Es ist eine ganz schön hohe Erwartungshaltung, die an die Feldbergstrasse gestellt wird. Über die «Trendstrasse», die «alternative Freie Strasse» im Matthäus-Quartier, wurde schon viel geredet und berichtet.

Dass sich in und um die Verkehrsachse etwas tut, ist unschwer zu erkennen. Hier kann man shoppen, ohne dass man von überlauter Technomusik einen Tinnitus davonträgt, wie in manchen Innenstadt-Geschäften. Und man findet Pullis, die garantiert nicht jeder Zweite im Tram trägt. Doch neben den Modegeschäften findet man auch ganz anderes: Videoverleihs, Döner-Buden, Windows-98-Computer.

Schrauben nach Gewicht

«Die Feldbergstrasse war schon immer von Bedeutung für Handel und Gewerbe», sagt der Basler Stadtentwickler Thomas Kessler. Das Matthäus-Quartier sei für Zuwanderer aus dem Wiesental und dem Elsass gebaut worden. «Ursprünglich war es eine breite Strasse, wo man sich getroffen und Handel betrieben hat», erklärt er.

Alteingesessene Kleinbasler erzählen gerne von den legendären Haushaltsgeschäften, die es dort früher gab. Etwa den «Beck-Bartenbach», wo man Schrauben nach Gewicht bezahlen und Clochen für Petroleumlampen kaufen konnte. Diese findet man heute möglicherweise nicht mehr, dafür etwa Staubsauger-Reparaturen.

«Trendig-bashiger Charakter»

«Es ist nach wie vor ein Quartier, man kann immer noch einen Döner essen – aber daneben eben auch einkaufen», sagt Andrea Otto vom Modegeschäft Riviera. Gerade die Mischung mache das Quartier spannender als die Innenstadt, wo Laden an Laden steht. Das sieht auch Mathias Böhm vom Verein Pro Innerstadt so: «Es braucht in einer Stadt auch Strassenzüge, wo sich etwas entwickeln kann. Oft haben diese einen trendig-bashigen Grundcharakter.»

Das Alternative ganz gezielt fördern will der Verein Reh4. Ihm gehören 38 Geschäfte aller Art im Kleinbasel an: Cafés, Galerien, Coiffeure, Mode, Velos.

«Ein Revier für progressive, independente und oder subversive Räume», charakterisiert sich der Verein auf seiner Website. Viele der Reh4-Mitglieder findet man an oder um die Feldbergstrasse. «Es ist unser Ziel, das Quartier als Alternative zur Innenstadt zu machen», sagt Marianne Mumenthaler vom Reh4-Vorstand. Ihr eigenes Kleidergeschäft Marinsel befindet sich gleich nach der Johanniterbrücke. «Die Feldbergstrasse ist einer der wenigen Orte in der Stadt, wo man abseits vom Mainstream wie Zara oder H & M einkaufen kann», ist Andrea Otto überzeugt.

Doch kann man tatsächlich so gut einkaufen an der Feldbergstrasse, oder verdankt sie ihren Ruf nur ein paar wenigen Vorreitern? «Eine solche Dynamik hängt von vielleicht fünf bis sieben Läden ab. Wenn dann plötzlich drei zumachen, ist diese aber meist schon wieder vorbei», sagt Mathias Böhm. Andrea Otto glaubt jedoch, dass die Entwicklung von Dauer ist: «Vor sieben Jahren, als ich angefangen habe, gab es auch viele neue Geschäfte, die aber wieder zu gegangen sind.

Heute sind die Läden professioneller geführt und werden länger bleiben.» Stadtentwickler Thomas Kessler glaubt, dass die Feldbergstrasse damit wieder an ihren historischen Zweck anknüpft: «In den Fünfzigerjahren wurde sie zur Lastenträgerin für den Verkehr. Jetzt treffen sich die Menschen wieder vermehrt auf der Strasse zum Einkaufen.»