?

Der Baurechtsvertrag hat noch eine erhebliche Restdauer. Eine schwierige Situation: Es hat leerstehende Flächen, die von Akteuren auf dem Flughafen besser genutzt werden sollten. Ein wesentliches Hindernis dabei ist aber die noch unklare Rechtssicherheit.

Es ging das Gerücht um, dass im Gebäude ein Hotel einziehen könnte.

Es wurden verschiedene Optionen geprüft. Das Swiss-Gebäude steht dabei nicht im Fokus.

Steht ein Hotel in unmittelbarer Nähe des Flughafens auf Ihrer Liste?

Ja, und das konkretisiert sich nun auch. Im Oktober haben wir die Baubewilligung für das Projekt erhalten, das Hotel wird sich im Osten des Flughafens befinden, im Schweizer Sektor gegenüber dem Terminal. Aktuell suchen wir nach Investoren. Es gibt Interessenten.

Abgesehen davon ist es so gut wie sicher, dass es am Euroairport in den kommenden Jahren zu baulichen Veränderungen kommt: Ein Ausbau des Terminals ist nötig. Es ist die Rede von Investitionen über eine halbe Milliarde Franken.

Diese Zahl kann ich nicht bestätigen, wir sind an der Planung, arbeiten derzeit am Strategiepapier «Euroairport 2030». Qualität ist mir ein grosses Anliegen, ich will keinen Billig-Flughafen, wo die Passagiere vor dem Boarding nicht sitzen können. Sie sollen auch in einer vernünftigen Zeit durch die Sicherheitskontrolle kommen, und die Gepäckzeiten sollen verkürzt werden. Ebenso ist ein Ausbau des Shoppingangebots ein Thema.

Welche baulichen Massnahmen stehen konkret an?

Eine Erweiterung des Terminalgebäudes ist angezeigt.

Wer wird den Ausbau finanzieren?

Einen Teil werden wir aus der eigenen Kasse berappen können. Da der Euroairport praktisch schuldenfrei ist, wird eine Fremdfinanzierung möglich sein.

Auf der einen Seite braucht der Flughafen Platz. Auf der anderen Seite stehen Lärmgegner, die den Verkehr reduzieren wollen. Nun fordert der Baselbieter Landrat eine Verlängerung der Nachtflugsperre.

Die Forderung wird im Verwaltungsrat diskutiert. Die Betriebszeit zwischen 23 und 24 Uhr ist deshalb wichtig, um Verspätungen aufzufangen. Und auch wenn wir die Zeiten einschränken würden: Die Lärmklagen würden bleiben.

Wie meinen Sie das?

Während der betroffenen Zeit halten wir die Flugbewegungen tief, sind im Gespräch mit Airlines, damit diese ihre Flüge vorverlegen. Das funktioniert recht gut. Nur ein sehr kleiner Teil der Flugbewegungen findet nach 23 Uhr statt. Deshalb denke ich, dass trotz Verlängerung der Nachtflugsperre neue Klagen nicht lange auf sich warten lassen würden. Das sieht man am Beispiel Zürich. Wir nehmen die Forderungen der Lärmgegner aber ernst und versuchen mit gezielten Massnahmen, ihnen entgegenzukommen.

Die Flugzeuge werden ja auch immer leiser.

Genau. Wir zeigen dies den Anwohnern auf. Abgesehen von ein paar wenigen Frachtern gehören die Flotten am Euroairport zu den leisesten Europas! Das ist kein Vergleich zu früher.