Über 500 Musiker auf 31 Bühnen während sieben Stunden. Am Freitag gehört die Grossbasler Altstadt zum einunddreissigsten Mal ganz dem Jazz. Während am Festival «Em Bebbi sy Jazz» internationale Grössen wie das Barbara Dennerlein Duo aus München auf den Bühnen spielen, prägen viele kleinere Bands den Event auf der Strasse genauso mit. Eine davon ist Brass Department.

Sie sind anders als die anderen. Irgendwie. Jünger als die meisten. Auffälliger. Nur schon von der Erscheinung: Zwölf Männer, alle in weissen T-Shirts und blauen Latzhosen und nicht bockstill und artig formiert, wie es Brass-Bands oft sind. Nein, wenn Brass Department auftritt, läuft was auf der Bühne. Mal ein Schwenker nach links, mal einer nach rechts, nicht immer zeitgleich zwar und manchmal gar ein wenig ungelenk, worunter die Choreografie aber nicht leidet, weil es die Band umso sympathischer macht.

Unweit des Aeschenplatzes proben die Männer von Brass Department einmal in der Woche in ihrem Bandraum. Das jüngste Bandmitglied ist 20, das älteste 30. Drei von ihnen sind professionelle Musiker, studieren Saxofon, Schlagzeug und Komposition, die anderen sind Hobbymusiker. Am Freitag treten sie am «Em Bebbi sy Jazz» auf. Zuerst an der Streetband-Parade in der Freien Strasse, danach auf der Streetband-Bühne in der Gerbergasse. Letzte Vorbereitungen werden getroffen, Tanzschritte nochmals geprobt und die Lieder Stück für Stück wiederholt.

Organisiertes Chaos

In der Ecke rattert die Lüftungsmaschine laut vor sich hin. Sie auszuschalten, ist nicht möglich. «Zu zwölft kann es hier unten ganz schön heiss werden», sagt Duno Molinari, Saxofonist. Er hängt sich sein Instrument um den Hals und positioniert sich neben seinen Kollegen auf der Bühne. Sie stehen in einem Halbkreis um Flurin Mück, der hinter dem Schlagzeug sitzt und die Band anleitet. «Kommt, lasst uns nochmals den Anfang spielen», sagt er. Oder: «Diesen Ton müsst ihr länger halten.»

Es ist eng auf der Bühne und zuweilen macht der Trupp einen chaotischen Eindruck. Und doch scheinen sie durchorganisiert, wissen immer, wann ihr Einsatz kommt und legen dann ihr Instrument rechtzeitig an die Lippen. Die Bandgründung liegt drei Jahre zurück. Für die Musikschule wurden sie zu alt, die Lust am gemeinsamen Musikmachen verflog jedoch nicht.

Seit vier Monaten komplett

Also schlossen sich neun ehemalige Musikschüler zum Kollektiv Brass Department zusammen. Später kamen drei weitere Musiker dazu, der zwölfte erst vor vier Monaten. Thomas Hof, Trompeter, sagt: «Wir wollten das, was wir in der Musikschule begonnen haben, weiterführen. Selbstständig und ohne Leitung.» Die Hierarchien in der Band sind flach, statt Lob und Tadel gibt es nach der Probe ein Bier auf dem Sofa.

Einer, der die Fäden zusammenhält, der im richtigen Moment die guten Tipps gibt, braucht es aber trotzdem. Das ist Michael Künstle. Er war bei der Bandgründung federführend und ist auch derjenige, der die Noten für die Band umschreibt und Welthits von Amy Winehouse, Aloe Blacc oder Michael Jackson Brass-Band-tauglich macht. Dass sie eher zu den jungen Exoten unter all den gestandenen Brass-Band-Musikern gehören, stört sie überhaupt nicht. Im Gegenteil, sie wollen daraus Profit schlagen.

Jonathan Gerfin, Trompeter, sagt: «Gerade weil wir jünger als die meisten sind, findet uns das Publikum gut.» Und in einer Brass-Band zu sein, habe zudem einen grossen Vorteil: «Wir können uns einfach hinstellen und zu spielen beginnen. Wir müssen keine mühsamen Soundchecks machen und ohne die ganze Elektrik sehr mobil», sagt Gerfin.

«Also gut, raffen wir uns nochmals zusammen.» Flurin Mück trommelt auf sein Schlagzeug. Die Füsse wippen im Takt mit, die laute Lüftungsmaschine wird von den Trompeten und Saxofonklängen übertönt. Nur die Latzhosen fehlen noch, dann ist Brass Department für ihren heutigen Auftritt bereit.