Basel
Herbstmesse-Stände müssen wegen friedlicher Kurden-Demo schliessen

Am Samstag fand in Basel eine bewilligte Kundgebung der Kurden statt. Mit Plakaten, Schildern und Fahnen wollten sie auf die Situation im syrischen Rojava aufmerksam machen. Rund 2000 Leute zogen durch die Stadt.

Silvana Schreier
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Die Demonstration für Rojava lief friedlich ab.
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Kurden-Demo
Impressionen der Demonstration.
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Impressionen der Demonstration.

Die Demonstration für Rojava lief friedlich ab.

Silvana Schreier

12:37 Die Demonstranten sind bereit. Immer mehr strömen auf den Theaterplatz. Um dem starken Regen zu entkommen, suchen sie Schutz unter den Dächern rund um den Tinguely-Brunnen. Die Stimmung scheint trist – wäre da nicht die lebensfrohe Musik, die aus riesigen Lautsprechern auf einem Leiterwagen strömt.

12:42 Polizei ist keine zu sehen. Ebenso fehlt jede Spur von Aktivisten des Schwarzen Blocks. Die Mehrheit der Anwesenden ist kurdischstämmig. Viele ältere Männer und Frauen, daneben junge Familien mit kleinen Kindern und Jugendliche.

12:53 Die mitgebrachten Plakate werden ausgerollt – in strömendem Regen. Die Organisatoren in den neongelben Westen verteilen Fahnen. Frierende, durchnässte Kinder hüllen sich damit ein. Langsam trauen sich die Demonstranten unter den Unterständen hervor. Der Regen lässt nach.

12:55 Eine Gruppe steht etwas abseits – mehrere tragen schwarze Kapuzenpullover und hohe schwarze Schnürstiefel. Ein junger Mann zündet sich eine selbstgedrehte Zigarette an. Sie seien hier, weil sie sich solidarisch zeigen wollen. „Die Schweiz ist genauso mitschuldig daran, was in Rojava gerade passiert“, meint er. Seinen Namen will er nicht nennen.

13:01 Die Kundgebung beginnt. Nach einer Ansprache auf Kurdisch wird eine Minute lang geschwiegen. Einige blicken konzentriert zu Boden, andere halten sich an ihren Fahnen fest. Ein Mann streckt seine rechte Faust in die Höhe, er blickt stolz, fast schon trotzig, geradeaus. „Wir schweigen für die gefallenen Revolutionäre“, erklärt ein Demonstrant. „Wir zeigen damit, dass wir immer hinter ihnen stehen, auch hier in der Schweiz.“

13:08 Juso-Präsidentin Ronja Jansen bekommt das Mikrofon. In der linken Hand hält sie ein durch den Regen gewelltes A4-Blatt, darauf ihre Rede. „Was in Rojava passiert, macht mich sprachlos“, sagt Jansen. „Stoppt das Morden, stoppt den Krieg.“ Energisch ruft sie ihre Botschaft über den Theaterplatz, ihre Hände zittern, die Winterjacke ist durchnässt. „Wir sind hier, weil wir nicht mehr wegschauen können, nicht mehr möchten.“ Applaus und Jubel erntet die Juso-Chefin für ihre Worte.

13:14 Zwei Polizisten mit E-Bikes warten auf ihren Einsatz. Daneben zwei Polizisten, die die Demonstration später auf ihren Motorrädern begleiten werden.

13:30 Ein roter Touristenbus macht sich in letzter Minute aus dem Staub. Er wird von den Polizisten vom Theater in Richtung Heuwaage gelotst. Die Demonstranten formieren sich. Die Spitze bilden rund 50 Frauen. „Hoch die internationale Solidarität.“ Die Kundgebung beginnt.

13:37 Die Süssigkeiten-Stände am Barfüsserplatz schliessen schnell ihre Hütchen, bevor die Masse sie erreicht. „Es wurde uns von der Polizei wärmstens empfohlen, weil der Schwarze Block mitläuft“, sagt eine Verkäuferin. Sie wartet mit ihren Kolleginnen neben dem Stand, bis der Spuk vorbei ist.

13:40 Die erste Petarde wird gezündet. Roter Rauch steigt im ersten Drittel der Masse auf. Frauen und Männer halten sich ihre Schals vor Mund und Nase.

13:46 Eine grüne, eine gelbe und nochmals eine grüne Petarde kurz vor dem Marktplatz. Ein Verursacher wird von den Organisatoren in den neongelben Westen zurechtgewiesen.

14:11 Ein Mann steht vor der Manor-Filiale in der Rheingasse auf einer Bank. In der Hand hält er sein Handy. Er streamt die Kundgebung live auf seinem Facebook-Profil. Und erntet unzählige Kommentare. Währenddessen schauen die Passanten eher skeptisch und wenig erfreut über die samstägliche Shopping-Unterbrechung der Masse zu, wie sie in Richtung Kaserne abbiegt.

14:29 In der Klybeckstrasse werden wieder Petarden gezündet. Gelber, roter und grüner Rauch steigt auf.

14:32 Ein Demonstrant zündet eine Feuerwerkskörper-Box. Die anderen weichen etwas zurück. Der Mann hält die Box in die Luft, senkt den Blick und verdeckt seine Nase. Das spontane Feuerwerk wird begleitet von Jubelschreien und Applaus.

14:50 Die Masse nähert sich dem Ziel. Polizei-Sprecher Topak Yerguz sagt: „Es ist sehr friedlich verlaufen.“ Aufgefallen seien einzig die Petarden und die Feuerwerke. Wie viele Demonstranten unterwegs waren, wisse er nicht. Die Polizei scheint erleichtert. Die schwer ausgerüsteten Beamten in den dunklen Kastenwagen, die den Demonstrationszug den ganzen Weg über unauffällig begleitet hatten – sie fuhren in den Nebenstrassen –, dürfen bald Feierabend machen.

14:58 Das Ziel ist erreicht. Im „H95 Raum der Kulturen“ an der Horburgerstrasse folgt nun das entspannte Programm für die Demonstranten. Musik, Ausstellung und Vorträge. Pünktlich zum Ende der Kundgebung setzt nun, nach einer fast einstündigen Pause, der Regen wieder ein.