«Ich habe das Mädchen damals angefasst, ja. Aber nicht vergewaltigt», beteuerte der 33-jährige Mann am Freitag im Basler Strafgericht. «Damals» war im Verlaufe des Jahres 2002, in jenem Jahr wurde er 18 Jahre alt. Für das damals elfjährige Mädchen im Haus des Nachbarn war es die Hölle: Ihr Vater arbeitete regelmässig in der Nacht, und zur Sicherheit hatten die Nachbarn einen Schlüssel, um nach den Kindern schauen zu können. So schaute der Beschuldigte tatsächlich immer wieder nach Mitternacht vorbei und vergewaltigte das Mädchen dabei über ein Jahr hinweg jeweils zweimal pro Woche. Die Übergriffe hörten erst auf, als das Mädchen Ende 2003 weg zur Mutter zog.

Jahre später offenbarte sie sich verschiedenen Bekannten, wurde aber offenbar durch eine extrem verständnislose Reaktion ihres Vaters davon abgehalten, Strafanzeige einzureichen. Als sie von weiteren Übergriffen erfuhr, zeigte sie ihren ehemaligen Peiniger schliesslich an.
Die fünf Richter werteten die Aussagen der Frau am Freitag als glaubwürdig: Der Mann muss für vier Jahre ins Gefängnis wegen mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind, mehrfacher sexueller Nötigung und mehrfacher Vergewaltigung. Alleine aus formellen Gründen wird sie den Fall wohl ans Appellationsgericht weiterziehen.

Der Mann selbst hatte gesagt, er habe nie körperliche Gewalt angewendet und von «Doktorspielchen» gesprochen. Gerichtspräsident René Ernst betonte, der Mann habe bereits in der Voruntersuchung äusserst widersprüchlich ausgesagt. Am Freitag sagte der Beschuldigte gar, es sei lediglich einmal zu einem Übergriff gekommen. Die Richter nahmen ihm seine Version aber nicht ab. «Ihre Aussagen waren immer sehr ausweichend, wenn es konkret wurde», kommentierte Ernst.

Die heute 27-jährige Frau hatte ihre Aussagen am Freitag vor Gericht bestätigt. Sie macht inzwischen eine Therapie, das Gericht sprach ihr eine Genugtuung von 30 000 Franken zu. Nicht abgedeckt sind Taten nach dem 12. Lebensjahr des Opfers. Dazu kommt eine Regel, die dem Opfer Zeit für eine Strafanzeige bis zum 25. Altersjahr erlaubt. Generell beträgt die Verjährungsfrist bei Vergewaltigung 15 Jahre. Aus diesem Chaos muss das Gericht die für den Täter mildeste Regel anwenden, einige der Übergriffe konnten daher formell nicht mehr zu einem Schuldspruch führen.