Der heutige Abendverkauf könnte gestört werden. Auf dem Rümelinsplatz findet um 19 Uhr eine Revolution statt. Zumindest kündet dies der «revolutionäre Aufbau» als Reaktion auf das WEF an. Die links-autonome Organisation ruft zu einem Aktionstag für den Kommunismus auf. «Spiess umdrehen – den Kapitalismus stürzen», heisst es auf Plakaten.

Ein Gesuch für eine Bewilligung haben die selbst ernannten Revolutionäre nicht eingereicht. «Ich gehe davon aus, dass jene, die zur Demonstration aufgerufen haben, keinen Krawall wollen», sagt Polizeisprecher Klaus Mannhart. Auch wenn die Demonstration illegal ist, werde sie laut Mannhart geduldet, «solange sie gewaltfrei bleibt und keine Sachbeschädigungen begangen werden». Das sei eine Frage der Verhältnismässigkeit.

«Der Rechtsstaat wird pervertiert»

Das bringt den Basler SVP-Präsidenten Sebastian Frehner in Rage: «Man sollte alle illegalen Demonstranten sofort festnehmen, wenn sie sich nicht auflösen. Sonst wird unser Rechtsstaat pervertiert.» Das passive Verhalten der Polizei führe dazu, dass sich links-autonome Demonstranten gar nicht erst um eine Bewilligung bemühen. «Bei jungen Linken wird mit dem Recht anders umgegangen als bei anderen», schimpft er. Versammeln sich Demonstranten illegal, würden sie ein Delikt begehen. «Das muss man ahnden wie jedes andere auch», fordert er. Die von derselben Organisation am letzten Samstag in Bern organisierte Anti-WEF-Demo hat die Polizei im Keim erstickt. Das verlangt Frehner auch in Basel.

Anders sieht das Peter Streckeisen, Assistent am Basler Soziologie-Institut: «Der Eingriff in Bern war demokratisch fragwürdig.» Generell stellt er fest: «Ob es zwischen Demonstranten und der Polizei zu Auseinandersetzung kommt, hängt immer von beiden Seiten ab.» Einen grossen Aufmarsch erwartet der Soziologe nicht: «Die Bewegung hat ihren Zenit vor einigen Jahren überschritten.» Das Protestpotenzial sei aber nicht kleiner geworden: «Teilweise sind daraus neue Bewegungen mit ähnlichen Anliegen entstanden – wie etwa Occupy.» Gut möglich also, dass das kapitalistische Vergnügen des Abendverkaufs auch heute seinen gewohnten Verlauf nimmt.