Theater Basel

Herrlich überdrehte Märchen-Burleske: Bei «Räuber Hotzenplotz» macht die Oma aus dem Stand einen Rückwärtssalto

Für Kaspar (links) und Seppel ist klar: Sie lassen die beraubte Grossmutter nicht im Stich.

Für Kaspar (links) und Seppel ist klar: Sie lassen die beraubte Grossmutter nicht im Stich.

Dieser «Räuber Hotzenplotz» würde im Theater Basel Scharen entzücken, wenn Corona den Ansturm nicht unterbinden würde. Doch auch ohne eine grosses Publikum besticht die etwas über eine Stunde dauernde Aufführung durch die unbändige Spielfreude des Ensembles.

Das obligate Familienstück zur Weihnachtszeit ist im Theater Basel Chefsache. Hier sogar in doppeltem Masse, denn für die Inszenierung von «Der Räuber Hotzenplotz» haben sich mit Antú Romero Nunes und Jörg Pohl gleich zwei der vier Mitglieder der Schauspielleitung ins Zeug gelegt – zusammen mit einem berauschend spielfreudigen Darstellerinnen-Quintett (für einmal ist der eine Mann darunter mit gemeint). Alle sind sie putzmunter und getestet, wie die beiden Regisseure den 15 zugelassenen und zugelosten Zuschauerinnen erklären.

Sie geben wirklich alles in dieser überdrehten «Actionkomödie» nach dem berühmten Märchen von Otfried Preussler, für das die Slam-Poeten Fatima Moumouni und Laurin Buser die Texte und Rap-Verse geschrieben haben: Da wird gekalauert, dass sich die Balken biegen, bis an die Schmerzgrenze chargiert und mit vollstem akrobatischem Körpereinsatz gezeigt, was man draufhat – und das ist ganz schön viel. Dazu kommen Kostüme und Masken (Lena Schön und Helen Stein), die vom 1980er-Trash-Outfit bis zur Märchen-Groteske reichen.

Keine stringente Logik des Handlungsablaufs

Bei der Geschichte bleibt die Inszenierung nahe an der Vorlage. Der gerissen-einfältige Schurke Hotzenplotz klaut Omas Kaffeemaschine, worauf sich Kasper und sein Freund Seppl aufmachen, den Räuber dingfest zu machen und auch gleich noch den bösen Zauberer Zwackelmann aus dem Verkehr zu ziehen.

Ansonsten schert sich das Spiel nicht allzu sehr um eine stringente Logik des Handlungsablaufs. Die überwiegend männlichen Figuren der Geschichte werden von Frauen gespielt, die zwei verbleibenden Frauen vom Mann im Quintett. Es ist, wie wenn Kinder sich zu einem Rollenspiel zusammentun und jenseits der Einheit von Zeit und Raum aus fantasievollen Behauptungen heraus eigene Welten erschaffen.

Die Oma macht aus dem Stand einen Rückwärtssalto

So wird aus dem Kaffee, der aus der geraubten Maschine träufelt, ein gleichsam halluzinogener wie aufputschender Zaubertrank, der die tattrige, an den Rollator gebundene Grossmutter aus dem Stand zu einem Rückwärtssalto pusht (eine von mehreren akrobatischen Kabinettstückchen von Julian Anatol Schneider). Und aus Kasper und Seppel (Nairi Hadodo und Barbara Colceriu) das fulminant rappende Hip-Hop-Gespann Casp and Sepp.

Wie es bei kindlichen Spielereien so üblich ist, kommt es auch zu emotionellen Ausbrüchen aus den Rollen: Etwa wenn sich der Zauberer Zwackelmann (Rosa Lembeck) larmoyant darüber beklagt, dass über ihn gelacht wird, oder sich der Räuber Hotzenplotz (Elmira Bahrami) höchst beleidigt zeigt, wenn er als «Gimpel» bezeichnet wird.

Schauspielteam hat einen Riesenspass auf der Bühne

Die etwas über eine Stunde dauernde Aufführung besticht durch die unbändige Spielfreude des Ensembles, die Erwachsene wie Kinder mitzureissen vermag. Wenn sie denn nur auch kommen könnten. Mit lediglich 15 Zuschauerinnen und Zuschauern im Schauspielhaus mit seinen gut 450 Sitzplätzen ist es natürlich viel zu still für ein Familientheater, das auch auf spontane Reaktionen des Publikums setzt.

Umso bewundernswerter ist denn auch, mit welcher Energie sich die fünf grandiosen Schauspielerinnen und Schauspieler auf der Bühne ins Zeug legen. Sie haben zweifellos einen Riesenspass an der Sache und das überträgt sich auch auf das arg eingeschränkte Häufchen an Gästen im Zuschauerraum.

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