Eine «völlig banale Geschichte» nennt Architekt Jacques Herzog die Pläne für ein Architekturarchiv auf dem Dreispitz: «Bauern lagern Kartoffeln, manche lagern Büchsenbohnen, wir lagern Modelle», sagt er im Gespräch mit dem «Sonntag». Doch die Art der Lagerung, die Herzog und de Meuron (HdeM) für ihre Modelle anstreben, ist eine besondere. Auf dem Dreispitz bauen sie einen rund vierzig Meter hohen Turm. In den oberen Etagen entstehen Wohnungen, im unteren Teil findet das Archiv des Architekturbüros Platz, wie «Der Sonntag» berichtete. Die Wohnungen sollen im Sommer 2014 bezogen werden, das Archiv Anfang 2014.

Informationen zur Art und Zugänglichkeit des Archivs waren bisher nicht erhältlich. Nun gibt Jacques Herzog erste Auskünfte. Entstehen soll im Neubau auf dem Dreispitz ein Ort «für die Forschung und für Architekturexperten», wo Material aus dem Archiv – Pläne, Modelle, Zeichnungen, Fotos – gelagert wird. Man plane «zunächst nur für den internen Gebrauch», sagt Herzog.

Kuratierte Ausstellung?

Auf die Frage, ob das Archiv später für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich werde, äussert er sich vorsichtig: «Vielleicht wird eine Art ‹Studies Center› daraus. Wir wissen es noch nicht und wollen uns auch niemandem gegenüber verpflichten». Von der Architektur her ist eine Öffnung möglich: «Wir haben Räume, in denen man auch mal eine kuratierte Ausstellung machen könnte.» Ob es so weit komme, sei aber offen und hänge unter anderem von der finanziellen Situation des Unternehmens ab.

Keinen Zweifellässt Herzog daran, dass die Archivbestände attraktiv aufbereitet werden, in Schaukästen, Vitrinen und auf Tischen. Herzog erinnert bei der Beschreibung an die Ausstellung «Herzog & de Meuron. No 250» im Schaulager. Im Jahr 2004 waren dort Recherchematerial, Zeichnungen, Skizzen, Modelle und Materialproben der Architekten ausgestellt. Der Entstehungsprozess von Architektur wurde im Ausstellungskontext selbst zum Kunstwerk.

Wollen die Architekten sich ein eigenes Schaulager bauen, in dem sie ihren Nachlass zum Museums-Bestand erklären? Herzog: «Den Vergleich mit dem Schaulager habe ich bewusst vermieden.» Das 2003 eröffnete Schaulager, gebaut von HdeM im Auftrag der Mäzenin Maja Oeri, ist ein Ort mit internationaler Ausstrahlung und beherbergt mit der Sammlung der Emanuel-Hoffmann-Stiftung eine grosse Zahl der bedeutendsten zeitgenössischen Kunstwerke.

Kein Museum

Man wolle aus dem Archiv kein Museum machen, sagt Herzog. Dennoch drängt sich der Vergleich mit dem Schaulager auf: Die Institution präsentiert sich als «offenes Lagerhaus», dessen Angebot sich in erster Linie an ein Fachpublikum richtet, das aber eine breitere Öffentlichkeit mit einzelnen Ausstellungen und Veranstaltungen anspricht.

HdeM lassen sich zurzeit alle Möglichkeiten offen. Symbolträchtig ist ihr neuer Archiv-Bau ohnehin: Um ihre Arbeit zu lagern und zu dokumentieren, haben sich die Architekten einen zentralen Platz im von ihnen erdachten Dreispitz-Quartier gesichert. Nahe dem «grossen» Schaulager und direkt neben der Hochschule für Gestaltung und Kunst, die mit etwas Verspätung im Sommer 2014 in einen Turm der Architekten Morger und Dettli einzieht. Doch Herzog bleibt bei seiner Einschätzung: «Eine völlig banale Geschichte.»

Gespräch zum «Fokus Dreispitz» mit Jacques Herzog und Angelus Eisinger:
22. 11., 18 Uhr, Florenz-Strasse 9, Basel.