Alles begann mit dem Basler Konzil. Von 1431 bis 1449 trafen sich in Basel 18 Jahre lang Päpste, Kaiser, kirchliche und weltliche Fürsten, Gelehrte und Politiker und ihre Gefolge. Die Stadt profitierte enorm. Das Konzil bescherte der Stadt einen grossen wirtschaftlichen Aufschwung. Handel und Wirte hatten mehr Kundschaft, städtebauliche Massnahmen wurden ausgelöst, die Verwaltung erzielte Mehreinnahmen, etwa in Form von Strassen- und Brückenzöllen. Doch dann war das Konzil und damit auch der Boom zu Ende.

Uni zur Wirtschaftsförderung

Was nun? Das damalige Stadtmarketing war gefordert und hatte zwei Ideen, um die Krise zu beenden. Die Gründung einer Universität und die Einrichtung einer regelmässig stattfindenden Handelsmesse zwecks wirtschaftlichen Aufschwungs. Beides versprach einer freien Reichstadt wie Basel Gewinn, Gewicht und Prestige. Der wirtschaftliche Nutzen einer Universität war damals noch unbestritten.

Die Gründung einer Universität war relativ einfach zu bewerkstelligen. Es bedurfte dafür einer Stiftungsurkunde des Papstes, einer sogenannten Bulle. Hier hatte Basel nun grosses Glück. 1458 wurde der humanistisch gebildete Jurist und Poet Enea Silvio Piccolomini (1405–1464) zum neuen Papst gewählt. Er nahm dem Namen Pius II. an. Piccolomini hatte während des Konzils in Basel gelebt.

Der Dichter und Lebemann kannte und schätzte die Stadt und blieb ihr zeitlebens eng verbunden. Die Basler unter Bürgermeister Hans von Flachsland wussten dies zu nutzen und liessen ihre neuen Beziehungen zum Papst, den sie zum Teil persönlich kannten, spielen. Sie baten den frisch gekrönten Pontifex Maximus, der Stadt doch eine «Hohe Schule» und eine alljährliche Messe zu gewähren. Pius II. stimmte der Gründung einer Hochschule sofort zu. Und so wurde nur kurze Zeit später 1460 die heutige Universität Basel gegründet.

Papst lobbyiert beim Kaiser

Mit der Einrichtung einer Messe ging es etwas länger. Denn für das Messeprivileg war nicht der Papst zuständig, sondern der Kaiser. Mit Friedrich III. war damals ein Habsburger Kaiser: Das Verhältnis der Stadt zum Aargauer Fürstengeschlecht mit zahlreichen Besitzungen in Basels unmittelbarer elsässischer und süddeutscher Nachbarschaft war aber nicht gerade unproblematisch, seit Basel im 13. Jahrhundert es den Habsburgern verwehrt hatte, die Stadt zu ihrer Residenz zu machen.

Trotzdem wurde das Lobbying für eine Handelsmesse vorangetrieben. So übergab Papst Piccolomini in Mantua dem Basler Stadtschreiber Konrad Kienlin ein direktes Empfehlungsschreiben an den Kaiser mit folgendem Wortlaut:

«Es ist Deiner Hoheit bekannt, wie sehr Wir in Liebe und väterlicher Zuneigung Unseren geliebten Söhnen in der Stadt Basel zugetan sind und wie sehr Wir wünschen, in allem, was dieser Stadt zu Schmuck und Zierde dienen könnte, Unsere Gunst und Hilfe zu gewähren. Da wir nun erfahren haben, dass vorgenannte Stadt sehnlichst wünscht, zu einer bestimmten Jahreszeit einen öffentlichen Jahrmarkt in ihren Mauern abzuhalten, ermahnen Wir Deine Durchlaucht im Herrn, Du wollest in Rücksicht auf Uns, dieser Stadt die Erlaubnis und die Möglichkeit zugestehen, einen solchen Markt einzurichten und mit den gebührenden Feierlichkeiten und Privilegien abzuhalten. Damit wird Deine Hoheit in höchstem Masse für die Ehre und Zierde der genannten Stadt sorgen und Uns, die Wir ihr in besonderer Liebe zugetan sind, den grössten Gefallen erweisen.»

Auf Eis gelegt

Positiver könnte das Empfehlungsschreiben von Papst an Kaiser kaum sein. Doch dann geschieht erst mal gar nichts. Die Stadt leitet den Brief zehn Jahre lang nicht an den Kaiser weiter. Historiker vermuten, dass Streitigkeiten mit Adelshäusern die Ressourcen Basels ebenso gebunden haben, wie der damals schon kostspielige Aufbau der Universität. Angesichts knapper Kassen liessen sich die Basler Zeit. 1471 aber hatte sich die Lage der Stadt soweit verbessert, dass Basel sich wieder beim Kaiser um den Erwerb eines «Messeprivileg» kümmern konnte.

Lobbying und Bestechung

Am 8. April 1471 erteilte der Rat dem Bürgermeister Hans von Bärenfels den Auftrag, «von einer Messe wegen an den Keyser ze werben». Der Bürgermeister reist zusammen mit einer Delegation wohlhabender Basler an den Reichstag in Regensburg, das oberste Gremium des Römischen Reichs deutscher Nation, wo auch der Kaiser selbst präsent war. Die «Argumente» der Basler überzeugten. So liessen Bärenfels und seine Leute den Abgeordneten im Reichstag und der kaiserlichen Kasse 1759 Pfund und 10 Schilling zukommen. Diese wurden im Basler Haushaltsbuch als «ungewöhnliche Ausgaben von der Mess» eingetragen.

Basel hat Erfolg

Der Einsatz lohnte sich für Basel: Am 11. Juli 1471 erhielten die Basler das Messeprivileg mit kaiserlichem Siegel. Basel war somit offiziell Messestadt und ist es seither geblieben. War die Herbstmesse zu Beginn vor allem eine Handels- und Warenmesse, steht spätestens seit dem 19. Jahrhundert der Jahrmarktcharakter im Vordergrund. Heute ist sie die grösste Vergnügungsmesse der Schweiz.