Mein Leben im Dreiland
Hieber darf mit Euro-Preisen in der Schweiz werben

Am Badischen Bahnhof dürfen keine Werbebroschüren in Euro mehr ausliegen. Anders sieht die Situation bei Werbern aus, die keine Niederlassungen in der Schweiz haben.

Peter Schenk
Peter Schenk
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Hieber in Weil und Stücki in Basel

Hieber in Weil und Stücki in Basel

Nicole und Kenneth Nars

Das Leben ist manchmal kompliziert. Auf meine letzte Kolumne über das Verbot von Euro-Prospekten im Badischen Bahnhof hat sich eine Leserin gemeldet. Zu Recht wunderte sie sich, in der Zeitung Werbung für die Supermarktkette Hieber in Euro gelesen zu haben – wohlgemerkt ohne Angabe in Schweizer Franken. So schrieb sie: «Denn ehrlich: Am Badischen Bahnhof erwarte ich €-Preise für Reisen in Euro-Länder (...), wenn aber Edeka in der Schweiz Werbung macht mit fett gedruckten Preisen, die sich nur im (relativ) Kleingedruckten als Euro outen, ist dies im mindestens missverständlich oder doch wohl ‹Taktik›.»

Tatsächlich geht alles mit rechten Dingen zu. Ich habe mir das vom Staatssekretariat für Wirtschaft Seco erklären lassen. Entscheidend für Werbung mit Preisangaben ist demnach, «ob eine Anbieterin – egal welcher Ware oder Dienstleistung – Sitz, Niederlassung oder Vertriebssystem in der Schweiz hat.» Wenn dies nicht der Fall ist, «können die Angebote sowie die entsprechende Werbung grundsätzlich in der Fremdwährung erfolgen».

Weiter schreibt die Medienstelle des Seco: «In dem von Ihnen zitierten Fall von Edeka scheint es sich um ein Unternehmen zu handeln, welches weder Sitz, Niederlassung noch Vertriebssystem in der Schweiz hat. Der Kunde muss sich also, um das beworbene Gut zu erwerben, ins Ausland begeben. Dort lautet der tatsächlich zu bezahlende Preis auf Euro. Ist dieser Sachverhalt erfüllt, dürfen entsprechend Preise auf verteilten Werbeflyern, in Inseraten, am TV usw. in Fremdwährung angezeigt werden. Der Badische Bahnhof befindet sich im Übrigen auf Schweizer Hoheitsgebiet.»

Ich weiss nicht, ob unsere Leserin mit dieser Antwort zufrieden ist, aber ich muss zugeben, dass ich auch ein wenig erleichtert bin. Als Zeitung sind wir auf Werbung angewiesen. Und selbst, wenn wir durchaus die negativen Auswirkungen des boomenden Einkaufstourismus sehen, den dieser auf den Basler Detailhandel hat, können wir es uns nicht mehr leisten, Anzeigen aus dem grenznahen Ausland aus lokalpatriotischen Gründen abzulehnen. Es würde übrigens auch dem Geist dieser Kolumne widersprechen, die sich unabhängig vom Wechselkurs für das Leben über die Grenzen einsetzt.

Erst am vergangenen Mittwoch hatten auch wir zwei Beilagen von deutschen Möbelhäusern, von einem Spielwarengeschäft im deutschen Steinen bei Lörrach oder eine ganze Seite von Hieber Lörrach im Blatt – immer mit Euro-Preisen. Das hat allerdings Hasler Fenster in Therwil ebenso wenig von einer Anzeige abgehalten wie Ramstein Optik, die Stücki oder die Garage Schmid in Reinach, um nur einige Beispiele zu nennen.

Und was die Euro-Prospekte der Deutschen Bahn (DB) im Badischen Bahnhof betrifft, so bin ich optimistisch. Schon die Last-Minute-Broschüre für März und April war neu vollständig in Schweizer Franken ausgezeichnet. Kommt hinzu, dass die Preisvergleiche zwischen SBB und DB so noch einfacher werden.