Dätt Marti packt ein schwarzes Podest und legt es quer. Er löst Nägel und Bretter, packt eine Säge und «enthauptet» das Requisit mit geübter Hand. Es sei zu hoch, sagt er. Sägespäne fliegen. Der Holzduft im Keller des Rialto wird noch intensiver. Später wird Marti Rollen am Podest befestigen, damit es leichter zu handhaben und zu verschieben ist. Er demonstriert an einem zweiten, fertigen Podest, was er damit meint.

Die Anforderungen an das diesjährige Bühnenbild des Glaibasler Charvari sind hoch. «Es wird eine grosse Kiste, es wird spektakulär», verspricht Marti – und wir müssen ihm versprechen, nichts darüber zu verraten. Die Grundidee stammt von Regisseurin und Produzent. Als sie ihm diese erläuterten, fing der Veteran, der lange Jahre für die Bühnenbilder der Vorfasnachtsveranstaltung zuständig war, sofort Feuer und musste nicht mehr lange zur Rückkehr überredet werden.

Die Angst vor der engen Kellertüre

Marti arbeitete über den Sommer ein Grundkonzept aus und fertigte eine Skizze an. Er lasse sich auf Reisen oder im Theater inspirieren, sagt er. Es folgten die Grobplanung und der Bau eines Modells. «Einen Moment», unterbricht Marti seine Ausführungen, greift hoch über unsere Köpfe und nimmt das besagte Modell von einem Stuhlstapel. Jetzt machen die verschiedenen fertigen Bauteile, die im sowieso schon vollgestopften Keller herumstehen und -liegen, plötzlich Sinn.

Nur an was bloss arbeitet Christoph Knöll in der Mitte des hohen Raumes? An einem für die Aufführung sehr zentralen Requisit, das er gerade fahrbar macht. Es wird wohl für grosse Augen bei den Zuschauerinnen und Zuschauern sorgen. Noch befindet es sich allerdings erst im Anfangsstadium. Dabei sind die beiden Bühnenbildner im Endspurt, wie sie sagen.

Von Hektik ist aber an diesem Samstagnachmittag nichts zu spüren. Knöll und Marti nageln, hämmern, bohren und pinseln in aller Ruhe. Es sind eben zwei «alte Hasen» am Werk. Zwei Generationen, wie Marti anmerkt. Knöll ist sein Nachfolger beim Charivari. Dieser gibt jedoch zu, dass er an der Premiere jeweils Lampenfieber hat wie ein Schauspieler: «Wir sind die kritischsten aller Kritiker unseres Werks.» Im Scheinwerferlicht und live sehe alles doch immer etwas anders aus. Marti hatte seinen Albtraum bereits: «Eines nachts bin ich aufgewacht, weil mir mit Schrecken bewusst wurde, dass wir ein Element nicht durch die Kellertür kriegen würden. Ich musste die Pläne ändern.»

Gespannt auf die Reaktionen

Am Sonntag wird sich zeigen, ob sich die neuen Pläne bewährt haben. Dann beginnt das Zügeln. Zuerst kommt das Grundgerüst auf die Bühne des Volkshauses. Danach beginnt die Montage der Kulisse. «Arbeiten wie etwa die Fugen von Mauern machen wir vor Ort», erklärt Marti. Ansonsten aber werden sich die beiden Bühnenbildner zurücklehnen und andere aufbauen lassen.

Sagen sie. So richtig glauben kann man das nicht, wenn man sie in Aktion erlebt. Knöll den Bauer und Schreiner, Marti den Gestalter und Dekorateur – der übrigens auch für die Projektionen zuständig zeichnet, die es dieses Jahr zu sehen geben wird im Charivari.

Gespannt sind beide auf die Reaktion des Publikums. Ein Bühnenbild müsse die Leute ansprechen, so Knöll. Sie sollen sich daheim fühlen, sich damit identifizieren können, wirft Marti ein. Sein grosses Vorbild ist Herbert Wernicke. «Die Menschen wollen etwas erleben und wir müssen ihnen dementsprechend etwas bieten», fährt Knöll fort. Erst wenn Text, Musik und Kulisse sich optimal ergänzten, könne daraus etwas Grosses entstehen.

Und gross wird das Bühnenbild auf jeden Fall.