Uni Basel

«Hier findet ein Bildungsabbau statt, und Baselland ist dafür verantwortlich»

Leerer Hörsaal der Universität Basel: Trotz vakanter Professuren gehe der Betrieb normal weiter, sagt die Universität. Martin Töngi

Leerer Hörsaal der Universität Basel: Trotz vakanter Professuren gehe der Betrieb normal weiter, sagt die Universität. Martin Töngi

Wegen den Sparplänen des Kantons Baselland besetzt die Uni Basel vakante Professuren nicht. Politiker aller Couleur zeigen Verständnis für dieses Vorgehen.

Welch Ironie: Just gestern, 30 Jahre nach der Chemiekatastrophe von Schweizerhalle, wurde bekannt, dass eine freie Professur im Departement Umweltwissenschaften der Universität Basel derzeit nicht neu besetzt wird. Ironisch deshalb, weil ein Vorläufer der Umweltwissenschaften aufgrund der Katastrophe am 1. November 1986 gegründet wurde.

Die Professur ist offenbar eine von mehreren, die die Universitätsleitung wegen der angedrohten Sparmassnahmen des Kantons Baselland derzeit nicht besetzt.

Bildungspolitiker äusserten am Dienstag denn auch Kritik an den Baselbieter Spardrohungen. SP-Landrätin Miriam Locher sagt: «Hier findet ein Bildungsabbau statt, und Baselland ist dafür verantwortlich. Der Kanton ist kein verlässlicher Partner. Die SP erwartet ein klares Bekenntnis zur Uni.» Florence Brenzikofer von den Grünen sieht den Bildungs-, Wirtschafts- und Kulturstandort Basel durch Spardruck und Leistungsabbau gefährdet. Und das Junge Grüne Bündnis Nordwestschweiz zürnt in einer Mitteilung: «Es zeigt sich, dass die Baselbieter Regierung mit der Ankündigung, bei der Uni Basel zukünftig sparen zu wollen, bereits das Klima vergiftet hat.»

«Weiser Entscheid»

Bürgerliche Politiker sind mit Kritik am Landkanton zurückhaltender. Sie betonen ihr Verständnis für die Universitätsleitung. GLP-Grossrätin Martina Bernasconi spricht von einem «weisen Entscheid». Oskar Herzig-Jonasch von der SVP findet die Sparbemühungen in der Bildung nicht richtig, kann den Entscheid der Uni aber verstehen.

CVP-Grossrat und Präsident der Bildungs- und Kulturkommission, Oswald Inglin, sagt, die vorsichtige Anstellungspolitik sei nachvollziehbar. Als Grund nennt er die unsichere Finanzierung der Uni aufgrund einer möglichen Neuverhandlung des Staatsvertrags oder gar einer Kündigung durch den Kanton Baselland. Er bedauert die bestehen bleibende Vakanz aber auch: Sie sende ein ungünstiges Signal in die akademische Welt, dergestalt, dass eine Berufung nach Basel mittel- oder längerfristig nicht gesichert ist. «Dies könnte der Uni schaden», sagt Inglin.

Eine Professur aufzubauen dauert gut und gerne zehn Jahre. Wenn nun aber in der neuen Leistungsperiode 2018 bis 2021 weniger Geld vorhanden sein sollte, müsste man sich von einem eben erst angestellten Professor wieder trennen.

Zur Ausgestaltung des kommenden Leistungsauftrags 2018 bis 2021 laufen gemäss der Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind derzeit intensive Verhandlungen zwischen den beiden Kantonen. Ob man in Baselland einen zu forschen Sparton gegenüber der Universität anschlug, kommentiert Gschwind auf Anfrage nicht.

Auch der Basler Erziehungsdirektor Christoph Eymann und sein möglicher Nachfolger Conradin Cramer wollen sich nicht äussern. Dafür ist die Baselbieter SVP-Landrätin Caroline Mall voll des Lobes für das Vorgehen der Unileitung: «Sie gibt sich Mühe, Kosten zu sparen. Darum ist die Nichtbesetzung nicht weiter schlimm.»

Kosten sparen bei der Uni, das sieht auch der 80-Millionen-Deal zwischen den beiden Kantonen vor, wenn auch nur indirekt. Im Beschluss des Deals steht, die Kantone müssten sich gemeinsam auf eine Reduktion des sogenannten Restdefizits einigen. Weil eine Universität nicht nach Gewinn strebt, bleibt trotz Einnahmen wie Fördermitteln ein Defizit. Wie dieses gesenkt werden soll, müssen die Kantone entscheiden. Entweder erhält die Uni mehr Geld – oder sie muss sparen.

Kein Professor zweiter Klasse

Eine unbesetzte Professur schone die Kasse der Uni sehr effektiv, sagt Jean-Luc Nordmann, Präsident des Fördervereins der Uni Basel. Denn auf jeden Professor kämen ein oder mehrere Assistenten und eine gewisse Forschungsinfrastruktur. «Das kostet viel Geld», sagt Nordmann und fügt an: «Die Situation ist nicht befriedigend, aber die Universität hat kurzfristig fast keine Alternativen.» Auch er hält vorübergehende Vakanzen für vertretbar: «Lieber eine vorübergehend unbesetzte Professur als eine zweitklassige Lösung, die etwas günstiger ist.» Wie viel eine einzelne Professur kostet, gibt die Universität nicht bekannt.

Dass momentan im Bereich Botanik ein Professor fehlt, hat laut Uni-Sprecher Matthias Geering keinen Einfluss auf den Unterricht: Vorlesungen oder Seminare könnten von Dozenten oder wissenschaftlichen Mitarbeitern aus dem selben Fachgebiet übernommen werden. Die Studenten sollen von der Vakanz nichts merken.

Dass nun Basel-Stadt die gesamte Finanzierung der Botanik-Professur übernimmt, ist für die angefragten Politiker keine Option – mit einer einzigen Ausnahme: Das Junge Grüne Bündnis spricht sich für diese einseitige Massnahme aus.

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