Unglaublich: Das Hamburger Prestigeobjekt «Elbphilharmonie» kostet anstelle der 77 Millionen Euro fast das Zehnfache. In Hamburg ist deswegen seit längerem Feuer im Dach. Vor allem Politiker stehen in der Kritik, und zwar nicht zu zimperlich.

In einem vertraulichen Abschlussbericht, der dem Portal «Spiegel Online» vorliegt, werden die Schuldigen fein säuberlich aufgelistet.

In der Kritik steht auch das Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron (HdM), von denen der Entwurf des imposanten Palastes stammt. Weil fertige Baupläne nicht rechtzeitig vorgelegen hätten, sei es zu einer «chaotischen Situation einer aufwendigeren Planung parallel zum Bau» gekommen. Zudem widersprachen sich «die Pläne für die Konzertsäle und den ebenfalls im Gebäude geplanten kommerziellen Bereich in vielen Punkten», heisst es bei Spiegel Online.

Was meint die Firma HdM dazu? «Der aktuell in Bearbeitung befindliche Bericht liegt uns nicht vor. Wir können zu den Inhalten erst Stellung nehmen, sobald der Bericht offiziell veröffentlicht wird», meinte ein Firmensprecher. «Alle vertraglich vereinbarten Termine wurden von uns eingehalten. Zusätzlich haben wir den Bauherrn mehrfach mündlich und schriftlich vor einer verfrühten Vergabe des Projektes gewarnt.» Die entsprechenden Vorgänge seien dokumentiert.

Unfähig und selbstherrlich

Auch die überhastete Bauvergabe an die Firma Hochtief wird kritisiert, sowie die Tatsache, dass diese Firma gerade die einzige war, die sich für den Bau bewarb.

Eine politische Interessenskoalition wollte den Prestigebau durchpeitschen. Sie habe sich aber gescheut, dem Steuerzahlen die wirklichen Kosten zu darzulegen. So wurde der Bau teurer und teurer. Erstmals nenne der 724 Seiten starke Bericht auch die Namen der Verantwortlichen für die Kostenexplosion und die Zeitverzögerungen bei der Elbphilharmonie.

Dem städtischen Projektkoordinator für den Prestigebau, Hartmut Wegener, attestiere der Abschlussbericht eine Mischung aus Unfähigkeit und Selbstherrlichkeit, heisst es in den Medienberichten. Auch der spätere Geschäftsführer der Realisierungsgesellschaft, Heribert Leutner, habe versucht, Bürgerschaft und Öffentlichkeit zu täuschen.

Hdm: 75 Angestellte in Hamburg

Hamburgs damaliger Bürgermeister Ole von Beust habe sich vor allem durch Desinteresse an unbequemen Details ausgezeichnet. Und die ehemalige Kultursenatorin Karin von Welck habe «die Bürgerschaft nicht richtig und rechtzeitig über wichtige Umstände informiert».

In der Hochphase des Projektes beschäftigte HdM in Hamburg rund 75 Mitarbeitende auf Vollzeitbasis. Hinzu kamen zahlreiche Mitarbeiter, die dem Projekt zugearbeitet hätten.

Die Probleme beim Bau der Elbphilharmonie waren Gegenstand eines Parlamentarischen Untersuchungsausschusses der Stadt Hamburg im vergangenen Jahr. Dort wurden Versäumnisse und Fehler der Vergangenheit aufgearbeitet. Kernprobleme waren sicher eine verfrühte Ausschreibung der Bauleistung vor Abschluss der Planung und eine viel zu komplizierte Vertragsstruktur.

Das Auftragsvolumen veränderte sich im Laufe des Projektes, da seitens des Bauherrn Anpassungen und Zusatzleistungen beauftragt wurden, heisst es bei HdM.

Abnahmereif fertiggestellt werden soll das Konzerthaus 2016 – die Eröffnung ist für Frühjahr 2017 geplant.