Beratung
Hilfe für gequälte Arbeitnehmer

Die Belastung am Arbeitsplatz steigt, während die Achtung vor dem Menschen sinkt. «Help» hilft Opfern von Mobbing und Burn-out - es werden immer mehr.

Rolf Zenklusen
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bz Basellandschaftliche Zeitung

Die Beratungsstelle «Help» bietet seit zehn Jahren Unterstützung bei psychischer Belastung am Arbeitsplatz. Die Institution der GGG ist nötiger denn je: Die beiden Berater Christian Pfäffli und Lucien Schoppig haben alle Hände voll zu tun.

Christian Pfäffli empfängt den Besucher in hellen und freundlichen Räumen mit gemütlichen Sitzgruppen. «Während vieler Gespräche wird hier geweint», erklärt Pfäffli den fragenden Blick auf die Kleenex-Tücher. «Help», die Beratungsstelle bei psychischer Belastung am Arbeitsplatz, hat die Büros in einem Altbau, der eine offene, unbürokratische Atmosphäre verströmt. Nach der Gründung im Jahr 2001 zeigte sich schnell der wachsende Bedarf dieses Angebots der Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige (GGG).

Weniger Achtung vor Menschen

«Die psychische Belastung am Arbeitsplatz ist in den letzten Jahren ständig gestiegen. Die innerbetriebliche Arbeitsplatzsituation wird immer brutaler», erklärt Pfäffli. Von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern werde immer mehr Leistung in immer weniger Zeit verlangt: «In der Privatwirtschaft ist das noch etwas schlimmer als beim Staat.» Und die Achtung vor den Mitarbeitenden habe massiv abgenommen: «Heute stehen Leistungsziele im Vordergrund.»

Durchschnittlich 50 Prozent der Personen, die sich bei «Help» beraten lassen, werden von Ärzten überwiesen. Andere stossen im Internet auf das Angebot oder haben die Plakate gesehen, die seit kurzem in den Trams hängen. «Burn-out? Kommen Sie lieber nicht zu spät», steht zum Beispiel auf der Tramwerbung.

Im ersten Gespräch schildern die Klienten die Situation. Geht es um Angst oder Unsicherheit? Ist der Arbeitnehmer überfordert, oder ist sogar Mobbing im Spiel? Aufgrund dieser Angaben machen der Kommunikationsberater Christian Pfäffli oder sein Kollege, der Psychologe Lucien Schoppig, eine Analyse. In aller Regel nehmen sie danach schriftlich mit dem Arbeitnehmer Kontakt auf und bitten ihn, seine Sicht der Dinge darzulegen.

«90 Prozent der Arbeitgeber empfangen uns problemlos», sagt Pfäffli. Danach suchen die beiden Fachleute eine Lösung mit den Klienten, oder sie unterstützen sie bei einer Austrittsvereinbarung oder bei ersten Schritten auf der Suche nach einer neuen Stelle. Psychotherapien, Sozialhilfe und juristische Vertretungen vor Gericht bietet «Help» allerdings nicht an.

«Die Hauptursache von Konflikten ist fehlende oder falsche Kommunikation», weiss der Fachmann und liefert ein Beispiel: Anstatt sein Gegenüber mit der Formulierung «Du hast ...» anzusprechen und die Person vielleicht damit zu verletzen, wäre es oft gescheiter, eine Ich-Formulierung zu benützen wie «Ich habe den Eindruck, dass ...»

Christian Pfäffli gibt zu, dass er selbst regelmässig professionelle Hilfe in Anspruch nehmen muss, um mit all den Konfliktsituationen fertig zu werden. Auch der ständige Austausch mit seinem «Help»-Kollegen Lucien Schoppig sei sehr wichtig.

Beide arbeiten in einem Teilzeitpensum für «Help». Nebenbei führt Pfäffli in Böckten ein eigenes Institut für Organisations- und Teamentwicklung, Schoppig ist Geschäftsführer des Instituts für systemische Psychologie in Basel. Auf der Beratungsstelle «Help» wird den beiden die Arbeit nicht so schnell ausgehen. «Die psychische Belastung am Arbeitsplatz wird weiter zunehmen», sagt Pfäffli.

«Help», Tel. 061 272 17 17