Kommunikation

Hier ist Farner am Werk: Brutschin lässt PR-Agentur redigieren

Christoph Brutschin, Vorsteher des WSU.

Christoph Brutschin, Vorsteher des WSU.

Die Agentur Farner unterstützt das Departement für Wirtschaft, Soziales und Umwelt in der Kommunikation. Die Firma pflegt eine ausgesprochene Nähe zur FDP, aber auch zur SVP.

Die Kommunikation zwischen den Medien und der Verwaltung hat sich in den letzten Jahren stark formalisiert. Direkte Kontakte zwischen Medienschaffenden und Staatsangestellten sind längst nicht mehr erwünscht und werden in aller Regel unterbunden. Es geht heute kaum noch ein Zitat an die Öffentlichkeit, ohne dass eine entsprechende Medienstelle ihren Segen dazu gegeben hätte. Christoph Brutschin (SP), Leiter des Departements für Wirtschaft, Soziales und Umwelt (WSU), gibt im kürzlich veröffentlichten Bericht zu den Ergebnissen der Generellen Aufgabenprüfung (GAP) vor, diesem Trend entgegenzuwirken.

Zentralisierung fördert Distanz zur Öffentlichkeit

Vor rund einem Jahr hat der Grosse Rat einen Anzug von Patricia von Falkenstein (LDP) und Konsorten zur «Effizienzsteigerung» überwiesen. Eine der dort vorgeschlagenen Massnahmen schlägt «Verzicht und Reduktion von Kommunikationsabteilungen» vor. Die Kommunikation solle künftig zentral organisiert werden. Laut GAP befassen sich in Basel-Stadt zurzeit zahlreiche Mitarbeiter, verteilt auf rund 24 Vollzeitstellen, professionell mit Kommunikation. Der Grossteil davon ist in der Staatskanzlei, den Departementssekretariaten und -leitungen angesiedelt.

Zwei Ausnahmen bilden das Finanzdepartement und eben das WSU. Beide haben keine spezifische Kommunikationsstelle. Die Medienarbeit wird in letzterem auf die verschiedenen Dienststellen aufgeteilt, da «die Nähe zu den Themen und zu den Bedürfnissen der Dienststelle und ihrer Kundschaft dezentral besser ist», heisst es im GAP.

Die Medienarbeit ohne spezifischen Mediensprecher habe sich insofern bewährt, als dass «die Leitungspersonen der fachlich zuständigen Dienststellen – und auch der Departementsvorsteher persönlich – als Auskunftsperson für die Medien zur Verfügung stehen», wird im Bericht vermeldet. Dieser direkte Kontakt sei sowohl für die Medien als auch für die Leitungspersonen attraktiv. Was dabei aber unerwähnt bleibt: Das WSU erhält bei der Medienarbeit Unterstützung von der bekannten PR-Agentur Farner. «Die Dienstellenverantwortlichen haben die Möglichkeit, Antworten auf aktuelle Medienanfragen von Farner spiegeln zu lassen», schreibt Brutschin. Konkret heisst das, die PR-Agentur redigiert bei Bedarf die Antworten der WSU-Mitarbeiter.

PR-Agentur mit Nähe zu SVP und FDP

Auf Anfrage dieser Zeitung schreibt die WSU-Generalsekretärin, der Auftrag bestehe seit Mitte 2016 und bedeutet einen Kostenpunkt von 2000 Franken monatlich.

Die Zusammenarbeit mit Farner erstaunt bei einem SP-geführten Departement, da die PR-Agentur ansonsten für ihre Nähe zur FDP, SVP und zu den Wirtschaftsverbänden bekannt ist. So haben die beiden Nationalräte Jean-Pierre Gallati (Aargau) und Bruno Walliser (Zürich) aktuell als Zutrittsberechtigte für die nichtöffentlichen Teile des Parlamentsgebäudes Mitarbeiter von Farner angegeben. Auch in Basel, wo die Agentur eine Niederlassung hat, sind ihre Berater immer wieder im Hintergrund tätig. So begleiten sie aktuell die Verantwortlichen der Central Real Estate AG, die kürzlich einen Teil des Entwicklungsareals Klybeck von Novartis erworben hat.

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