Stadtplanung
Herzstück: Central-Park-Initianten werfen Kanton Ideen-Klau vor

Die Margarethenplatz-Idee sei abgekupfert, sagen die Initianten des 2013 vom Basler Stimmvolk abgelehnten Central-Park. Das Baudepartement dementiert. Inhaltlich gebe es zwischen den jetzigen Plänen und den damaligen keine Gemeinsamkeiten.

Samuel Hufschmid und Hans-Martin Jermann
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Visualisierung des Central-Parks

Visualisierung des Central-Parks

Zur Verfügung gestellt

Legt man den am Mittwoch publizierten Plan der zu einem Platz ausgebauten Margarethenbrücke über die 2013 vom Basler Stimmvolk versenkten Central-Park-Pläne, zeigen sich die wahren Grössenordnungen. Bei der geplanten neuen Brücke in Breitform (links, rote Linien) handelt es sich um ein Bauwerk von stattlicher Grösse – vergleichbar mit dem vom Basler Baudirektor Hans-Peter Wessels (SP) damals als unrealistisch bezeichneten Central-Park am Bahnhof SBB (grüne Fläche).

Die Park-Initianten fühlen sich hintergangen. Auf der Facebook-Seite des Central-Parks schreiben sie: «Herr Wessels ist jetzt auf einmal begeistert von einer Anbindung des Gundeli und einer schwebenden Plattform über den Geleisen. Auf den Visualisierungen steht Herzog de Meuron, diese «Stararchitekten», waren zusammen mit Wessels an vorderster Front gegen den Central Park ... und nun präsentieren sie unsere Idee als Ihre.»

Auf Nachfrage der bz ergänzt Central-Park-Erfinder Donald Jacob, dass er zwar froh sei, dass bei den Behörden ein Umdenken stattgefunden habe. «Die jetzt vorgelegten Pläne bestätigen uns in all unseren Ideen. Dass das, was wir vor zwölf Jahren angefangen haben, jetzt als gut befunden wird, freut uns natürlich.

Schade nur, dass so lange nichts getan wurde, ansonsten wäre der Park jetzt schon gebaut und stünde der Bevölkerung zur Verfügung.» Die Abgänge von der Margarethenbrücke auf die Geleise, und dass es dort mehr Platz braucht, das seien ihre Argumente, die sie schon vor zehn Jahren schriftlich eingereicht hätten. «Dass die aktuellen Pläne auf unseren Ideen basieren, ist offensichtlich, und ich gehe davon aus, dass die heutigen Akteure weitere unserer Ideen kopieren werden», sagt Jacob.

BVD ist klar anderer Meinung

Diesen Vorwürfen widerspricht man in dem von Regierungsrat Wessels geführten Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) vehement: Der angedachte Margarethenplatz, der die heutige Brücke ersetzen soll, habe zwar eine räumliche Nähe zum damaligen Central-Park-Projekt, führt BVB-Sprecherin Nicole Stocker aus. «Inhaltlich gibt es aber keine Gemeinsamkeiten.»
Die Central-Park-Idee sah einen Deckel für das westliche Gleisfeld des Bahnhofs vor mit einer grossen Grünfläche obendrauf.

«Es hätte keine zusätzlichen Perronzugänge gegeben, keine Entlastung für den Centralbahnplatz», sagt Stocker. Diese Idee wäre nicht zu rechtfertigen gewesen, weil sie die Bedürfnisse der Pendler sowie der SBB aussen vor gelassen habe. Die Weiterentwicklung des Bahnhofs wäre so erschwert gewesen. Demgegenüber ermögliche der künftige Margarethenplatz neue Perronabgänge. Diese seien dringend nötig, betont Stocker mit Verweis auf die Engpässe auf der 2003 eröffneten Passerelle.

Entlastung der Passerelle

Der künftige Margarethenplatz soll nach dem Willen des BVD eine neue leistungsstarke Verkehrsdrehscheibe und Tor zur Innenstadt werden. Kein Hintereingang mehr zum Bahnhof wie heute, sondern vom Passagieraufkommen gleichbedeutend mit dem Centralbahnplatz.

Eine von Stararchitekt Pierre de Meuron eingebrachte Skizze will funktional denn auch etwas anderes als die abgelehnte Central-Park-Idee: Sein Entwurf sieht über dem westlichen Gleisfeld zwischen Margarethenbrücke und Passerelle ein riesiges gewölbtes Glasdach vor, vergleichbar mit dem neuen Berliner Hauptbahnhof. Diese Skizze soll laut BVD-Sprecherin nun in den weiteren Projektschritten gemeinsam mit den SBB «plausibilisiert» und allenfalls konkretisiert werden.

«Pierre de Meurons Dachskizze zeigt, dass die Central-Park-Idee nicht die dümmste war», kommentiert Michael Wüthrich, Grünen-Grossrat und Präsident der Umwelt-, Verkehrs- und Energiekommission. «Was jetzt vorliegt, ist eine Art Central-Park light.» Donald Jacobs Projekt sei wohl wegen der Deckelung des Bahnhofs, die an die Situation in Bern erinnere, für viele Baslerinnen und Basler ein No-Go gewesen, analysiert Wüthrich.

Gleichwohl sollten in der weiteren Planung nun die guten städtebaulichen Grundideen von Jacob wieder einfliessen, nämlich das Gundeli besser an die Innenstadt und an die Markthalle anzubinden und die Aufenthaltsqualität im Umfeld des Bahnhofs zu verbessern. «Zumindest mit der aktuell vorliegenden Planung des Margarethenplatzes würden beide Ziele nicht erreicht», warnt Wüthrich.

Visualisierungen zeigen Abgänge

Die Aussagen des Bau- und Verkehrsdepartements will Jacob nicht kommentieren. Fakt ist: Aus den damaligen Visualisierungen des Central-Parks geht deutlich hervor, dass an insgesamt drei Stellen zusätzliche Abgänge zu den Perrons eingeplant waren. Nebst der Margarethenbrücke sind Abgänge in der Mitte der überbauten Fläche sowie im geplanten Aussenbereich der Passerelle eingezeichnet.

Ebenfalls im Konzept enthalten waren zahlreiche seitliche Zugänge, sowohl vom Centralbahnplatz als auch vom Gundeli aus. Diese seien zur Entlastung des Centralbahnplatzes und der Passerelle gedacht gewesen, sagen die Initianten.

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