Die Basler Tierkadaversammelstelle befindet sich in der Nähe der Kehrichtverbrennung. Wie Abfall werden dort die sterblichen Überreste von Haustieren entsorgt. Und wie bei Glas-Sammelstellen kommt es auch dort zu Littering und unsachgemässer Entsorgung. Nur hat dies bei toten Tieren eine grössere Tragweite als bei Scherben und Alu-Büchsen: Tote Tiere stellen ein Seuchenrisiko dar.

Die Tierkörpersammelstelle an der Hagenauerstrasse 35. Sie beinhaltet eine kleine, öffentliche Kühlzelle und «steht primär der Basler Bevölkerung für die Entsorgung von Klein- und Heimtieren während 24 Stunden, 7 Tagen die Woche während des ganzen Jahres zur Verfügung», sagt Kantonstierarzt Michel Laszlo.

In den vergangenen Monaten ist es aber wiederholt zu Missbrauch gekommen. Beispielsweise, weil Tierhalter dort Kadaver von Tieren entsorgen wollten, welche die Grösse der Kühlzelle überstiegen. «Was die Kapazität der relativ kleinen Kühlzelle übersteigt, sind vor allem Nutztiere wie ausgewachsene Schafe, Schweine oder Kälber», sagt Laszlo. Weil sie nicht in die Klappe passten, wurden sie einfach vor die Türen der Sammelstelle gelegt. «Grössere Tiere erschöpfen an den Wochenenden die Kapazität der Kühlzelle, sodass dann für andere Kadaver, welche von der Bevölkerung gebracht werden, kein Platz mehr bleibt», sagt Laszlo. Dies ist nicht nur unappetitlich, sondern auch «seuchenpolizeilich ein Problem», wie Anne Tschudin, Sprecherin des Gesundheitsdepartements ausführt.

Die toten Leiber grösserer Tiere müssen gemäss strengen Regeln entsorgt werden. Während Hunde oder Katzen jederzeit abgegeben werden können, müssen grössere Tiere zu den Öffnungszeiten deponiert werden.

In Bern verbrannt

Kadaver, die die Grenze von 200 Kilogramm übersteigen, dürfen gar nicht erst zur Sammelstelle gebracht werden, sondern werden von der Firma GZM/Centravo direkt abgeholt. Diese zeichnet auch für die Sammelstelle verantwortlich, holt dort die Tierkadaver ab und bringt sie ins bernische Lyss. Dort werden sie verbrannt.

Besonders ärgerlich wird es, wenn die Tiere nicht gesetzeskonform markiert sind und somit eine Rückverfolgung zum Besitzer schwierig wird. «Dies stellt einen klaren Verstoss gegen die Eidgenössische. Tierseuchengesetzgebung dar», sagt Laszlo. Ausserdem berichtet der Leiter des Veterinäramtes von Fällen von Vandalismus an der etwas abgelegenen Kadaversammelstelle.

Option: Kameras

Die Verstösse haben sich so weit gehäuft, dass das zuständige Gesundheitsdepartement Massnahmen diskutiert. «Das Veterinäramt überlegt derzeit, eine Überwachungskamera bei der Sammelstelle zu installieren», sagt Tschudin. Laszlo bestätigt dies. Er sagt aber auch, dass diese Möglichkeit intern zwar geprüft, aber «im Moment nicht priorisiert und bis auf weiteres auch sistiert» wurde.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Entsorgung von toten Tieren in der Region für Schlagzeilen sorgt. Vor rund zwei Jahren geriet insbesondere Biel-Benken in den Fokus: Anwohner beklagten sich damals über den Gestank von Schlachtabfällen und Innereien, die nicht sachgemäss beseitigt wurden. Dies zumindest ist in Basel aufgrund der Lage unwahrscheinlich.