Die Basler Stimmbevölkerung weiss, was sie nicht will: Sie will weder ein Ozeanium noch ein Multiplex-Kino. Jedenfalls sollen diese Publikumsmagnete nicht auf der Heuwaage zu stehen kommen. Wie das Kino vor 15 Jahren wurde nun das Ozeanium an der Urne versenkt.

Es ist eine feine Ironie, dass beim gleichen Urnengang die Stadtbasler den Neubau des Naturhistorischen Museums als Annex des Staatsarchivs im St. Johann bewilligten. Denn eigentlich hätte dieses Museum auf der Heuwaage gebaut werden sollen. Das Vorprojekt war konzeptionell überzeugend, raumplanerisch zentrumsnah und inhaltlich die ideale Ergänzung zum benachbarten Zoo: Das Museum hätte die ausgestopften, der Zoo die ausgestellten Tiere gezeigt. Nur der Zoo beziehungsweise das den Tierpark beherrschende städtische Patriziat war dagegen und stellte Ortsansprüche. (Dies notabene, nachdem ihr Vorläuferprojekt des Ozeaniums, nämlich ein Polarium unter der Markthallen-Kuppel, vom Kanton schnöde abgeschmettert worden war.) Der Zoo intervenierte beim grünen Regierungspräsidenten Guy Morin, der prompt vor der mäzenatischen Macht einknickte und das Museum an die Peripherie verbannte.

Nun ist die Heuwaage also weiterhin eine Brache, wenn auch eine ansehnliche, nachdem das Nachtigallenwäldeli mit Millionenaufwand aufgehübscht worden ist. Die Prognose ist leicht zu wagen, dass schon bald neue Ideen aufploppen, wie die städtische Eingangspforte überbaut werden kann. Wer sich von der Historie inspirieren lassen will, kann sich am Namen orientieren: Der Ort heisst schliesslich so, weil dort noch bis ins 20. Jahrhundert das Heu, das für die Stadt bestimmt war, gewogen und darauf Abgaben erhoben wurde. Man könnte sich an die Birsigthalbahn erinnern, die bis 1984 an der Heuwaage endete und dessen Stationsgebäude nun als Feldschlösschen-Remise ein tristes Leben in Rheinfelden fristet.

Eine Lieblingsvorstellung ist allerdings, dass nun der hundertmal verschobene Neubau der Kuppel endlich Sinn erhält und der laufende Architekturwettbewerb zu einem richtigen Projekt aufgeblasen wird: Statt ein mickriges Partylokal zu bauen, das eingezwängt im Nachtigallenwäldeli als Reminiszenz an ein überholtes Konzept durchgezwängt wird, könnte etwas stadtnäher ein kupplig-kultiger Musiktempel errichtet werden, mit dem Basel auch dem Auditorium Stravinski des Montreux Jazz Festival Paroli böte.

Kommt es zur Abstimmung, kann die Stadtbasler Bevölkerung dann wieder darüber befinden, was sie nicht will.