Herbstmesse
Drechselbank voller Staub, befeuerte Gläser und grosse Augen: Ein Nachmittag mit Handwerkern

Mitten auf dem Petersplatz ist zum 550-Jahr-Jubiläum der Herbstmesse ein Handwerkerdörfli eingerichtet worden. Die Schaustellenden laden zum Schauen und Staunen ein.

Ali Ahmeti
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Im Handwerkerdörfli gibt es viel zu sehen.

Im Handwerkerdörfli gibt es viel zu sehen.

Nicole Nars-Zimmer

Späne fliegen und Staub steigt auf, wenn Christine Polheim ihre Drechselbank anstellt. Das eingespannte Holz dreht sich und die Handwerkerin setzt an, um dem Stück Form zu geben. Zum 550-Jahr-Jubiläum der Herbstmesse wurde mitten auf dem Petersplatz ein Handwerkerdörfli eingerichtet.

Dort haben Besuchende die Möglichkeit, sich ein Handwerk zeigen zu lassen. Vor Ort sind einige Handwerksbetriebe. Die Palette reicht von der Arbeit mit Holz, um beispielsweise Spielfiguren zu erstellen, bis hin zum Prägedruck. Jeder Betrieb hat festgesetzte Zeiten für seine Vorführungen, damit es nicht zu viele Präsentationen auf einmal gibt.

Kunst an der Drechselbank

Christine Polheim an der Drechselbank.

Christine Polheim an der Drechselbank.

Nicole Nars-Zimmer

Umrahmt von Schalen, Dosen und Pfeffermühlen aus Holz, führt Christine Polheim ihre Künste an der Drechselbank vor. Die gelernte Drechslerin ist zum achten Mal an der Herbstmesse dabei. Sie findet es eine super Idee, dass man mit dem Handwerkerdörfli versucht, Besucherinnen und Besucher für Handarbeit zu begeistern. «Ich arbeite gern im Staub», so Polheim. Sie hat sie ihre eigene Drechselwerkstatt im Kleinbasel. In dieser erarbeitet sie zum Beispiel Muskat-, Kümmel- und Salzmühlen aus verschiedenen Hölzern. Zudem kann man sich bei ihr in Vierergruppen für Drechselkurse anmelden.

Mit ihr am Stand ist Walter Brunner. Er widmet sich besonders der Arbeit mit Schwemmholz. Er nehme gern ein Stück Holz in die Hand und schaue es sich erst einmal von allen Seiten an und lasse sich von den diversen Formen, die in der Natur entstehen, inspirieren. Als Beispiel zeigt er eine extravagante Schale.

Walter Brunner und die Schwemmholzschale.

Walter Brunner und die Schwemmholzschale.

Nicole Nars-Zimmer

Glaskugeln und wie sie gemacht werden

Gleich daneben bereitet Peter Keil, Kunstglasbläser, mit Schwiegersohn Sven Steiner alles für seine Vorführung vor. Mit grossem Feuer und verzogenem Glas in der Hand zieht Keil Schaulustige an. Das Glas glüht vor Hitze und wirkt schon fast, als würde es schmelzen. Ob in die Länge ziehen oder eine Kugel daraus zu blasen, wenn Keil sein Können präsentiert, dann sieht das schwere Handwerk sehr einfach aus.

Dann kommt das Highlight: Die beiden Herren stellen Leitkegel auf, um Abstand zu den Besuchenden zu schaffen und formen dann ein drei Meter langes Glas. Keil gründete 1996 das «Glashüttli Peter Keil Riehen» und machte sich damit selbstständig. Sven Steiner erzählt, dass er das Familienunternehmen zusammen mit seiner Frau Sandra Keil Steiner ab 2016 unter einem neuen Namen weiterführte: Sandwerk GmbH.

Sven Steiner (links) assistiert Schwiegervater Peter Keil dabei, ein spezielles Glas herzustellen.

Sven Steiner (links) assistiert Schwiegervater Peter Keil dabei, ein spezielles Glas herzustellen.

Nicole Nars-Zimmer

Spezielle Druckmuster auf handgemachtem Papier

Rechts neben den Kunstglasbläsern steht Heinz Spinnler, Inhaber der Druckerwerkstatt Tecknau. Er ist schon zum 14. Mal an der Herbstmesse dabei. Im Dörfli präsentiert er seine Boston-Tiegelpresse. Das ist eine Druckmaschine, die von Hand bedient wird. Meist werden damit kleinere Druckaufträge erledigt, beispielsweise Visitenkarten.

Neben der Tiegelpresse liegen Muster, die man für eine Karte auswählen kann und hinter ihm hängen auch grosse Exemplare. Spinnler sagt, dass die verschiedenen Druckmuster nur auf handgemachtem Papier erstellt werden können. Er sieht, dass das Interesse für das Handwerk zwar da ist. Jedoch bedauert er, dass es beim jungen Publikum nicht so stark ist.

Heinz Spinnler zeigt sein Sortiment.

Heinz Spinnler zeigt sein Sortiment.

Nicole Nars-Zimmer

Die Organisatoren sind sehr erfreut, dass die Messe stattfinden kann

Den Organisatoren der Herbstmesse war es besonders wichtig, Jubiläumsattraktionen zu realisieren. «Für die Jubiläumsmesse wurde eine Kategorie für nostalgische und traditionelle Marktstände geschaffen», sagt Sabine Horvath, Leiterin der Abteilung Aussenbeziehungen und Standortmarketing. Zusätzlich möchte man das Jubiläum «auch dafür nutzen, an frühere Traditionen und Brauchtümer der Basler Herbstmesse zu erinnern», so Horvath.

Das Handwerkerdörfli mit den traditionellen Handwerkskünsten trägt dazu bei. Die Organisatoren seien froh, dass jegliche Massnahmen unternommen wurden, damit die Jubiläumsmesse stattfinden kann, sagt Horvath.

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