Ihnen gemeinsam ist der kultige Charakter und der Einfallsreichtum. Die Gaststätten fallen auf und heben sich in erfrischender Weise von der Masse ab.

Restaurant Auhafen, Muttenz

Alleine die Anfahrt ist ein kleines Abenteuer: Zwischen Lagerhallen und grossen Tanks gehts im Auto mal nach links, mal nach rechts und immer mal wieder über Geleise. Dann taucht es am Ende einer Sackgasse auf: Das Restaurant Auhafen. Inmitten hoher Kräne und Hafenanlagen wirkt es etwas verloren und unterdimensioniert. Entweder man fährt hier extra hin oder arbeitet um die Ecke. Laufkundschaft gibts kaum.

Als der Autor vor Jahren an einem heissen Sommer-Sonntag diese Oase inmitten von Teer und Schotter entdeckte, kam er per Schlauchboot vom Wasser her. Der Zufallsfund eines Durstenden. Zu Fuss ist das Restaurant Auhafen auf halb-offiziellem Weg erreichbar: Vom bekannteren Restaurant Waldhaus führt ein Wanderweg zunächst durch den Wald und runter Richtung Rhein, dann über die Geleise der Hafenbahn.

«Auhafen»-Gastgeberin Lydia ist eine vom Schlage «Hart, aber herzlich». Zunächst verarztet sie den Redaktionskollegen, der sich beim Morgentermin einen Cut oberhalb der Augenbraue zugezogen hat. «So, noch ein Pflaster für den Schnuggerl.» Als dann aber zwei andere Kollegen die Vorspeisen-Suppe verschmähen, reagiert die Österreicherin unwirsch: «Was, keine Suppe? Das ist eine nahrhafte Bouillon mit Gemüsestücken!». Die liebenswürdige und zugleich unverblümte Art der Wirtin passt zum rauen Hafen-Charme: Hier ist nichts aufgesetzt und gekünstelt. Etepetete kannst Du am Kleinbasler Rheinufer.

Lärmempfindlich darf man als Besucher dieses Lokals nicht sein. Während wir die Vorspeise verzerren, werden in unserem Rücken unter lautem Knarzen und schrillem Quietschen Zisternenwagen verschoben. Keine vier Meter vom Esstisch entfernt – Ehrenwort! Als Ausflugsziel für kleine und etwas grössere Jungs eignet sich das Restaurant Auhafen dennoch hervorragend: Hier gibts ständig was zu sehen.

Vom Tisch aus kann man bei Pommes Frites und Cola zuschauen, wie die Greifzange des Hafenkrans Güterwagen entlädt. Ganze Arbeit leistet die Diesel-Rangierlok «Ronny», die immer wieder auf beiden Seiten des Restaurants auftaucht. Ein grossartiges Schauspiel.

Da geht fast vergessen, dass wir eigentlich zum Mittagessen hergefahren sind – und das ist «mehr als ordentlich», wie Restaurant-Tester Daniel Bumann sagen würde. Das von uns gewählte Cordon Matador ist eine scharfe und kluge Weiterentwicklung des bewährten Schnitzel-Klassikers mit Chorizo statt Schinken und einem etwas würzigeren Bergkäse statt des Emmentalers.

Im Menüpreis von 21.50 Franken inbegriffen ist zudem ein grüner Salat, ein Kaffee und die erwähnte Suppe. Da muss selbst der hungrige Hafenarbeiter den Tisch nicht mit knurrendem Magen verlassen. Dem Büezer-Budget angepasst sind zudem die Preise – zumal noch günstigere Tagesmenüs zu haben sind wie etwa die Thunfisch-Kroketten. Der «Auhafen» ist für Beizengänger der ideale Zufluchtsort, die sich über städtische Vegan-Hipster-Coolness und ländliche Maggi-Streuer-Biederkeit gleichermassen nerven. Ein Erlebnis. (haj)

Auhafenstrasse 51, 4132 Muttenz

Über den Gästen wachen in der «Säulikantine» Unmengen von Schweinen.

Über den Gästen wachen in der «Säulikantine» Unmengen von Schweinen.

Restaurant zur Säulikantine, Basel

Man muss genau wissen, wo sich das Restaurant zur Säulikantine befindet. Denn mitten im Gewerbegebiet Lysbüchel verliert sich keine Laufkundschaft – was die Beiz für gewisse Arbeitnehmer umso attraktiver macht, wie Wirt Martin Kocher mit einem breiten Grinsen erklärt: «Hier kann man sein Auto diskret abstellen und so lange Pause machen, wie man will. Kein Chef entdeckt einen.»

An den Wochenenden gehört die Beiz dann den Guggen und Firmen, die hier gerne feiern. Demnächst ist hier das «12. Säuliguggefescht, ab de Sächsi zobe bis öbbe am Drey am Morge», wie es auf dem Flyer heisst, und man nimmt es dem Wirt voll ab, dass hier gelärmt werden kann. Mit einem Fest begann vor 15 Jahren auch die Geschichte der «Säulikantine». Damals grillte eine Nachbarfirma eine «Porchetta», ein gefülltes Schwein, in den Hallen der Eisenlegerfirma der Familie Kocher. Die Firma gibt es immer noch, aber aus dem Festbetrieb ist ein Restaurant geworden, dessen schlichte Wände voller Schweinchen in allen Grössen und Farben ist. «Sie fliegen uns nur so zu», sagt Kocher.

Unter der Woche besteht die Kundschaft von Morgens sechs Uhr bis Abend sechs Uhr hauptsächlich aus Männern, viele im Blaumann. «Wir haben aber auch Angestellte der Novartis, die etwas anderes als den Massenbetrieb in den firmeneigenen Restaurants suchen», sagt Wirt Martin Kocher. Tatsächlich wird man in der «Säulikantine» auffallend freundlich und aufmerksam bedient – und wo kommt noch persönlich der Koch vorbei und fragt, obs geschmeckt hat?

An den Kochtöpfen heisst das Motto der «Säulikantine»: Jeden Tag gibt es ein Menü mit Getränk für unter 20 Franken. Kulinarische Höhepunkte darf man nicht erwarten, wenn der Fitnessteller mit Suppe gerade mal 14.30 Franken kostet – aber das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Und das Schönste an der «Säulikantine» ist sowieso die Terrasse. Dort kann man sein Fernweh pflegen, wenn stündlich ein TGV nach Paris durchbraust. (mec)

Lysbüchelstrasse 330, 4056 Basel

Für den Landgasthof Pony Ranch lohnt sich ein Abstecher nach Seewen.

Für den Landgasthof Pony Ranch lohnt sich ein Abstecher nach Seewen.

Landgasthof Pony Ranch, Seewen

Auf der Herrentoilette im Landgasthof Pony Ranch begegnet einem John Wayne. Der Westernheld hängt hier in vielfacher Ausführung an den Wänden.
Die Einrichtung im ein wenig ausserhalb von Seewen gelegenen Restaurant ist bis auf das letzte Detail stimmig. Der Wirtefamilie Kirschner holt die Südstaaten der USA ins Schwarzbubenland. Das Interieur des Lokals kommt im typischen Western-Stil daher. Auf der Speisekarte dominieren die Burger, Steaks und Chicken Wings.

Unbedingt probieren muss man die Eintopfgerichte, die man in Schweizer Beizen nur sehr selten findet. Dazu gehören der würzige Shrimp-Gumbo und das feurige Jambalaya. Schmecken lassen sich die Gerichte die verschiedensten Menschen: «Bei uns essen Töfffahrer, Wanderer, Familien, Geschäftsleute und viele mehr», erklärt Wirtin Nadja Kirschner. Ihr Sohn ist Küchenchef der Pony Ranch, auf der es trotz des Namens keine Pferde gibt. Einmal abgesehen von demjenigen aus Plastik auf der anderen Strassenseite.

Einst war es möglich gewesen, auf Ponys zu reiten. Nachdem das Lokal während 17 Jahren leer gestanden hatte, eröffnete Kirschner es vor zwei Jahren neu. «Statt Pferden haben wir heute Geissen, Hühner und Säuli, welche sich vor allem bei unseren jüngeren Gästen grosser Beliebtheit erfreuen», sagt die Wirtin.

Ein Spielplatz werde bald entstehen. Von der Terrasse aus können die Eltern dann ihrem Nachwuchs beim Austoben zuschauen und die wunderbare Aussicht auf die satten Wiesen geniessen. Immer wieder veranstaltet die Wirtefamilie in ihrem Restaurant Anlässe mit Live-Musik. (HOF)

Bödeli 2, 4206 Seewen

Den Maggi-Streuer sucht man hier vergebens. Dafür gibts Afri-Cola.

Den Maggi-Streuer sucht man hier vergebens. Dafür gibts Afri-Cola.

Restaurant Ochsen, Oltingen

Von weit her stammende Produkte findet man im Restaurant Ochsen in Oltingen nur im Kühlschrank. Dort stehen die in ländlichen Gebieten nur selten ausgeschenkten Hipster-Getränke Gazosa und Afri-Cola. Ansonsten sind die Lebensmittel, die hier auf den Tisch kommen, lokal. Sandwiches, Speckbrettli und Kuchen gibt es immer. Getragen wird das Lokal, das jeweils mittwochs und am Wochenende geöffnet ist, von einem Verein.

Dessen Ziel ist es, das traditionsreiche Gasthaus im Oberbaselbieter Dorf wiederzubeleben. Der Vereinvorstand wechselt sich hinter dem Tresen ab. Ungefähr einmal im Monat organisiert man einen kulturellen oder gastronomischen Anlass. Erst im Juni traten die beiden Musiker Mich Gerber und Andi Pupato auf. Der Verein sucht ständig neue Mitglieder, die bereit sind, ehrenamtlich mitzuarbeiten. (HOF)

Schafmattstrasse 6, 4494 Oltingen

«I bätt zu Gott, dass die Chrone nie zuegoht»: Wo gäbe es sonst einen Pizza-Burger zu diesem Preis?

«I bätt zu Gott, dass die Chrone nie zuegoht»: Wo gäbe es sonst einen Pizza-Burger zu diesem Preis?

Restaurant Krone, Laufen

Wenn es im Laufental ein Lokal gibt, das die Bezeichnung Kult-Beiz verdient, dann ist es zweifellos das Restaurant Krone in Laufen. In der ältesten Pizzeria des Tals sieht es noch immer so aus wie im Jahr 1979, als Marcel Bättig sie eröffnete. Seither steht der Pizzaiolo Tag für Tag mitten in der Wirtschaft und bereitet vor den Augen der vielen Gäste seine Spezialitäten zu.

Besondere Bekanntheit erlangte der Kronen-Burger, bei dem es sich um ein mit Schinken, Käse, Salat und Salatsauce gefülltes Pizzabrötchen handelt. Die ganz Harten lassen die ersten drei Zutaten weg und bestellen sich bloss einen sogenannten Teig. Die Eigenkreationen sind lecker, preiswert und sehr beliebt. Viele sind deshalb derselben Ansicht wie der Laufentaler Rapper Zuckerpapi, der in einem seiner Songs offenbarte: «I bätt zu Gott, dass die Chrone nie zuegoht.» (HOF)

Vorstadtplatz 6, 4242 Laufen

Die grösste Hexe steht beim Eingang. Drinnen warten hunderte von ihren Schwestern.

Die grösste Hexe steht beim Eingang. Drinnen warten hunderte von ihren Schwestern. 

Restaurant Häxehüüsli, Reinach

Um das «Häxehüüsli» ranken sich die Legenden. Ein Hühnerstall sei es gewesen, dann Munitionslager und schliesslich Unterschlupf für Naturschützer, bevor ein erster Beizer aus dem stattlichen Holzhaus – es ist alles andere als ein Hüsli – eine Festhütte machte. Die Polizeistunde spielte nie eine Rolle, steht das Anwesen doch in einem Wald in der Reinacher Heide. 1990 übernahm Peter Stünzi das Ruder, gründete das Restaurant Rynacherheid.

Weil aber alle nur vom «Häxehüüsli» sprachen, benannte er es um. Die namensgebenden Figuren finden sich überall, im Innenraum, im Garten und beim Teich. Die grösste Hexe steht am Eingang. Spezialität des Hauses sind Fleischspiesse in allen Variationen. Die Namen lauten «Tamarindo», «New York» oder «Uluru», was zeigt: Stünzis haben schon so manchen Flecken der Erde gesehen. (BWI)

Heideweg 2, 4153 Reinach