Ausstellung

Hightech aus der Antike: Roboter schenkte Griechen Wein ein

Kostas Kotsanas mit zwei seiner Rekonstruktionen: dem ersten Roboter (l.) und dem automatischen Theater. KEnneth Nars

Kostas Kotsanas mit zwei seiner Rekonstruktionen: dem ersten Roboter (l.) und dem automatischen Theater. KEnneth Nars

Die neuste Sonderausstellung der Skulpturhalle Basel zeigt den ersten Roboter, der im antiken Griechenland seinem Besitzer Wein einschenkte, die erste Dampfmaschine, die die Griechen damals entwickelten und viele weitere technische Errungenschaften.

Philosophie, Rhetorik, Kunst, Wissenschaften – egal in welchem Bereich, die Vorreiterrolle und die unglaublich grosse Wichtigkeit der antiken Griechen in diesen Bereichen ist genau so unumstritten wie bekannt. Nicht so aber im Bereich der Technik. Immerhin ist spätestens seit Beginn der Ausstellung zum Schatz von Antikythera im Antikenmuseum in Basel der hiesigen Bevölkerung bekannt, dass es die Griechen waren, die mit dem Mechanismus von Antikythera den ersten Computer der Welt erschaffen hatten. Er diente der Berechnung der Zyklen von Sonne und Mond und dem Stand der fünf damals bekannten Planeten.

Doch der Mechanismus ist bei weitem nicht die einzige technologische Errungenschaft, die auf die Intelligenz der antiken Griechen zurückzuführen ist. Um genau diese ebenso wertvollen und innovativen Erfindungen dreht sich die neuste Sonderausstellung in der Skulpturhalle Basel, die heute Samstag eröffnet wird.

Roboter und Dampfmaschinen

Die Ausstellung «Hightech aus dem antiken Griechenland» zeigt eine Auswahl der Werke von Kostas Kotsanas. Der 42-jährige Grieche begründete in Katakolon in der Nähe von Olympia auf eigene Kosten ein Museum, in dem er seine selber gebauten und unglaublich detailgetreuen Rekonstruktionen der grossen technischen Errungenschaften der griechischen Antike präsentiert. Insgesamt hat Kotsanas, für den das Bauen der Rekonstruktionen einst nur ein Hobby war neben seinem Beruf als Gymnasiallehrer, mittlerweile etwa 350 Rekonstruktionen erstellt und sein Hobby zum Beruf gemacht.

Kotsanas beruft sich bei der Herstellung seiner Stücke auf antike Schriften von Heron, Archimedes oder Philon von Byzanz. Teilweise wurden die Erfindungen aber auch von römischen oder arabischen Autoren festgehalten. Während beispielsweise die Aufzeichnungen von Heron ins 1. Jahrhundert nach Christus zurückgehen, wurden die «technologischen Wunder», wie Kotsanas sie immer wieder nennt, schon viel früher, nämlich im 3. oder 2. Jahrhundert vor Christus und somit kurz vor dem Ende der altgriechischen Zeitepoche erschaffen.

Eine Lösung für alles

Wer die Ausstellungsstücke genauer anschaut, wird erstaunliche Parallelen zu den Anfängen unserer modernen Technik feststellen. Sei es eine Art Kino, das automatisch das gesamte Geschehen eines Mythos mit bewegten Bildern und den dazu passenden Geräuschen aufführen kann. Oder intelligente Maschinen, die beim Einwurf einer Münze Wasser spenden. Oder ein funktionstüchtiger Roboter, von dem sich die Besitzer mit Wein und Wasser bedienen lassen konnten. Oder ein komplizierter Hebemechanismus, der den Griechen erlaubte, hohe Gebäude mit nur wenigen Arbeitskräften zu errichten. Oder doch die erste Dampfmaschine der Welt. All diese Erfindungen sind Prototypen von Technologien, die erst viel später ein zweites und angeblich erstes Mal wieder aufgetaucht sind. «Die Griechen hatten für alles eine Lösung», so Kotsanas, der mittlerweile nicht mehr nur Besitzer eines, sondern gleich drei eigener Museen ist. Allesamt sind sie auf dem Peloponnes beheimatet.

Die Ausstellungsstücke von Kotsanas sind jeweils mit Erläuterungen zur Funktion und teilweise mit Filmen ergänzt, die dem Besucher beispielsweise aufzeigen, wie der erste Roboter funktionierte oder welche grosse Rolle eine inwendige Sanduhr hatte, damit das erste Kino funktionieren konnte.

Verhinderte Revolution

Die Ausstellung, deren Exponate in einen Raum voller Büsten und Skulpturen in Szene gesetzt sind, ist eine Ergänzung zur Antikythera-Ausstellung und im Vergleich dazu eher überschaubar, was die Grösse angeht. Doch sie belichtet und erklärt diese unbekannte Seite der Kultur der Griechischen Antike sehr gut. Und sie macht deutlich, dass man dieser Zeit, in der Erfindungen eben noch nicht patentiert wurden, viel mehr Aufmerksamkeit schenken müsste. Und sie zeigt einmal mehr, wie weit die Griechen ihrer Zeit voraus waren und dass die westliche Kultur den Griechen viel mehr schuldet, als gemeinhin angenommen wird.

Die Exponate beweisen den hohen Stand der Technik des hellenistischen Zeitalters. «Damals war die Zeit einfach noch nicht reif», so Ella van der Meijden, Leiterin der Skulpturhalle, und spricht damit die ökonomischen, sozialen und politischen Verhältnisse an. Wäre die Zeit reif gewesen, dessen sind sich van der Meijden und Kotsanas einig, hätte es schon zur Zeit der alten Griechen zur industriellen Revolution führen können. Mit unvorhersehbaren Folgen für die Menschheit.

Hightech aus dem antiken Griechenland. Erfindungen von Kostas Kotsanas zu Gast in der Skulpturhalle Basel. 21. November 2015 bis 31. Januar 2016.

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