Baustelle Aeschenplatz
Hier wird zehn Minuten in der Stunde gearbeitet

Die BVB führen am Aeschenplatz Gleisarbeiten durch – wenn die Arbeiter dazu kämen. Die bz fragt bei BVB-Sprecher Benjamin Schmid nach, wieso nicht in der Nacht gearbeitet wird.

Samuel Hufschmid
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Zwölf Bauarbeiter und fünf Security-Mitarbeiter sind derzeit am Aeschenplatz in Einsatz – und machen vor allem eines: Pause.
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Zwölf Bauarbeiter und fünf Security-Mitarbeiter sind derzeit am Aeschenplatz in Einsatz – und machen vor allem eines: Pause.
Baustelle Aeschenplatz Basel
Zwölf Bauarbeiter und fünf Security-Mitarbeiter sind derzeit am Aeschenplatz in Einsatz – und machen vor allem eines: Pause.
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Zwölf Bauarbeiter und fünf Security-Mitarbeiter sind derzeit am Aeschenplatz in Einsatz – und machen vor allem eines: Pause.

Nicole Nars-Zimmer

Sie stehen da wie hungrige Geier, die einem Löwen beim Fressen zuschauen und auf den Moment warten, wenn dieser eine Pause einlegt und sie sich auf das Aas stürzen können. Die Rede ist von den zwölf Bauarbeitern, die derzeit im Auftrag der BVB am Aeschenplatz eine Weiche ersetzen.

Die Löwen sind in diesem Fall die Drämmli, die eins nach dem anderen vorbeifahren, im Minutentakt, und die Baustelle blockieren. Dann und wann ertönt wie aus dem Nichts ein Horn, die Baustelle ist frei. Zwei Bagger fahren an, Männer steigen in den Graben und werfen mit blanken Händen Steine in den Vorderkipper – wenn dieser denn rechtzeitig an Ort und Stelle ist und nicht bereits vom nächsten Tram aufgehalten wird.

Mit Stoppuhr an der Baustelle

Das liest sich wie eine zugespitzte Momentaufnahme – ist es aber nicht, wie ein Baustellenbesuch der bz zeigt. Gestern Donnerstag zwischen 10.20 und 11.20 Uhr konnten die Arbeiter während exakt zehn Minuten und 30 Sekunden Baggern – die restlichen 49,5 Minuten war die Baustelle gesperrt (siehe Grafik). Und es wurde geflucht, in einem babylonischen Sprachgewirr, meist unverständlich, das wenige Französisch dazwischen in einer Zeitung nicht übersetzbar. Und geraucht wurde, in den zahlreichen Pausen, 18 Zigaretten hat der Beobachter gezählt.

Doch dann, 10.44 Uhr und 30 Sekunden: Wo sich in den Minuten zuvor noch aus allen Richtungen Tram hinter Tram gereiht hat, herrscht plötzlich Leere. Die Bagger fahren an, korrigieren ihre Position, bringen den pneumatischen Abbau-Hammer in Position, Takk, Takk, Takk, die Steine splittern.

Ein kleiner Bagger hievt die Brocken in den Kipper, grosse Hektik und dazu ein Hupkonzert – denn die im Stau stehenden Autofahrer denken, dass nun ihre Fahrt freigegeben werden müsste, jetzt, da keine Drämmli da sind. Doch der Security-Mitarbeiter mit dem Horn ist gnadenlos, jetzt ja nicht die Arbeiten unterbrechen, keine Sekunde zu früh. Selbst der erste aus Richtung Bahnhof anfahrende 10er lässt ihn kalt, Takk, Takk, Takk, Brocken raus, auf den Kipper. Erst als hinter dem 10er ein 11er, vom Gellert her ein 14er und aus Richtung Bankverein drei weitere Trams stehen, ertönt das Horn – Baustopp, nach rekordverdächtigen 130 Sekunden.

Doch die grosszügige Bauzeit rächt sich sogleich, denn durch den Tram-Stau – diese dürfen die Baustelle nur im Schritttempo befahren – heisst es danach 8 Minuten 20 Sekunden warten. Und fluchen. Und rauchen.

BVB-Sprecher Benjamin Schmid: «Wir haben entschieden, die Aeschenplatz-Weichen unter Betrieb zu ersetzen.»

Herr Schmid, wieso werden die Weichen am Aeschenplatz nicht nachts ersetzt, wenn keine Trams fahren?

Benjamin Schmid: Die Bauexperten der BVB entscheiden aufgrund unterschiedlicher Kriterien, welche Baumethode für ein jeweiliges Projekt zu welchem Zeitpunkt am Optimalsten ist. Dabei werden neben der Grösse der Bauarbeiten auch die Belastung auf das gesamte BVB-Liniennetz und die baulichen Ressourcen berücksichtigt. Auch die Auswirkungen auf die betroffene Anwohnerschaft werden berücksichtigt, da das Bauen unter Totalsperre nur dann effizient ist, wenn im Dreischichtenbetrieb und damit rund um die Uhr gearbeitet wird. Auf Basis all dieser Kriterien wurde entschieden, die Weichen am Aeschenplatz unter Betrieb zu ersetzen.

Das Chaos am Aeschenplatz ist derzeit gross, die Autos stehen am Feierabend in alle Richtungen. Muss man das in Kauf nehmen?

Bei einer Baustelle wie dieser und bei Bau unter Betrieb sind Einschränkungen und Behinderungen unvermeidlich. Hinzu kommt, dass es beim Aeschenplatz - auch ohne Baustelle - generell sehr viel Verkehr hat. Da aufgrund der Bauarbeiten in Richtung Bahnhof SBB nur eine Fahrspur befahrbar ist, empfehlen die BVB dem motorisierten Individualverkehr, den Aeschenplatz bis zum Ende der Bauarbeiten Ende Juni wenn möglich weiträumig zu umfahren. Diese Empfehlung kommunizieren wir seit Ankündigung der Bauarbeiten regelmässig.

Für die Sommerferien sind weitere Bauarbeiten in der Innerstadt angekündigt. Werden diese auch unter Betrieb durchgeführt?

Die Gleisarbeiten in der Falknerstrasse finden unter Totalsperre statt, vom 4. bis 30 Juli. Das führt dazu, dass in den ersten vier Wochen der Sommerferien keine Trams zwischen Barfüsserplatz und Schifflände verkehren.

Wie lange muss man noch mit groben Einschränkungen am Aeschenplatz rechnen?

Bis Ende Juni. Am Wochenende vom 17. bis 19. Juni (Freitagabend bis Sonntagnacht) wird der Baustellenbereich für Trams und Individualverkehr gesperrt, da dann die Weichen ersetzt werden. Der Individualverkehr wird aufgrund dieser Arbeiten bereits ab Donnerstag, 16. Juni via Brunngässlein, Sternenstrasse und Henric Petri-Strasse umgeleitet.