Als «Nachricht an die Fans und Nachbarn» getarnt, enthüllte der FC Chelsea gestern die Pläne für sein neues Stadion. 60'000 Fans sollen hineinpassen, und damit fast 20'000 mehr als in das aktuelle Stadion des Londoner Nobel-Klubs, die Stamford Bridge.

Schon seit längerer Zeit wird über einen Neubau gesprochen, denn der amtierende Englische Meister hat im Vergleich mit den anderen grossen Vereinen der Insel mit seinen bislang gut 40'000 Plätzen ein fast schon mickriges Stadion. Im Old Trafford von Manchester United passen beispielsweise 76'000 Menschen hinein, ins Emirates Stadium von Arsenal rund 60'000.

Neben mehr Plätzen soll der Neubau ausserdem beste Sicht von allen Plätzen garantieren, was in der 1877 eröffneten Stamford Bridge oft nicht der Fall war.

So soll das neue Chelsea-Stadion aussehen.

So soll das neue Chelsea-Stadion aussehen.

Verantwortlich für diesen neuen Protz-Bau sind die Basler Architekten Herzog & de Meuron. Roman Abramowitsch, der russische Oligarch und Besitzer des Londoner Fussball-Klubs, wollte eigentlich an einen anderen Ort in der Stadt ziehen, musste aber wegen Platzmangel darauf verzichten. So wird das «Roman Colloseum», wie das Stadion in Anlehnung an den Besitzer und das spezielle Design, welches an das Kolloseum in Rom erinnert, im Internet genannt wird, an genau der selben Stelle erbaut werden. Die Stamford Bridge wird abgerissen. Wo der Verein während der Bauzeit spielen wird, ist momentan noch unklar. Im Gespräch ist unter anderem das Wembley Stadium.

Dreimal so teuer wie das Joggeli

Noch existiert der Neubau von Herzog & de Meuron erst auf dem Papier. Gestern Dienstag hat der Verein den Entwurf beim zuständigen Amt, dem London Borough of Hammersmith and Fulham, eingereicht. Ob das Stadion so gebaut werden kann, wird nach der Antrags-Prüfung am 8. Januar 2016 entschieden.

Der Neubau im Londoner Edel-Viertel Chelsea wäre bei weitem nicht das erste Sportstadion der Basler Star-Architekten, aber das bislang mit Abstand teuerste. 851 Millionen Euro soll es kosten und – wenn es denn bewilligt wird – auf Beginn der Saison 2020/2021 eröffnen.

Die kolportierten 851 Millionen sind mehr als drei Mal mehr als die 250 Millionen Franken, die das Joggeli gekostet hat. Auch weitere von Herzog & de Meuron erbaute Sporttempel wie die Münchner Allianz Arena (340 Millionen Euro), das Vogelnest in Peking (325 Millionen Euro) oder das extra für die Europameisterschaft im nächsten Jahr gebaute Matmut Atlantique in Bordeaux (168 Millionen Euro) waren kostengünstiger.