Denkmalgeschütztes Haus

Herzog & de Meuron kehren zu ihren Wurzeln zurück: Die Hauptpost Basel erhält ein neues Gesicht

Das nie realisierte Projekt «Rüdenplatz» von Herzog & de Meuron mit Schriftbildern von Rémy Zaugg.

Das nie realisierte Projekt «Rüdenplatz» von Herzog & de Meuron mit Schriftbildern von Rémy Zaugg.

Die Basler Architekten haben den Auftrag, die Hauptpost zu sanieren. Gedanken dazu machen sie sich seit 1995.

Es war ein Wettbewerb des Baumeisterverbands zum 100-Jahr-Jubiläum, den die Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron 1995 gewannen. Zusammen mit ihrem Künstlerfreund Rémy Zaugg hatten sie vorgeschlagen, den namenlosen Platz vor der Hauptpost poetisch «Rüdenplatz» zu taufen. Ein leuchtender, dreieckiger Brunnen mit Kunststoffverkleidung würde auf den darunter fliessenden Birsig verweisen. Auf den Fassaden der umliegenden Gebäude wären Schriften montiert: «Der Fluss Wolken» prangte von der Hauptpost, «Wälder Felsen» vom gegenüberliegenden Haus und vom Unternehmen Mitte leuchtete es: «Regen, Sonne, Schlucht».

Das Projekt wurde nie realisiert, die Kosten von 1,5 Millionen Franken zwar auf eine Million reduziert, doch mehr als 300000 Franken brachte der Verband nicht auf. Jetzt steht dort eine Linde, die der WWF Basel der Stadt zum 25-jährigen Bestehen schenkte.

Doch nun haben Herzog & de Meuron für den gleichen Ort erneut einen Wettbewerb gewonnen: Im Auftrag des Versicherungskonzerns und Hauseigentümers Axa werden sie in den kommenden Jahren die Hauptpost sanieren und einer neuen Nutzung zuführen. Dies hat Axa heute, Dienstag mitgeteilt.

Ein multifunktionales Stadthaus

Vier Basler Büros hatte die Versicherung eingeladen, um Ideen zu präsentieren. Mit welcher die Sieger überzeugt haben, kann die Medienabteilung nicht sagen. Es habe nicht eine konkrete Idee überzeugt, sondern vielmehr, mit welcher Vorgehensweise die richtigen Ideen für Ort und Umbau gefunden werden sollen. Angedacht ist ein multifunktionales Stadthaus mit Shops, Dienstleistungsbetrieben, Gastronomie und Büros. Selbst ein teilweiser Verbleib der Post ist nicht ausgeschlossen.

Die Bauarbeiten werden nicht vor Sommer 2022 starten, da die Mieter – inklusive der Post  – bis Ende nächsten Jahres befristete Verträge haben. Die Post hatte bereits 2016 erklärt, dass dieser Standort im Herzen der Stadt nicht rentiere. Die Sozialdemokraten organisierten eine Demonstration, um eine Schliessung zu verhindern, und mobilisierten ihren Wirtschaftsdirektor Christoph Brutschin, der sich persönlich für eine Verlängerung der Mietverträge einsetzte.

Der Heimatschutz wird entscheidend mitreden

Für eine Weiterentwicklung des Gebäudekomplexes können die Architekten weit in die Geschichte zurückgreifen. Ab dem 14. Jahrhundert stand ein Kaufhaus an dem Ort, den die Post Mitte des 19. Jahrhunderts für sich und ihre Bedürfnisse sicherte. Mehrfach wurde das Sandsteingebäude umgemodelt, was gemäss historischen Darstellungen zu hitzigen Debatten führte. Selbst für Touristen als sehenswert gilt die Schalterhalle, die einem gotischen Sakralbau nachempfunden ist.

Der Gestaltungsspielraum der Architekten wird beschränkt sein, da der Komplex den rigiden Regeln des Heimatschutzes unterstellt ist. Vielleicht gelingt es ihnen jedoch, eine alte Idee zu retten und den Schriftzug auf das Dach zu montieren: «Der Fluss Wolken».

Autor

Christian Mensch

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