Erziehungsdirektor
Herr Cramer, beim Uni-Deal wurden Sie ganz schön über den Tisch gezogen, oder?

Der Basler Erziehungsdirektor Conradin Cramer spricht von einem Kompromiss, mit dem Basel-Stadt wie die Uni leben können.

Daniel Ballmer
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«Wichtig war sicher, dass zwischen den beiden Regierungen wieder eine Vertrauensbasis geschaffen werden konnte,» erklärt Erziehungsdirektor Conradin Cramer.

«Wichtig war sicher, dass zwischen den beiden Regierungen wieder eine Vertrauensbasis geschaffen werden konnte,» erklärt Erziehungsdirektor Conradin Cramer.

Kenneth Nars

Herr Cramer, Baselland spart, Basel-Stadt springt ein. Da wurden Sie schön über den Tisch gezogen.

Conradin Cramer: Natürlich nicht, sonst hätten wir diesem Kompromiss nicht zugestimmt. Es ist offensichtlich, dass es den beiden Trägerkantonen derzeit finanziell unterschiedlich gut geht: Baselland hat finanzielle Schwierigkeiten, Basel-Stadt geht es sehr gut. Es ist das Normalste der Welt, dass in einer Partnerschaft der finanziell Bessergestellte dem Partner dann auch unter die Arme greift. Für uns war entscheidend, dass die Uni nicht geschädigt wird und sich weiterentwickeln kann.

Die Regierungen haben lange um diese Lösung gerungen. Was hat den Durchbruch gebracht?

Wichtig war sicher, dass zwischen den beiden Regierungen wieder eine Vertrauensbasis geschaffen werden konnte. Dadurch konnten wir sehr offen und teilweise auch deutlich über verschiedene Sichtweisen debattieren. Ohne diese Vertrauensbasis kann man keine gemeinsame Uni haben. Das geht gar nicht.

Die Uni dürfte aber nicht nur Freude haben an dieser Lösung. Sie soll in den nächsten Jahren rund 44 Millionen Franken aufbringen. Das ist ein schmerzhafter Einschnitt.

Stimmt, das ist durchaus schmerzhaft für die Uni. Das ist uns bewusst. Aber: Es ist möglich für die Universität – unter anderem, weil sie in den letzten Jahren sehr gut gearbeitet hat und finanzielle Reserven bilden konnte. Jetzt darf sie dieses Geld auch benutzen. Dabei ist uns ebenfalls bewusst, dass diese Reserven irgendwann aufgebraucht sind. Deshalb ist es dann auch ganz entscheidend, dass wir in der übernächsten Leistungsperiode die Beiträge wieder so definieren, dass die Uni ihre Qualität wirklich nachhaltig halten kann.

Das bedeutet aber auch: Die heute präsentierte Lösung kann keine längerfristige sein.

Es geht hier um kurz- und mittelfristige Massnahmen für den Leistungsauftrag bis 2021 – immerhin vier Jahre, die eine Planungssicherheit geben. Daneben haben wir einen klaren Fahrplan, wie es mit den Verhandlungen um den Finanzierungsschlüssel weitergeht. Dann geht es natürlich auch darum, wie die Regierungen die Uni-Strategie zusammen begleiten wollen. Oder die Infrastruktur. Das sind ganz entscheidende Fragen für die nächsten 15, 20 Jahre. Wir haben nun klar aufgegleist, wie wir diese Fragen angehen wollen.

Wie gross war die Bereitschaft der Universität selber, einen solchen Sparbeitrag zu leisten?

Die Uni hat eine grosse Bereitschaft, die schwierige Situation des einen Trägerkantons anzuerkennen. Sie tut, was in ihrer Macht steht, um Effizienzsteigerungen zu erreichen. Sie ist auch extrem erfolgreich in der Anwerbung von Drittmitteln. Da erhoffen wir uns sogar, dass sie noch erfolgreicher wird – im Wissen darum, dass wir uns schon auf einem sehr hohen Niveau befinden. Die Uni leistet Enormes, aber sie kann das auch leisten. Es gibt keinen Grund, die Hände zu verwerfen. Es ist möglich, dass die Uni ihr hohes Qualitätsniveau halten kann, auch mit leicht geringeren Trägerbeiträgen.

Noch sind sehr viele Fragen offen, wie es langfristig weitergehen soll. Kritisch gefragt: Hat sich Basel-Stadt nach dem 80-Millionen-Deal nicht einfach nochmals Zeit erkauft?

Da wäre man aber sehr kritisch. Wir haben nun zumindest für weitere vier Jahre einen Leistungsauftrag sowie ein klares Bekenntnis zur gemeinsamen Trägerschaft. Natürlich kann man sagen, dass das eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Das ist es aber nicht, wenn man beachtet, was Baselland in seiner jetzigen Situation an die Uni leistet. Deshalb hat der Berg nicht nur eine Maus geboren. Der Berg steht weiter stabil da. Und das ist das Entscheidende.

Stellt sich die Frage, ob das der Grosse Rat auch so sieht. Rechnen Sie mit grossem Widerstand gegen erneute Mehrbelastungen?

Ich kann mir gut vorstellen, dass es da Widerstand geben wird. Aufgabe wird es sein, diesen Kompromiss zu erklären – mit dem Hinweis, dass es eben ein Kompromiss ist und man entsprechend nicht alles so erreichen konnte, wie man sich ursprünglich gewünscht hat. Aber Politikerinnen und Politiker wissen, dass das kein Wunschkonzert ist. Deshalb bin ich schon zuversichtlich, dass es am Schluss gelingt, eine gute Mehrheit im Kantonsparlament von diesem Kompromiss zu überzeugen.