Viel Zeit bleibt nicht, um den berühmten restaurierten Isenheimer Altar von Mathias Grünewald zu bewundern. Der Besuch des französischen Präsidenten François Hollande zur Einweihung des vom Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron erweiterten Unterlinden-Museums in Colmar verlief oft im Sauseschritt. Der Altar entstand von 1512 bis 1516 und befindet sich wieder an seinem alten Standort in einer Klosterkirche.

Bei den folgenden Festreden im angrenzenden Festsaal Salle des Catherinettes betonte Bundespräsident Johann Schneider-Ammann die Bedeutung der trinationalen grenzübergreifenden Zusammenarbeit, der Grenzgänger wie auch der Partnerschaft auf dem Euro-Airport (EAP), wie die Zeitung «l’Alsace» berichtete.

Hollande kündigte in seiner Rede an, dass es endlich zu einer Einigung im seit Jahren andauernden Steuerstreit um den binationalen Flughafen gekommen sei (Schweiz am Sonntag von gestern). Im folgenden Gespräch unterzeichneten die beiden Staatschefs eine gemeinsame Erklärung zum EAP.

Anschliessend besichtigten Schneider-Ammann und Hollande den neuen Erweiterungsbau, begleitet vom Basler Architekten Pierre de Meuron. Es war Hollandes achter Besuch als Präsident im Elsass.

Der eigentliche Staatsakt zum Unterlinden-Museum, bei dem auch eine Erinnerungsplakette enthüllt wurde, wurde durch die Einigung im Flughafenstreit an den Rand gedrückt. Die Verhandlungen müssen allerdings Anfang des Jahres noch endgültig abgeschlossen und in einem Staatsvertrag schriftlich formuliert werden.

Noch nicht alle Fragen geklärt

Der Basler Grossrat Heinrich Ueberwasser (SVP) reagierte bereits mit einer umfangreichen Anfrage an den Regierungsrat, in der er unter anderem die Frage nach dem Stellwert der gemeinsamen Erklärung stellt. Unbegründet sind seine Fragen nicht. In elsässischen Medienberichten verwies Jean-Marie Bockel, französisches Mitglied des EAP-Verwaltungsrat, darauf, dass erst 80 bis 90 Prozent der Fragen geklärt seien und der Teufel oft im Detail stecke.