Das Hitzeempfinden an sich ist ja ein sehr persönliches Erlebnis. Doch bei Aussentemperaturen von voraussichtlich tagelang teils weit über 30 Grad Celsius dominiert dann doch wieder das Thema Hitze den Alltag. Diese Woche werden Maximaltemperaturen von bis zu 39 Grad erwartet, darunter auch in Basel-Stadt.

Für die Region Basel hat der Bund gestern die zweithöchste Hitzewarnstufe 4 erlassen – das schaffen derzeit nur noch die klassischen Hitzeregionen Wallis und das Tessin auf der Alpensüdseite. Am frühen Dienstagabend wurden in Basel-Binningen erneut 34,3 Grad gemessen.

Die Folgen der aktuellen Wetterlage manifestieren sich auch in der Stadt. Besonders Baustellen sind von der exponierten Lage inmitten versiegelter Flächen betroffen. So äussert die Gewerkschaft VPOD Region Basel erste Bedenken und fordert neben Wasser für alle auch die Erlaubnis für das Tragen kurzer Hosen.

Die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) etwa hätten diese nach erfolgter Prüfung erst ab 2020 im Uniformen-Angebot: «Toll wäre bereits jetzt das Okay für kurze Hosen, auch für solche aus dem privaten Fundus», sagt Gewerkschaftssekretärin und SP-Grossrätin Kerstin Wenk.

Abstrus ist diese Forderung nicht, zumal von Bund und Gesundheitsdiensten derzeit wiederholt Massnahmen für den Umgang mit der Hitze empfohlen werden. Dazu gehört neben ausgiebigem Wassertrinken auch der Aufenthalt im Schatten, direkte Sonnenbestrahlung sei zu meiden.

Tatsächlich sieht das Kleidersortiment für den Fahrdienst aktuell keine kurzen Hosen vor. «Zu erwähnen gilt hierzu, dass sämtliche Führerstände unserer Trams und Busse klimatisiert sind», so BVB-Mediensprecherin Sonja Körkel. Mitarbeitende der Technik und Infrastruktur verfügen im aktuellen Kleidersortiment allerdings bereits über kurze Hosen.

Anders sieht es auf den Köpfen aus. So stellt das Unternehmen den Mitarbeitern Kappen zur Verfügung. «Das diesbezügliche Sortiment wird in diesen Wochen noch mit einem Hut mit Nackenschutz ergänzt», so Körkel weiter. «Ausserdem geben die BVB Mitarbeitenden, die vornehmlich draussen an der Sonne arbeiten, gratis Sonnencrème ab.» Die Strohhüte, wie sie derzeit von mehreren Arbeitern der BVB getragen werden, seien zwar kein offizielles BVB-Kleidungsstück, «dürfen aber selbstverständlich genutzt werden».

Hitzefrei? Nein: früher Feierabend

Arbeitsniederlegung wegen der Hitze hingegen ist in Basel und Umgebung kein Thema. Selbst im benachbarten Arlesheim, wo gestern die Gemeindeverwaltung der Hitze angepasste Schalteröffnungszeiten bekannt gab, wird die Arbeitszeit nicht reduziert. «Wir haben die Schalterstunden einfach gänzlich auf die Morgenstunden gelegt», sagt Gemeindeverwalter Thomas Rudin. Dies aber bei gleichbleibender Arbeitszeit.

Arlesheim erlangte am Dienstag für ein paar Stunden national Berühmtheit, weil die reduzierten Öffnungszeiten pauschal als hitzefrei gedeutet wurden. Dem sei aber nicht der Fall, so Rudin.

In der Stadt wären angepasste Arbeitszeiten sogar durchaus auch eine Option. Mit Berufung aufs Gleitzeitmodell des Kantons sagt Wenk, dass Möglichkeiten zu temperaturverträglicheren Zeiten bestünden: «Wenn ich um 6 Uhr beginne, eine Stunde Mittag mache, hätte ich um etwa 15.30 Uhr Feierabend. Oder ich mache kürzer Mittag, dann wäre es sogar 15 Uhr.»

Feierabend mitten im Nachmittag, das klingt verlockend – ist nach dieser Logik aber mit einem sehr frühen Arbeitsbeginn verbunden und angesichts von Terminen und Verpflichtungen auch nicht überall möglich. Entsprechend heisst es in der Arbeitszeitverordnung des Kantons Basel-Stadt, dass Beginn und Ende der zu leistenden Arbeitszeit unter Vorbehalt von Öffnungszeiten von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern innerhalb der Gleitzeiten frei gewählt werden könnten.

Wer sich kürzere oder frühere Arbeitszeiten nicht leisten kann, der kann sich im Rhein derzeit noch bestens abkühlen, über Mittag oder dann eben abends. Der Basler Lieblingsfluss wies am Dienstag immer noch eine Wassertemperatur von rund 19 Grad Celsius aus. Die Hitzewelle jedenfalls hält je nach Prognosemodell noch mindestens bis Sonntag an.