Es geht um Leben und Tod. Hoch konzentriert und mit kraftvollen Bewegungen drückt Tanja Schmid das Brustbein des Unfallopfers ein. Ihr rennt die Zeit davon: wird der Kreislauf des Patienten nicht schnellstens wiederhergestellt, drohen irreversible Schäden am Gehirn oder gar der Tod.

Nach wenigen Minuten ertönt schliesslich der Signalton: Die Zeit ist um, der Patient gestorben. Zum Glück handelt es sich bei Letzterem nur um eine Puppe. Die ganze Übung findet nämlich im Rahmen eines öffentlichen Besichtigungstages statt, den das Bruderholzspital an diesem Wochenende durchgeführt hat.

Die Besucher konnten dabei nicht nur einen Blick hinter die Kulissen des Spitals werfen, sondern sich an verschiedenen Posten auch selber als Ärzte oder Pfleger versuchen. Obwohl es sich nur um eine Simulation handelt, ist Tanja Schmid trotzdem ein wenig wehmütig ob des Todes ihres Patienten: «Der arme Kerl, hoffentlich muss ich im richtigen Leben nie jemanden reanimieren.»

Etwas weniger dramatisch geht es im OP-Saal am anderen Ende des Ganges zu. Dort üben sich Kinder und Erwachsene in der Kunst der Laparoskopie – in der Sprache der Laien auch Bauchspiegelung genannt. Dabei werden dem Patienten durch winzige Öffnungen in der Bauchdecke filigrane Endoskope eingeführt. An deren Ende befindet sich eine Kamera, die das Bauchinnere auf 3-D-Bildschirme im OP-Saal projiziert. «Diese Kameras sind absolut modernste State-of-the-Art-Technologie», schwärmt Sebastian Lamm, Oberarzt für Chirurgie. Durch die 3-D-Perspektive könne man noch exakter vorgehen, erklärt Lamm den interessierten Besuchern. «Es ist schon faszinierend, was die Medizin heute alles kann. Zu meiner Zeit hätte man einfach den ganzen Bauch aufgeschnitten», kommentiert ein älterer Herr das Geschehen.

Nichts für schwache Nerven

Mit dem «Tag der offenen Tür» wolle das Bruderholzspital auch ein Statement für den Standort abgeben, sagt Brigitte Emmenegger, Leiterin Kommunikation & Marketing beim Kantonsspital Baselland (KSBL). Vor dem Hintergrund der laufenden Verhandlungen um die Fusion des Universitätsspitals Basel und dem KSBL ist nämlich noch nicht klar, was aus dem Standort Bruderholz werden soll. Zwar ist in dieser Angelegenheit noch nichts entschieden, doch die anhaltende Ungewissheit sei eine grosse Belastung für das Spitalpersonal, sagt Emmenegger. «Die Leute haben das Gefühl, nicht mehr richtig wahrgenommen zu werden. Mit dem Fest wollen wir zeigen, dass es uns noch gibt.»

Der Anlass bietet auch Gelegenheit, das in letzter Minute fertiggestellte neue Orthopädie-Ambulatorium zu besichtigen. An verschiedenen Stationen können die Besucher selber Hand anlegen und beispielsweise einen Gips anfertigen. Auch Freunde des soliden Handwerks kommen auf ihre Kosten: An einem Kniemodell aus Styropor kann man sich mit Bohrer und Säge zu schaffen machen und eine Knieprothese einsetzen. Das ist nichts für schwache Nerven: «Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie das an einem richtigen Knochen passiert», meint eine junge Frau.

Begehbarer Darm

Neben den Workshops kann man auch einen Gesundheitscheck machen und sich an Vorträgen von Experten über aktuelle Themen und Fragen der Medizin informieren. Die Krebsliga Schweiz hat vor dem Spital zudem einen begehbaren Darmschlauch aufgestellt, der die Besucher für die Darmkrebsprävention sensibilisieren soll. Spital-CEO Jürg Aebi freut sich derweil über den regen Besucherandrang: «Es sind viel mehr Leute gekommen als beim letzten Besuchstag. Das zeigt, dass unser Spital für die Bevölkerung interessant ist.»