Basel

Heroin-Abgabestellen sind Schnee von gestern

Vielleicht wird bald Kokainsubstitut abgegeben.

Vielleicht wird bald Kokainsubstitut abgegeben.

Ein neuer Vorstoss fordert von der Regierung ein Konzept für die Abgabe von Kokainsubstitut.

Vor 25 Jahren wurden in der Schweiz die ersten Abgabestellen für Heroinsüchtige eingerichtet. Die schweizerische Pionieraktion löste weltweit einen medialen Aufschrei aus. Während die Zahl der Heroinsüchtigen seither abgenommen hat, wird Kokain – in der Szene auch «Schnee» genannt – immer öfters konsumiert, wie Statistiken von «Sucht Schweiz» zeigen. Ein Mitte-Links-Bündnis will nun in Basel reagieren – mit einer Entkriminalisierung und Kokainsubstitut-Abgabestellen.

Basta-Grossrat und Suchthilfe-Basel-Leiter Oliver Bolliger reichte den Anzug kürzlich ein. Er fordert vom Regierungsrat eine Prüfung von «schadensmindernden Massnahmen bei Kokain-Abhängigkeit». Insbesondere die Zunahme der Kokainkonsumenten sei beunruhigend. Seit 2015 steige der Konsum kontinuierlich, wobei die Stadt Basel neben St. Gallen und Zürich einen der schweizweit vordersten Plätze belege. Verschärft werde das Problem durch den überdurchschnittlich hohen Reinheitsgehalt, den das weisse Pulver in Basel aufweist. Als Folge des vermehrten Konsums sei eine markante Verschlechterung der Lebensqualität von Konsumierenden zu befürchten – nicht nur gesundheitlich, sondern auch in sozialer Hinsicht. Dies führe zu hohen Kosten für die Allgemeinheit. Der Antragssteller sei auch von ärztlicher Seite schon einige Male angefragt worden, ob ein Vorstoss in diese Richtung nicht möglich wäre.

Laut Bolliger besteht ein erster Schritt darin, eine Diskussion ins Rollen zu bringen: «Der Anzug soll vor allem als Impuls fungieren, um die Behandlungsmöglichkeiten zu verbessern», so der Basta-Grossrat. Wenn der Vorstoss vom Grossen Rat an die Regierung überwiesen wird, stehen zwei Fragen im Zentrum: jene nach Substitutionsmöglichkeiten und jene nach der Überprüfung einer Legalisierung des Kleinstmengen-Besitzes. Bolliger ist bewusst, dass eine sinnvolle Substitution der Droge nicht so einfach ausfallen werde wie bei Heroin. Aber genau deshalb sei es wichtig, «den Bereich des Möglichen abzutasten und die Konsumenten und Konsumentinnen besser zu erreichen», so Bolliger.

Breite Unterstützung aus konservativeren Politkreisen

Nicht nur Kollegen linker Parteien unterschrieben den Antrag: Mit Luca Urgese (FDP), Raoul Furlano (LDP) und David Wüest-Rudin (GLP) stehen auch Vertreter aus den Reihen bürgerlicher Fraktionen hinter dem Vorhaben. Ab dem 13. November soll im Parlament über den Antrag diskutiert werden. Mit einer Annahme ist aufgrund der politisch breit gefächerten Unterstützung wohl zu rechnen. Auch Bolliger zeigt sich gegenüber der bz zuversichtlich.

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